Die Sonne brennt, der Geruch von Abgasen vermischt sich mit dem Duft brutzelnder Steaks: „Tailgating“ werden diese Grillpartys auf den Parkplätzen amerikanischer Sportstadien genannt. Der europäische WM-Passant ist geneigt, Mitleid zu empfinden, wenn hier in der Kulisse aus Blech und glühend heißem Asphalt Fleischberge mit Zuckerdrinks konsumiert werden. Aber der Parkplatz für 250 Dollar soll sich ja lohnen.Danach: Stadion, die Sonne glüht immer noch, schattenspendende Dächer haben hier die wenigsten Tribünen. Vielleicht sollte man doch dankbar sein für die Plätze in diesen Großraumbüros, auf die man als Berichterstatter verwiesen wird: Pressboxes mit Drehstühlen, schön heruntergekühlt. Und abgeschnitten von der Atmosphäre.Wer hören oder gar spüren möchte, welche Emotionen die Arenen erfüllen, hat Pech gehabt oder muss sich an den – dankenswerterweise sehr kulanten – Ordnern vorbei auf die Tribünen schmuggeln. Denn der Grundton der Sitzplätze hinter Glas erinnert an das Gemurmel in der Wartehalle eines Provinzbahnhofs. Wobei: In New York gibt es an diesem Tag immerhin einen Ersatz. Radio Müller läuft.„Was? Was? Dafür muss er aber eine gute Erklärung haben“, ruft der Magenta-Mitarbeiter, als Kylian Mbappé im Spiel der Franzosen gegen den Senegal keinen Elfmeter zugesprochen bekommt. Alle hören mit: „Super-Pass, hast Du gesehen, wer den gespielt hat?“, ruft der Magenta-Experte, wahrscheinlich adressiert an seinen Kollegen Mats Hummels auf dem Nebenplatz.Der wird später im TV von der großartigen Stimmung während des Spiels schwärmen, und man fragt sich, wer sein Informant war. Eigene Eindrücke kann er kaum haben nach 90 Minuten hinter Doppelverglasung, wo auf Laptops tippende Finger lauter zu hören sind als die 80.000 draußen in der Hitze.Nach F.A.Z.-Recherchen war es eher mau draußen auf den Tribünen, jedenfalls viel leiser als bei Brasilien gegen Marokko im gleichen Stadion. Aber wahrscheinlich hatte Hummels einfach den besten Platz hier, wo er doch irgendwie emotional mitgerissen wurde – direkt an den Lippen des dauerpräsenten Thomas Müller.
Fußball-WM 2026: Die Presse sitzt bei der WM im Glashaus
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft sitzen die Berichterstatter in den Stadien in verglasten Presseboxen. Wer die Stimmung einfangen möchte, muss kreativ werden – oder auf Radio Müller hoffen. Eine Glosse.







