Die Kreuzritterburg Beaufort ist ein Wunderwerk des Festungsbaus – und ein strategischer Hotspot im Nahen Osten. Jetzt hat Israel sie erobertIm 12. Jahrhundert eroberten christliche Ritter das Kastell Beaufort in Südlibanon. Im Lauf der Zeit wurde es von Kreuzfahrern, Osmanen und der PLO genutzt. Und jetzt von der israelischen Armee.03.06.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenDie israelische Flagge weht neben der Flagge der Golani-Brigade über der Burg Beaufort aus der Zeit der Kreuzritter.Marwan Naamani / ImagoSeit neunhundert Jahren steht sie dort: die Burg Beaufort in Südlibanon. Auf einer markanten Anhöhe über dem Litani-Tal gelegen und mit massiven Mauern gesichert, war sie über Jahrhunderte eine der begehrtesten Festungen der Levante. Von der Spitze des steilen Grats aus sieht man weit über das Tal und nach Nordisrael. Kreuzritter haben die Anlage im 12. Jahrhundert gebaut, muslimische Feldherren eroberten sie, christliche Fürsten nahmen sie wieder ein, dann wurde sie von den Osmanen gestürmt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bis heute ist Beaufort einer der wichtigsten strategischen Orte im Nahen Osten. In den 1970er Jahren errichtete die PLO in ihr einen zentralen Stützpunkt. Sie baute die Anlage aus und benutzte sie als Artilleriestellung, um von dort aus Israel zu beschiessen. Anfang der achtziger Jahre, im Libanonkrieg, wurde Beaufort von den Israeli zurückerobert, in einem längeren Gefecht, das zahlreiche Tote forderte. Fast zwei Jahrzehnte lang blieb sie umkämpft. Bis sich die Israeli aus Libanon zurückzogen. Das war vor mehr als zwanzig Jahren.Seit drei Tagen weht auf Beaufort wieder die israelische Flagge. Am vergangenen Wochenende meldete die israelische Armee, sie habe die Festung und die umliegende Hügelkette eingenommen. Es ist der weiteste Vorstoss der Israeli ins Landesinnere seit Beginn der Kämpfe gegen den Hizbullah im März. Und die Rückkehr an einen Ort, der nicht nur strategische, sondern auch historische Bedeutung hat. Präsident Netanyahu sprach von einem «dramatischen Kurswechsel».Über Jahrhunderte hat Beaufort seine militärische Bedeutung bewahrt. Wann die erste Festung auf dem Berg gebaut wurde, weiss niemand. Fest steht: Es gab schon eine Burg, als Fulko, der Graf von Anjou, die Anlage im Jahr 1139 mit den Kreuzfahrern eroberte. Ein paar Jahre vorher war er zum König von Jerusalem gekrönt worden, hatte bereits erste Niederlagen erlitten und sich mit dem Wesir von Damaskus verbündet. Fulko baute Beaufort aus und übergab sie den Grafen von Sidon.Ein christliches UnternehmenAuch das waren westliche Herrscher, aus Norwegen. Sie hatten Sidon, die Hafenstadt südlich des heutigen Beirut, Anfang des 12. Jahrhunderts erobert und zum Teil des Königreichs Jerusalem gemacht. Das Ganze war ein christliches Unternehmen. 1095 hatte sich der byzantinische Kaiser an den Papst gewandt und um Hilfe gebeten: Die Araber drängten nach Norden, die türkischen Seldschuken kamen Konstantinopel bedrohlich nah. Ausserdem hatten sie Jerusalem unter ihre Kontrolle gebracht, was die Pilgerfahrten ins Heilige Land erschwerte. Der Papst musste handeln.Das tat er auch. Auf dem Konzil von Clermont rief Papst Urban II. zum «Heiligen Krieg» auf: Die heiligen Stätten der Christen – wo Jesus geboren wurde, wo er gelebt hatte und gekreuzigt wurde – befanden sich in der Hand von Ungläubigen. Sie wollte man erobern. Ohne Kampf war das nicht möglich. Aber der Kampf war ehrenvoll, denn es ging um die Kirche, um den Papst – und um das eigene Seelenheil. Allen, die sich an einem Kreuzzug ins Heilige Land beteiligten, versprach der Papst die Vergebung aller Sünden.Das war ein starkes Argument. Hunderttausende meldeten sich, um die heiligen Stätten zu befreien. Nicht nur Männer, auch Frauen und Kinder. Nicht nur Soldaten, auch Geistliche und Kaufleute aus ganz Europa. Viele waren schlecht ausgerüstet oder zu schwach, um die Strapazen zu bestehen. Allein im ersten Kreuzzug, der im Herbst 1096 aufbrach, machten sich rund hunderttausend Menschen auf den Weg. Viele von ihnen erreichten das Heilige Land nie. Sie starben auf der Reise durch Hunger, Krankheiten oder im Kampf mit Strassenräubern.Trotzdem gelang es, Jerusalem zu erobern. Im Sommer 1099, nach sechswöchiger Belagerung, stürmte das Heer der Kreuzritter unter Führung von Gottfried von Bouillon in die Heilige Stadt. Wie von Sinnen zogen sie durch die Strassen, drangen in Häuser und Moscheen ein und töteten wahllos Männer, Frauen und Kinder, Juden, Muslime und orientalische Christen. Der Boden soll übersät gewesen sein mit Leichen. Nach dem Massaker gab es einen Dankgottesdienst in der Grabeskirche, und das Königreich Jerusalem wurde ausgerufen.UneinnehmbarDoch der Krieg war nicht zu Ende. Die Kreuzfahrer waren isoliert, sahen sich ständigen Gegenangriffen ausgesetzt. Die eroberten Gebiete mussten gesichert, das Land kontrolliert werden. Es brauchte Warenlager, Waffendepots und militärische Vorposten. Seit dem frühen 12. Jahrhundert bauten die Kreuzritter deshalb im ganzen Heiligen Land Burgen. Zunächst einfache, provisorische. Aber je mehr sich der Krieg in die Länge zog, desto mehr entstanden auf Pässen, Berggipfeln und erhöhten Punkten in Küstennähe Festungsanlagen.Mächtige Bollwerke mit dicken Mauern, Grabensystemen, Zugbrücken, Zisternen und Kapellen, auf denen man auch längere Belagerungen überstehen konnte. Beaufort war keine der grössten, aber aufgrund der exponierten Lage eine der wichtigsten. Von ihr aus konnte man alle Handelswege zwischen Tyrus und Damaskus kontrollieren. Und sie war ausgeklügelt konstruiert. Dank der Kombination einer Oberburg mit einem mächtigen Wehrturm und einer Unterburg mit einer hohen Schildmauer galt Beaufort als uneinnehmbar.Tatsächlich ist sie ein Wunderwerk des Festungsbaus. Und hielt einigen Belagerungen stand. Ende des 12. Jahrhunderts brachte Sultan Saladin den Grossteil der Kreuzfahrerburgen in seine Gewalt. Beaufort nicht. Im April 1189 bereitete sich Saladin mit seinen Truppen auf die Belagerung von Beaufort vor. Zwei Jahre vorher hatte er Jerusalem wieder zurückerobert. Die Kreuzritter standen unter Druck, eine Niederlage reihte sich an die nächste.Der damalige Herr von Beaufort, Rainald von Sidon, begann mit Saladin zu verhandeln und gab vor, Sympathien für die Muslime zu hegen. Er bat sich eine Frist von drei Monaten aus, um seine Familie in Sicherheit zu bringen. Tatsächlich liess er die Burg heimlich reparieren und versorgte sie mit Vorräten. Nach Ablauf der Frist verweigerte Rainald die Kapitulation. Er wurde gefangen genommen, die Belagerung begann. Knapp acht Monate später fiel Beaufort.KriegsschädenAufgrund eines Vertrags mit dem Sultan von Damaskus erhielten die Kreuzfahrer die Burg Beaufort ein halbes Jahrhundert später wieder zurück. Dann wurde sie an den Templerorden verkauft, der sie erneuerte und ausbaute. Doch nur wenige Jahre später wurde sie von den Mameluken erobert und blieb von da an in muslimischer Hand. Statt «Beaufort», «schöne Festung», hiess sie nun Qal’at al-Schaqif Arnun, «hoher Fels». Später herrschten die Osmanen über das Land. Seit dem 18. Jahrhundert verfiel die Anlage zusehends.Erst im 20. Jahrhundert kehrte auf Beaufort wieder Leben ein. 1921 begannen archäologische Ausgrabungen, nach der Unabhängigkeit Libanons wurde die Burg restauriert. Seit Beginn des libanesischen Bürgerkriegs wurde sie ab 1976 von der PLO wieder militärisch genutzt, dann von den Israeli erobert. Im Jahr 2000 stellte die Unesco die Anlage unter Schutz, um sie vor weiteren Kriegsschäden zu bewahren. Erfolglos. 2026 wurde sie durch Luftangriffe teilweise zerstört. Und nun gilt sie wieder als strategischer Stützpunkt. So wie 1139, als sie das erste Mal erobert wurde.Passend zum Artikel
Von Israel erobert: Die Burg Beaufort ist seit Jahrhunderten ein strategischer Hotspot
Im 12. Jahrhundert eroberten christliche Ritter das Kastell Beaufort in Südlibanon. Im Lauf der Zeit wurde es von Kreuzfahrern, Osmanen und der PLO genutzt. Und jetzt von der israelischen Armee.










