Wenn es um politische Äußerungen im Klassenzimmer geht, sind viele Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland verunsichert: Fast jede fünfte Lehrkraft (18 Prozent) fühlt sich im Unterricht gehemmt, weil sie Sorge hat, gegen das Neutralitätsgebot für Lehrerinnen und Lehrer zu verstoßen. Und mehr als jeder vierte Pädagoge (27 Prozent) glaubt, die eigene politische Meinung im Unterricht grundsätzlich nicht äußern zu dürfen.

Die Zahlen stammen aus dem Deutschen Schulbarometer , dessen aktuelle Ausgabe die Robert Bosch-Stiftung am Dienstag veröffentlicht hat. Befragt wurden dafür mehr als 1500 Lehrerinnen und Lehrer. Die Ergebnisse sind nach Aussagen der beauftragten Forschenden repräsentativ für Deutschland.Und sie zeigen ein grundsätzliches Problem: Parteipolitische Indoktrinierung darf es im Klassenzimmer nicht geben, das schon. Aber weder gibt es ein Neutralitätsgebot für Lehrerinnen und Lehrer noch ein generelles Verbot politischer Äußerungen, solange sie sich im Rahmen des Grundgesetzes bewegen. »Im Gegenteil, Lehrkräfte sind sogar dienstlich verpflichtet, sich für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einzusetzen«, sagt Katharina Thoren, Bildungsexpertin der Bosch-Stiftung. Dass ein Viertel der Lehrkräfte glaube, jede noch so abwegige Meinungsäußerung von Schülerinnen und Schülern unwidersprochen stehen lassen zu müssen, um neutral zu bleiben, sei »erschreckend«.