An Easyjet scheiden sich die Geister. Viele Passagiere sehen die britische Billigfluggesellschaft als nettere, komfortablere Variante von Ryanair, die sogar da hinfliegt, wo man eigentlich hin will. Und das zu akzeptablen Preisen. Andererseits hat Easyjet einen schweren Stand bei Investoren. Aus deren Sicht stimmt die Marge von fünf Prozent nicht, zudem hat der Aktienkurs gelitten und das Geschäftsmodell irgendwo im mittleren Marktsegment scheint nicht so richtig zu funktionieren.Das ist der grobe Hintergrund für die Mitteilung, die der US-amerikanische Finanzinvestor Castlelake am Freitagabend verschickt hatte. Darin bestätigte das Unternehmen, ein Übernahmeangebot für Easyjet in Erwägung zu ziehen. Eine Entscheidung darüber sei noch nicht getroffen worden. Allerdings gab Castlelake dann zwei Tage später bekannt, gut zwei Prozent der Anteile gekauft zu haben.Mit dem Verwaltungsrat der Fluggesellschaft hat sich Castlelake eigenen Angaben zufolge noch nicht in Verbindung gesetzt. Das Aufsichtsgremium reagierte sehr reserviert auf die Initiative. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung sei „hoch opportunistisch“, schrieb die Fluglinie am Montagmorgen. Denn der Aktienkurs sei wegen des Iran-Krieges, der geringen Zuversicht der Verbraucher und des hohen Ölpreises ungewöhnlich niedrig. Nichtsdestoweniger werde sich das Board mit einem Angebot befassen, sollte Castlelake es denn förmlich unterbreiten. Die Anleger fanden am Montagmorgen die Idee so aufregend, dass die Easyjet-Aktie gleich mehr als sechs Prozent an Wert zulegte.Die große Frage ist allerdings, was Castlelake eigentlich mit Easyjet vorhätte, wenn der Kauf der zweitgrößten Billigfluglinie Europas gelingen würde. Im Detail hat sich der Investor dazu noch gar nicht geäußert. Das Unternehmen war vor allem im Flugzeugleasing-Geschäft aktiv, verkaufte aber 2024 den größten Teil seines Portfolios an den Konkurrenten Avolon. Die Branche hat sich zuletzt durch Übernahmen stark konsolidiert.Easyjet hat seit 2020 dramatisch an Marktwert verlorenDoch die in vielen Sektoren aktive Castlelake blieb in der Luftfahrt aktiv. 2023 kaufte sie sich nach der Insolvenz bei SAS Scandinavian Airlines ein und hielt zeitweise einen Anteil von 32 Prozent an der Fluglinie. Aber nur ein gutes Jahr später verkaufte Castlelake den Anteil wieder an Air France-KLM. Damals schon bestätigte Castlelake öffentlich, sich nach neuen Übernahmezielen in der Branche umzusehen.Und damit zu Easyjet: Das Unternehmen hat seit Beginn der Corona-Pandemie drastisch an Marktwert verloren, von einst 4,9 Milliarden Pfund auf derzeit etwa drei Milliarden, wobei dabei noch eine Kapitalerhöhung von 1,7 Milliarden eingerechnet werden muss.Easyjet ist also günstig zu haben. Robert Boyle, Ex-Strategiechef der British-Airways-Muttergesellschaft International Airlines Group (IAG), spekuliert, dass Castlelake mehr an den Flugzeugen interessiert sein könnte als an der Airline und sie vielleicht sogar aufspalten könnte. Easyjet hat Aufträge für 287 Jets bei Airbus – üblicherweise bekommen Fluglinien für Bestellungen dieser Größenordnung höhere Rabatte als Leasingfirmen. Es steckt also womöglich aus Castlelake-Sicht mehr in dem Deal, als auf den ersten Blick ersichtlich. Für die Kunden sind die Folgen derzeit nicht absehbar. Aber es könnte sein, dass Easyjet in der nächsten Konsolidierungsrunde in Europa eine wichtige Rolle spielen wird.