PfadnavigationHomeSportFußballWMUmstrittener Superstar„Erster Nationalspieler im Homeoffice“ – Brasilien tief gespalten wegen NeymarStand: 10:19 UhrLesedauer: 5 MinutenNach dem ernüchternden Start in die WM traf Brasilien auf Haiti. Gegen den klaren Außenseiter gab es einen nie gefährdeten Sieg. Im Mittelpunkt: Ex-Herthaner Matheus Cunha. Die Highlights im Video.Neymar ist nach seiner Wadenverletzung wieder im Training und könnte in die WM einsteigen. Doch wie fit ist der Ex-Superstar? Und kann er dem viermaligen Weltmeister überhaupt helfen?Neymar im Sprinttraining, Neymar bei Koordinationsübungen, Neymar beim Passen – Neymar, wie er von Carlo Ancelotti mit einem freundlichen Schulterklopfen begrüßt wird. Die Bilder, die die CBF, der brasilianische Verband, am frühen Montagmorgen veröffentlichte, laufen seitdem bei den Fernsehsendern des größten Landes Südamerikas rauf und runter. Endlich ist der – wenn auch hochumstrittene – Superstar wieder fit. Er soll sogar das komplette Training mit der Mannschaft absolviert haben.Gibt es für eine lange und extrem kontrovers diskutierte Geschichte doch noch ein gutes Ende? Es sieht zumindest danach aus, als ob der 34-jährige Offensivspieler seine Wadenverletzung auskuriert hat und ins Turnier eingreifen kann – möglicherweise schon in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, wenn Brasilien in Miami sein letztes Gruppenspiel gegen Schottland bestreiten wird (0.00 Uhr, Magenta TV und im Liveticker bei WELT). Vielleicht wird er eingewechselt.Sollte es so kommen: Die permanenten Diskussionen, ob es richtig war, den verletzten Neymar mitzunehmen, würden endlich aufhören. Denn die Angelegenheit hatte Nerven gekostet – die des Trainers, der Mitspieler und wohl auch die von Neymar selbst. Es war, selbst nachdem der fünfmalige Weltmeister in die WM gestartet ist, ein alles überlagerndes Thema. Nach dem durchwachsenen 1:1 gegen Marokko wurde diskutiert, ob sich Ancelotti durch die Neymar-Berufung ins Aufgebot um eine wichtige Alternative in der Offensive gebracht habe. Und auch nach dem 3:0 über Haiti wurde der „Mister“ gefragt: Was ist mit Neymar?„Neymar? Der spielt ja nicht einmal“, sagt der PräsidentDiese Personalie spaltet eine ganze Fußball-Nation – bis rauf zum Präsidenten. Luiz Inácio Lula da Silva hatte es sich in den vergangenen Tagen nicht verkneifen können, einen Witz auf Kosten Neymars zu machen. Als ihm beim Besuch eines Krankenhauses in Belo Horizonte ein Junge sagte, dass der sein Lieblingsspieler sei, antwortete Lula: „Neymar? Der spielt ja nicht einmal.“ Dann legte er nach. Neymar sei „der erste Spieler der Welt, der in die Nationalmannschaft berufen wird, um im Homeoffice zu arbeiten.“ Dies dürfte mehr als nur ein spontaner Flachs gewesen sein. Der Sozialdemokrat Lula hat Neymar nicht verziehen, dass der ein bekennender Anhänger seines rechtspopulistischen Vorgängers und Erzfeindes Jair Bolsonaro ist.Es gibt kaum einen Spieler, der in seinem Heimatland so stark polarisiert – wegen seiner politischen Ansichten, aber auch wegen seiner Vergangenheit. 2019 sah sich Neymar einem Vergewaltigungsvorwurf ausgesetzt. Die Ermittlungen wurden eingestellt, da die Staatsanwaltschaft São Paulo keine ausreichenden Beweise dafür sah. Bis heute hält sich das Gerücht, dass Bolsonaro damals Einfluss zu seinen Gunsten genommen haben soll – und dass die öffentliche Werbung, die Neymar anschließend für den Politiker betrieb, die Einlösung einer Bringschuld gewesen sei. Beweisen ließ sich auch das nicht.Neymar bestritt sein letztes Länderspiel vor knapp drei JahrenWährend viele Fans mit Neymar gebrochen haben, erfreut er sich in der Selecao aber nach wie vor großer Unterstützung. „Wir hoffen, dass er im nächsten Spiel dabei sein kann und freuen uns über seine Entwicklung. Es ist für uns sehr wichtig, dass er zum Kader gehört“, sagt Vinicius Junior, der Neymar sogar als sein Idol bezeichnete.Lesen Sie auchDie Frage ist ohnehin, wie fit Neymar überhaupt sein kann. Sein letztes Länderspiel absolvierte er am 18. Oktober 2023. Damals hatte er sich in der WM-Qualifikation gegen Uruguay einen Kreuzbandriss zugezogen. Er wurde weinend vom Platz getragen. Ihm muss in diesem Moment bewusst gewesen sein, dass es für ihn schwer wird, noch einmal auf die große Fußballbühne zurückzukehren. Erst wenige Monate zuvor war Neymar von Paris St. Germain, wo er – ebenso wie Lionel Messi – nach dem Aus im Achtelfinale der Champions League gegen Real Madrid vom eigenen Publikum ausgepfiffen worden war, zu Al-Hilal nach Saudi-Arabien gewechselt. In Europa wollte man ihn nicht mehr.Lesen Sie auch„Wir freuen uns sehr, dass er wieder mit uns auf dem Platz steht und mit uns trainiert. Er ist ein absolut unverzichtbarer Spieler für uns. Er hat eine große Karriere gemacht und kann uns immer noch viel geben“, erklärte Lucas Paquetá, der unter normalen Umständen der Spieler sein könnte, der für Neymar auf die Bank müsste. Der Offensivspieler von Flamengo war von Ancelotti zunächst auf dem rechten Flügel, dann als Spielmacher eingesetzt worden – beides Positionen, auf denen auch Neymar spielen könnte.Ex-Herthaner Cunha steht nun im RampenlichtGegen die Schotten würde sich für Ancelotti das Problem allerdings nicht stellen: Denn es wird ein Ersatz für Raphinha benötigt, bei dem nach dem Haiti-Spiel eine Muskelverletzung am Oberschenkel diagnostiziert wurde. Der Flügelstürmer vom FC Barcelona war in der 40. Minute durch Rayan vom AFC Bournemouth ersetzt worden.Im Januar 2025 kehrte Neymar dann nach elfeinhalb Jahren zurück zum FC Santos, wo ihm damals der Durchbruch gelungen war. Doch auch in der Heimat, wo er mittlerweile zunehmend kritisch gesehen wurde, kehrte das Glück nicht zu ihm zurück. 14 Meisterschaftsspiele verpasste er wegen einer Oberschenkelverletzung. Dann musste er sich einer Knieoperation unterziehen – und schließlich verletzte er sich im Mai, als es bereits im Hinblick auf die WM-Nominierung auf die Zielgerade ging, an der Wade.Es wird immer stärker bezweifelt, ob Neymar nach seiner langen Leidenszeit überhaupt noch Top-Niveau erreichen kann – und ob ihn Brasilien überhaupt noch braucht. Denn der Ex-Herthaner Matheus Cunha dokumentierte nicht nur mit seinen zwei Toren gegen Haiti, welchen Wert er für die Selecao haben kann. Über ihn redete Ancelotti in den vergangenen Tagen deutlich lieber als über Neymar. „Er kann Tore schießen, Tore vorbereiten, und ich glaube auch, dass er die Leute von den Sitzen reißen kann“, sagte der Italiener. Cunha habe „dieses spezielle Etwas, das die Menschen lieben“. Das galt auch für Neymar – doch das liegt lange zurück.
Umstrittener Superstar: „Erster Nationalspieler im Homeoffice“ – Brasilien tief gespalten wegen Neymar - WELT
Neymar ist nach seiner Wadenverletzung wieder im Training und könnte in die WM einsteigen. Doch wie fit ist der Ex-Superstar? Und kann er dem viermaligen Weltmeister überhaupt helfen?













