Papst Leo XIV. hat am Montag bei einem Besuch des UN-Welternährungsprogramms in Rom die Bedeutung der Hungerbekämpfung unterstrichen und die Regierungen damit aufgerufen, die Organisation der Vereinten Nationen weiterhin zu unterstützen. Heute nähre man Konflikte, statt Menschen zu ernähren, beklagte der Papst, der im WFP-Hauptquartier die Führungsebene und die Mitarbeiter traf.Leo kritisierte, dass humanitäre Belange in den Hintergrund gerieten, und pries die Arbeit der WFP-Mitarbeiter, die in Kriegsregionen oft ihr Leben riskierten. „Viele Regierungen richten ihre Aufmerksamkeit auf nationale Sicherheit, wirtschaftliches Wachstum und Stabilität in der Heimat und ignorieren dabei die enge Verbindung dieser Themen mit multilateraler Kooperation.“ Es herrsche ein „fundamentales Ungleichgewicht in den politischen und moralischen Prioritäten“.WFP leidet unter massiven BudgetkürzungenDas World Food Programme (WFP) ist seit geraumer Zeit mit starken Budgetkürzungen konfrontiert. Vor allem die USA, aber auch die wichtigsten europäischen Nationen wie Deutschland haben ihre Zuwendungen erheblich verringert. Das WFP-Budget, das in den besten Jahren wie 2022 rund 14 Milliarden Dollar erreichte, umfasst derzeit nur noch gut sechs Milliarden Dollar. Hinzu kommt, dass bei den drei UN-Ernährungsorganisationen in Rom fast zeitgleich wichtige Führungsfragen geklärt werden müssen.Papst Leo wurde beim WFP in Rom vom interimistischen Exekutivdirektor Carl Skau empfangen. Der Schwede leitet das WFP, seit die beim Papst-Besuch ebenfalls anwesende Cindy McCain im Frühjahr aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste. In der Favoritenrolle für die Nachfolge von Cindy McCain ist der Amerikaner Luke Lindberg, der Kandidat von Donald Trump.Würde Luke Lindberg vor allem US-Interessen dienen?Lindberg ist seit 2025 Unterstaatssekretär für Handel und internationale Agrarangelegenheiten im US-Landwirtschaftsministerium. Darüber hinaus ist er Schwiegersohn des republikanischen Senators John Thune, der in Agrarfragen viel Einfluss hat. Lindberg war auch fast drei Jahre lang Präsident der Organisation South Dakota Trade im landwirtschaftlich geprägten Bundesstaat South Dakota. Daher erwarten nicht wenige Beobachter, dass sich Lindberg an der WFP-Spitze stark für amerikanische Agrarinteressen einsetzen könnte.Das Welternährungsprogramm ist ein großer Käufer von Weizen und anderen Agrargütern. Als besonders wichtig gilt in Rom indes auch die Frage, in welcher Höhe der neue Chef für die Organisation in den Vereinigten Staaten öffentliche Mittel lockermachen kann. An dieser Fähigkeit wurden bisher alle WFP-Exekutivdirektoren gemessen. Die USA sind trotz der Kürzungen seit Langem größter WFP-Geldgeber. Positiv wurde registriert, dass die US-Regierung kürzlich eine neue Überweisung von 800 Millionen Dollar zugesichert hat.Mit der Ernennung von Lindberg könnte es jedoch noch etwas dauern. Laut Medienberichten stemmt sich der UN-Generalsekretär António Guterres gegen die Ernennung eines „America-first-Kandidaten“. Guterres’ Amtszeit läuft Ende des Jahres aus. Formal zustimmen muss auch der Generaldirektor der Welternährungsorganisation (FAO), der Chinese Qu Dongyu. Seine Amtszeit endet 2027. Von ihm ist zwar keine Opposition gegen Lindberg zu erwarten, doch seine Nachfolge könnte Teil eines größeren Personalrevirements für die verschiedenen UN-Organisationen in Rom sein.Die europäischen Nationen haben sich bisher nicht auf einen FAO-Kandidaten einigen können. Vielmehr haben sie drei Namen ins Gespräch gebracht, was ihre Erfolgschancen gegen null gehen lassen würde. Daher gilt es, Stand heute, nicht als ausgeschlossen, dass Europa keinen einzigen Vertreter an die Spitze der drei UN-Organisationen befördert. Neben WFP und FAO geht es um den Landwirtschaftsfonds Ifad, dessen spanischer Leiter Alvaro Lario 2026 sein Amtsende erreicht.