MeinungPrivate-Equity-Anbieter versprechen einen hohen Gewinn mit der nächsten SpaceX oder OpenAI. Tatsächlich hat die Anlageklasse den Aktienmarkt geschlagen – doch der Vorsprung schwindet. Und ausgerechnet Privatanleger erhalten oft die schlechtere Variante.Patrick Eugster22.06.2026, 22.28 UhrKaum ein Thema elektrisierte Anleger in den vergangenen Wochen mehr als der Börsengang von SpaceX. Die Bewertungen überschlugen sich, die Prognosen ebenso. Ich selbst halte es durchaus für möglich, dass Elon Musks Raumfahrtunternehmen eines Tages als erste Firma der Welt einen Börsenwert von mehr als 100 Bio. $ erreicht. Doch solche Prognosen sind letztlich Gedankenspiele.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Aus Anlegersicht ist das Beispiel von SpaceX auch aus einem anderen Grund interessant. Vor rund acht Jahren wollte ich mich an dem Unternehmen beteiligen. Doch die damals noch private Firma verlangte eine Mindestinvestition von 400’000 $, etwas gar viel für einen Studenten. Heute wären aus diesem Mindesteinsatz mehr als 20 Mio. Fr. geworden.Inzwischen ist der Zugang zu privaten Unternehmen deutlich einfacher geworden. Mancherorts genügen bereits wenige Tausend Franken, um sich an (noch) nicht kotierten Firmen zu beteiligen. Entsprechend sehe ich immer häufiger, wie Privatanleger zum Investieren in die nächste SpaceX oder OpenAI eingeladen werden.Diese Entwicklung ist Teil eines grösseren Trends. Der regelmässige The-Market-Autor Jürg Lutz vertritt die These, dass öffentliche und private Kapitalmärkte zunehmend zusammenwachsen und Privatmarktanlagen schrittweise für ein breiteres Publikum geöffnet werden.Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur, ob Privatanleger Zugang zu Private Equity erhalten, sondern ob sie für die damit verbundenen Risiken auch angemessen entschädigt werden.Was Private Equity wirklich abwirftBeginnen wir fair: Die Renditen von Private Equity waren über lange Zeit beeindruckend. Gemäss Daten der branchennahen Investmentgesellschaft Cambridge Associates erzielten US-Private-Equity-Fonds in den vergangenen 25 Jahren durchschnittlich knapp 12% pro Jahr. Ein vergleichbar investiertes Weltaktienportfolio kam im selben Zeitraum auf rund 8%.Auf den ersten Blick erscheint dieser Unterschied überschaubar. Über Jahrzehnte hinweg entfaltet der Zinseszinseffekt jedoch enorme Wirkung. Wer 10’000 Franken zu 8% anlegt, verfügt nach 25 Jahren über rund 68’000 Franken. Bei einer Rendite von 12% werden daraus mehr als 170’000 Franken, fast das Zweieinhalbfache. Kein Wunder, übt die Anlageklasse auf viele Anleger eine grosse Anziehungskraft aus.Dies, obschon andere Erhebungen Zweifel wecken, ob tatsächlich ein nennenswertes Alpha übrigbleibt. Während Private Equity lange als Quelle systematischer Überrenditen galt, kommt Jürg Lutz zum Schluss, dass der Vorsprung gegenüber dem Aktienmarkt weit kleiner ist als oft behauptet oder ganz verschwindet. Aus etwas «Aussergewöhnlichem» ist etwas «Normales» geworden.Und hohe Renditen allein sagen wenig aus. Entscheidend ist nicht, wie viel eine Anlage abgeworfen hat, sondern wie sie diese Rendite erzielt hat. Stammt der Mehrertrag aus besonderem Können der Fondsmanager? Oder handelt es sich lediglich um die Entschädigung für zusätzliche Risiken, die Anleger eingehen mussten?Die wissenschaftliche Literatur zeichnet hier ein deutlich nüchterneres Bild, als es die Marketingbroschüren der Branche vermuten lassen.Der Vorsprung hat einen Namen: RisikoEin grosser Teil des Mehrertrags ist keine Managerleistung, sondern schlicht die Bezahlung für höhere Risiken.Das wichtigste davon ist die Illiquidität. Eine kotierte Aktie verkaufen Sie in Sekunden. Eine private Beteiligung loszuwerden, dauert Wochen oder Monate und besonders schwierig wird es genau dann, wenn alle gleichzeitig Geld brauchen, also in der Krise. Für dieses Risiko wird man entschädigt. Eine vielbeachtete Studie beziffert diese Liquiditätsrisikoprämie auf rund 3 Prozentpunkte pro Jahr (Franzoni, Nowak und Phalippou, 2012). Das ist fast exakt der Vorsprung, den Private Equity gegenüber dem Aktienmarkt erzielt hat.Ausserdem war ein nennenswerter Teil des Erfolgs von Private Equity auf den Leverage zurückzuführen, was mit den höheren Zinsen schwieriger geworden ist. Rechnet man zusätzlich die höhere Verschuldung der gekauften Firmen und den Fokus auf kleinere Unternehmen heraus, bleibt vom vermeintlichen Mehrwert kaum etwas übrig, wie der Ökonom und globaler Leiter des Investment Advisory des Staatsfonds von Abu Dhabi Jean-Francois L’Her und seine Mitautoren schon 2016 zeigten.Dazu kommt ein weiterer Effekt. Private Firmen werden nur selten neu bewertet – SpaceX vielleicht ein bis zwei Mal pro Jahr. Dadurch schwanken die Kurse privater Firmen zumindest auf dem Papier viel weniger stark als jene von normalen Aktien an der Börse. Das Risiko verschwindet aber nicht, nur weil der Kurs nicht täglich angezeigt wird. Es ist bloss weniger sichtbar.Anders gesagt: Private Equity hat nicht den Markt geschlagen, weil die Manager so viel besser waren, sondern weil Anleger ein höheres Risiko getragen haben. Wer das Geld jahrelang nicht anrühren kann, wird dafür bezahlt. Und unter Berücksichtigung der Gebühren sehen die Renditen oft noch bescheidener aus.Privatanleger erhalten oft die zweite WahlBleibt das Argument, Investoren könnten ja einfach die besten Fonds auswählen. Gemäss einer Studie von Nori Gerardo Lietz von der Harvard Business School aus dem vergangenen Jahr, die die Resultate von 2005 bis 2025 analysiert hat, kann sich die Performance der renditestärksten Private-Equity-Fonds nämlich durchaus sehen lassen.Doch für kleinere Investoren ist das der mitunter schwierigste Punkt. In die wirklich guten Fonds kommen oft nur vermögende Kunden. Eine andere Untersuchung der Harvard-Universität (Bates, 2025) zeigt: Jene Produkte, die gezielt an weniger vermögende Anleger vermarktet werden, schneiden schlechter ab als die für institutionelle Kunden. Privatanlegern wird tendenziell das schwächere Produkt verkauft.Und einfach auf die Gewinner unter den Fonds zu setzen, reicht nicht. Sie erzielen laut Lutz in den Jahren darauf keinen Mehrwert. Diese Beobachtung passt zur allgemeinen These: Mit der zunehmenden Öffnung der Privatmärkte für Kleinanleger droht die Gefahr, dass Privatanleger zwar Zugang erhalten, jedoch nicht zu denselben Konditionen wie institutionelle Investoren.Was bleibtPrivate Equity ist eine Anlageklasse mit guten Renditen, die jedoch einen Preis haben: hohe Risiken, hohe Gebühren und – für kleine Investoren – meist die zweite Wahl beim Zugang. Für die meisten ist die Hürde deutlich höher, als die Werbung suggeriert.Doch ich bin vorsichtig optimistisch, dass auch bei Private Equity die Demokratisierung des Anlegens weiter voranschreitet, wie dies in den letzten Jahrzehnten dank ETF auch bei den öffentlichen Märkten der Fall war. Die Gebühren dürften fallen und die Transparenz steigen: teilweise liquide Produkte, die in den letzten Jahren entstanden sind, dürften erst der Anfang sein.Patrick EugsterPatrick Eugster hat an der Universität Zürich in Finance bei Prof. Dr. Thorsten Hens promoviert. Beruflich vermittelt er mit Videos, Podcasts und Blogartikeln der Allgemeinheit Finanzwissen. Sein monatlicher Newsletter «Besser Investieren» unterstützt Anleger mit wissenschaftlich abgestützten und direkt anwendbaren Tipps und Tricks zum Investieren. Zudem ist er aktiv auf Youtube als «Patrick investiert». In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Erwin Heri und Iwan Brot hat er vor kurzem das Buch «Die Schweiz sorgt vor» publiziert. In seiner Freizeit engagiert er sich politisch als Initiant und Präsident der eidgenössischen Volksinitiative «Renteninitiative» und betreibt regelmässig Crossfit.
Patrick Eugster: Die hohen Renditen bei Private Equity haben einen Preis
Private-Equity-Anbieter versprechen einen hohen Gewinn mit der nächsten SpaceX oder OpenAI. Tatsächlich hat die Anlageklasse den Aktienmarkt geschlagen – doch der Vorsprung schwindet. Und ausgerechnet Privatanleger erhalten oft die schlechtere Variante.









