«Gestalten statt verwalten» stand auf seinen Plakaten. Als Robert Sesselmann an einem schwülwarmen Juni-Tag 2023 zum ersten AfD-Landrat Deutschlands gewählt wurde, sprach Björn Höcke von einem «politischen Wetterleuchten». Heute sagt der Thüringer AfD-Chef: «Er hat sich gut eingearbeitet.» Das Pathos scheint erstmal verflogen. Thüringer Landräte sind für sechs Jahre gewählt - Halbzeit im Landkreis Sonneberg.

Für die AfD war die Wahl Sesselmanns zum Landrat des zweitkleinsten Landkreises Deutschlands damals ein Mega-Erfolg. Gewonnen hat er die Wahl auch mit Forderungen, die er als Landrat nie wird durchsetzen können - etwa aus der Euro-Währungsunion auszusteigen oder die Rundfunkgebühren abzuschaffen. In der Höcke-AfD träumten einige vom harten Umgang mit Geflüchteten, von Abschiebungen und Abschottung. Von AfD pur.

Verwalter, Gescheiterter oder Rechtsextremist? Drei Jahre später steht Robert Sesselmann auf dem Sportplatz des kleinen Örtchens Lichte und schaut in eine Feuerwehr-Chronik, die ihm ein Mann vor die Nase hält. Er wird vor rund 200 Kindern und Jugendlichen beim Kreisjugendfeuerwehrtag als «Ehrengast» begrüßt und darf ein Grußwort halten. Sesselmann wünsche «beste Erfolge», sagt er da. «Und wenn es nicht so gut klappt, ist es nicht so schlimm, denn aus Fehlern lernt man am besten.»