Eher kleinere nationale Fluggesellschaften, die unter einem größeren Konzerndach eine Zukunft finden sollen – bisher ging es in Debatten über eine Konsolidierung der europäischen Luftfahrt fast nur darum. Nun ist der britische Billigflieger Easyjet mit mehr als 350 Flugzeugen in den Fokus gerückt. Die amerikanische Investmentgesellschaft Castlelake buhlt um Easyjet. Die Fluggesellschaft wies mehrere Übernahmeangebote zurück. Castlelake gibt aber nicht auf und geht an die Öffentlichkeit.„Nachdem der Easyjet-Vorstand drei Vorschläge abgelehnt hat und nicht bereit ist, ernsthaft in Verhandlungen einzutreten, macht Castlelake nun diesen dritten Vorschlag öffentlich, damit die Easyjet-Aktionäre dessen Vorzüge prüfen und ihre Meinung dazu äußern können“, schrieb die US-Investmentgesellschaft am Montag. Zuletzt hatte Castlelake einen auf 4,7 Milliarden Pfund (5,4 Milliarden Euro) erhöhten Kaufpreis vorgeschlagen.Der Easyjet-Aktienkurs legte am Montag im Handelsverlauf um rund drei Prozent zu. Seit die US-Investmentgesellschaft im Mai ihr erstes Angebot von 3,2 Milliarden Pfund vorgelegt hatte, ist der Kurs um gut ein Viertel gestiegen. Allerdings war die Easyjet-Aktie zuvor wegen der Kerosinpreisschocks infolge des Irankriegs stark gefallen. Sie befand sich schon über Jahre im Sinkflug, wodurch der Preis für das Unternehmen Easyjet günstig erscheint. Easyjet hat insgesamt einen Börsenwert von knapp vier Milliarden Pfund (4,6 Milliarden Euro), die Marktkapitalisierung des Billigflug-Rivalen Ryanair erreicht in etwa das Sechsfache.Easyjet: „Eine fundamentale Unterbewertung“Aus Sicht der Easyjet-Spitze spiegelt auch das jüngste Castlelake-Angebot von 6,25 Pfund je Aktie „nicht die mittelfristigen Aussichten von Easyjet, die starke Bilanz und Kapitalstruktur wider“. Das Angebot sei „hochgradig opportunistisch“ vor dem Hintergrund eines „temporär gedrückten Aktienkurses“, schrieb die Unternehmensspitze. Sie strebe mittelfristig einen jährlichen Vorsteuergewinn von mehr als einer Milliarde Pfund an. Der vorgeschlagene Preis stelle „eine fundamentale Unterbewertung“ dar.Easyjet beförderte im vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. September 2025 endete, 93 Millionen Fluggäste, setzte etwas mehr als zehn Milliarden Pfund (knapp zwölf Milliarden Euro) um und wies einen Vorsteuergewinn von 665 Millionen Pfund aus. Ryanair berichtete für das Geschäftsjahr bis Ende März 208 Millionen Passagiere und gut 15 Milliarden Euro Umsatz. Castlelake sagte, sein Angebot bewerte Easyjet so hoch, wie die Aktie seit Februar 2022 nicht mehr gehandelt worden sei. Die US-Gesellschaft wolle Easyjet ermöglichen, weiterzuwachsen.Veränderungen bei Easyjet wären wegen der Größe der Gesellschaft geeignet, Kräfteverhältnisse in Europas Flugbranche in Bewegung zu bringen. Das nächste Übernahmeziel der Lufthansa, die portugiesische TAP, hat nur rund 100 Maschinen in ihrer Flotte, darunter aber auch Langstreckenflugzeuge, die Easyjet nicht betreibt.Was plant Air France?Um eine mögliche Easyjet-Übernahme ranken sich Spekulationen darüber, wer noch – gegebenenfalls im Pakt mit Castlelake – zugreifen könnte. Als möglicher Interessent wird in Branchenkreisen der Reedereikonzern MSC genannt. MSC hatte ursprünglich zusammen mit Lufthansa den Alitalia-Nachfolger ITA kaufen wollen. Im zweiten Anlauf trieb Lufthansa den mittlerweile vollzogenen Einstieg allein voran. Auch Air France-KLM wird als Interessent gehandelt. An Air France-KLM ist der MSC-Reedereirivale CMA CGM mit 8,8 Prozent beteiligt. Und der französisch-niederländische Flugkonzern hat schon mit Castlelake zusammengearbeitet – bei der Übernahme der skandinavischen SAS.Bestätigt ist keine dieser Spekulationen. Doch Air-France-KLM-Chef Ben Smith bezeichnete gegenüber dem Informationsdienst Bloomberg die Vielzahl der Easyjet-Landerechte als „sehr beeindruckend“. Zu Gesprächen über Vorschläge zur Easyjet-Zukunft wäre er bereit. Von den 33 Flughäfen, an denen Easyjet Flugzeuge stationiert hat, befinden sich sechs in Frankreich, nur in Großbritannien hat der Billigflieger mehr Basen. In Deutschland betreibt Easyjet bloß eine Basis in Berlin.Easyjet wurde schon mehrfach als Kandidat für eine Zerschlagung oder Übernahme genannt. Ryanair-Chef Michael O’Leary sagte im Herbst, Easyjet sei zwar nicht in Schwierigkeiten, stagniere aber eher und könne in den nächsten Jahren zum Übernahmeziel werden. Selbst scheint er kein Interesse zu haben. Im Detail unterscheiden sich die Geschäftsmodelle der beiden Billigflieger. Easyjet steuert eher größere Flughäfen an und hat eine Reisesparte aufgebaut, die Easyjet-Flüge und Hotelzimmer im Paket als Pauschalreisen vermarktet. Easyjet-Chef Kenton Jarvis und sein Vorgänger Johan Lundgren waren zuvor für den Reisekonzern TUI tätig.Bei einem Verkauf muss Easyjet EU-Vorgaben beachten, um keine Flugrechte zu verlieren. Dafür ist es nötig, dass eine Gesellschaft mehrheitlich von Eigentümern aus der EU kontrolliert wird. Um diese Vorgabe trotz des Brexits einzuhalten, hat Easyjet Stimmrechte von Nicht-EU-Aktionären suspendiert und eine EU-Betriebseinheit mit Sitz in Wien geschaffen. Flugnummern des EU-Teils beginnen mit „EJU“, die des britischen mit „EZY“. Castlelake beteuert, man werde die EU-Regeln respektieren. Der Investor will sich mit dem früheren Ryanair-Vorstand Peter Bellew und dem ehemaligen Arajet-Chef Mark Breen zusammentun. Zusätzlich würde „eine kleine Zahl von Ko-Investoren“ ins Boot genommen. Easyjet nannte die vorgeschlagene Eigentümerstruktur „undurchsichtig“.
Easyjet lehnt Castlelake-Übernahme ab: Was steckt dahinter?
Was wird aus Easyjet? Der US-Investor Castlelake will die Airline kaufen, die lehnt das ab. Castlelake gibt sich kämpferisch. Auch der Lufthansa-Konkurrent Air France-KLM könnte dabei noch eine Rolle spielen.














