PfadnavigationHomeGeschichteSüdlibanonDiese Kreuzfahrerburg ist bis heute militärisch wertvollVon Johann AlthausStand: 11:41 UhrLesedauer: 6 MinutenAuf einem Bergrücken im südlichen Libanon thront seit dem zwölften Jahrhundert die Festung Beaufort – umkämpft ist sie bis heuteQuelle: picture alliance/dpa/StringerMindestens seit dem Hochmittelalter thront die Festung Beaufort im Südlibanon über dem Fluss Litani. Errichtet von den Kreuzfahrern, war sie seit 1268 in muslimischer Hand. Einer der berühmtesten Araber-Freunde Europas besuchte und beschrieb sie 1909.Der Besucher war beeindruckt: „Eine prächtige Burg“ sei die Feste im südlichen Libanon, die der gerade 21-jährige britische Geschichtsstudent Thomas Edward Lawrence in einem Brief an seine Mutter vom 2. August 1909 mit dem arabischen Namen „Qal'at al-Schaqif“ nannte, was schlicht „Burg auf dem Felsen“ bedeutete. Allerdings fügte er gleich hinzu: „Vielleicht sollte man es lieber ,Beaufort‘ nennen“, denn das war der historische Name.Durchaus passend, denn die Ruine thronte eindrucksvoll auf dem höchsten Punkt eines Bergrückens in Nord-Süd-Richtung. Dessen Ostseite fiel rund 500 Meter steil zum Tal des Flusses Litani ab, während der Hang an der Westseite so abschüssig war, dass der einzig nutzbare Weg schräg an einem fast hundert Meter langen Befestigungsstück entlangführte. Damit konnte er leicht verteidigt werden. Lesen Sie auchDie Kreuzritter hatten die Festung in der Mitte des zwölften Jahrhunderts errichtet, doch rund siebeneinhalb Jahrhunderte später, im Jahr 1909, hatte sie stark gelitten. Deshalb erwähnte der Besucher aus Großbritannien in seiner 1910 eingereichten Bachelorarbeit von dieser Anlage lediglich den Bergfried, „der klein und stark beschädigt“ sei. In wesentlich besserem Zustand befand sich die Burgkapelle: „Ein Stein, den ich aus den Fenstern der Kapelle warf, fiel nach zweimaligem Aufschlagen spritzend in den 1600 Fuß tiefer liegenden Fluss“, schilderte Lawrence: „Über die niedrigen Ausläufer und die Ebene der Jordanquellen im Osten konnten wir den Hermon sehen, dessen Täler noch schneebedeckt waren, sowie die Berge von Baschan und im Norden die Hälfte des Libanons. Im Süden versperrten die Hügel bei Safed und Nazareth die Aussicht.“Der Besucher, der wenige Jahre später als „Lawrence of Arabia“ weltweit Berühmtheit erlangte, war auf einer Forschungs- und Erlebnisreise. Schon in den Sommersemesterferien 1908 war er allein rund 3500 Kilometer durch Frankreich geradelt, von der Kanalküste bis zum Mittelmeer und zurück, stets auf der Suche nach mittelalterlichen Burgen. Nun, in den Sommersemesterferien 1909, wanderte er rund 1600 Kilometer in der Levante, ebenfalls mit besonderem Augenmerk auf Festungen, dieses Mal der Kreuzfahrer. In seiner Abschlussarbeit am Jesus College der Universität Oxford fasste er die Erkenntnisse aus beiden Reisen zusammen – sie behandelte den Einfluss von Kreuzfahrerbauten im Heiligen Land auf die europäische Militärarchitektur des 13. Jahrhunderts. Lesen Sie auchFür Lawrence war es wie eine Rückkehr in einige seiner Kindheitsträume, an Orte, an denen Ritter in Kettenhemden und Rüstungen ihren Heldenmut unter Beweis gestellt hatten. Weil aber die Notizen, die er auf dieser Wanderung zweifellos gemacht hatte, nicht erhalten blieben, geben nur der lange Brief an seine Mutter vom 2. August 1909 und die kurze Erwähnung in seiner Abschlussarbeit Aufschluss über diesen Besuch einer (später) historisch einflussreichen Persönlichkeit an einem historisch bedeutsamen Ort. Belfort beherrschte und beherrscht als Ruine bis heute weite Teile des südlichen Libanons. Das erklärt, warum diese Burg nicht nur im Mittelalter, sondern auch in der jüngeren Vergangenheit militärisch wichtig war und heute ist. Wahrscheinlich war der Ort bereits vor dem zwölften Jahrhundert befestigt oder wurde zumindest militärisch genutzt – so eine geografisch dominante Lage dürften weder die Bewohner der Region in der Antike noch die Römer als Vormacht ignoriert haben. Doch die greifbare Verwendung beginnt mit der Kreuzfahrerzeit.Im Jahr 1139 ließ Fulko von Anjou, der dritte christliche König von Jerusalem, den Bergrücken einnehmen. Anschließend wurde die Anlage errichtet und kam unter die Herrschaft des Grafen von Sidon, Gerhard Garnier. Aus dieser Zeit stammt der Name Beaufort.Lesen Sie auchEin knappes halbes Jahrhundert später, 1187, besiegte der Sultan Saladin das Königreich Jerusalem. Viele Kreuzfahrerburgen standen nun, wiewohl immer noch in christlicher Hand, unter Druck. 1190 schließlich wurde auch Beaufort Saladin übergeben, im Austausch gegen eine hochrangige Geisel. 1240 ging sie friedlich wieder an die Kreuzritter zurück und 1260 kauften die Templer die Burg. Nur acht Jahre später eroberte Sultan Baibars Beaufort; sie kehrte nie mehr in christliche Hände zurück.In den folgenden Jahrhunderten verlor die Festung an Bedeutung, war aber immer wieder einmal umkämpft und wurde auch mit Kanonen beschossen, was zu schweren Schäden führte. Ein Erdbeben verursachte 1837 weitere Zerstörungen. Fortan nutzten Bewohner der Umgebung die Ruine als Steinbruch. Lawrence war nicht der einzige europäische Besucher, der sich schon vor dem Ersten Weltkrieg für die Hinterlassenschaft der Kreuzritter interessierte und Beaufort aufsuchte: Bereits der französische Amateurarchäologe Victor Guérin besichtigte sie 1880; ein Jahr später wurde der Bau offiziell von britischen Offizieren vermessen.Nach dem Ersten Weltkrieg fiel der Libanon im Zuge des geheimen Sykes-Picot-Abkommens als Völkerbundmandat an Frankreich. Nun untersuchten Wissenschaftler und interessierte Laien die Anlage und ihre Architektur genauer – allerdings bis 1936 in Unkenntnis von Lawrences Schilderungen, denn erst posthum wurde seine Bachelor-Arbeit in einer für einen Bestsellerautoren kleinen Auflage von tausend Stück publiziert. In den Nahostkriegen der Jahre 1948/49, 1956 und 1967 spielte die Burg über dem Litani keine Rolle. Das ändert sich mit dem Ausbruch des libanesischen Bürgerkriegs im April 1975: Die Terrororganisation PLO, 1970 aus Jordanien vertrieben und in den Libanon ausgewichen, baute Beaufort seit 1976 zur strategischen Stellung aus; die israelische Armee beschoss die Ruine in den kommenden Jahren wiederholt.Im Juni 1982, als Israel im Libanon einmarschierte, um die ständigen Angriffe der PLO zu unterbinden, nahmen israelische Truppen Beaufort. Die Ruine wurde zum militärischen Stützpunkt ausgebaut, der bis zur Räumung des Südlibanon im Frühjahr 2000 benutzt wurde. Die mittelalterlichen Reste litten darunter naturgemäß weiter. Anschließend entwickelte sich Beaufort zu einem viel beachteten Symbol: als ursprünglich von den Kreuzfahrern errichtete, aber von Muslimen eroberte Festung und als Ort des Kampfes gegen Israel. Natürlich hatte die israelische Armee ihre Einrichtungen beim Rückzug unbrauchbar gemacht, doch die aus dem Iran finanzierte radikalschiitische Terrororganisation Hisbollah nistete sich trotzdem dort ein. Spätestens 2003 wehten ihre Flagge sowie die der schiitischen Partei und Miliz Amal über Beaufort. Angesichts dessen kam der Plan, die Ruine touristisch zu erschließen, kaum voran. Offenbar nutzte die Hisbollah die alte Kreuzfahrer-Festung als Teil ihrer Anlagen. Jedenfalls wurde nach der erneuten Eroberung durch israelische Soldaten am 31. Mai 2026 in der Nähe der Ruine ein ausgedehntes Netz von Tunneln entdeckt. Unter demselben Bergrücken, auf dem die Burg steht, und etwa einen Kilometer südlich der von den Kreuzfahrern erbauten Festung bildete die Anlage nach Angaben der israelischen Armee ein „wichtiges Kommando- und Kontrollzentrum“, in dem Hunderte Hisbollahkämpfer stationiert gewesen seien.Mitarbeit: Martin U.K. Lengemann
Südlibanon: Diese Kreuzfahrerburg ist bis heute militärisch wertvoll - WELT
Mindestens seit dem Hochmittelalter thront die Festung Beaufort im Südlibanon über dem Fluss Litani. Errichtet von den Kreuzfahrern, war sie seit 1268 in muslimischer Hand. Einer der berühmtesten Araber-Freunde Europas besuchte und beschrieb sie 1909.






