PfadnavigationHomeNewstickerDPAafxlinetopthemenStarmer macht Schluss: Briten brauchen neuen PremierministerStand: 14:28 UhrLesedauer: 4 MinutenGroßbritanniens Premierminister Keir Starmer kündigt seinen Rücktritt an.Quelle: Kin Cheung/AP/dpaNach Monaten in der Krise zieht Großbritanniens Premierminister Keir Starmer persönliche Konsequenzen. Ein Nachfolger steht bereit. Profitieren werden aber auch die Gegner vom rechten Rand.Als der britische Premierminister Keir Starmer am Ende seiner Rücktrittsankündigung über seine Frau und Kinder sprach, brach seine Stimme. Nach Monaten inmitten einer quälenden Regierungskrise zog der 63-Jährige vor seinem Amtssitz in der 10 Downing Street die persönlichen Konsequenzen. Er habe am Morgen König Charles III. über seine Entscheidung informiert, sagte Starmer. In Andy Burnham steht bereits ein Nachfolger bereit.«Bei jeder Entscheidung, die ich getroffen habe, ging es darum, das Land, das ich liebe, an die erste Stelle zu setzen», sagte Starmer. Seine Partei habe gesprochen und dem wolle er Gehör schenken: «Aus diesem Grund werde ich als Parteichef der Labour-Partei zurücktreten.» Mit Tränen in den Augen umarmte er seine Frau Victoria, die mit ihm vor die berühmte schwarze Tür im Zentrum Londons getreten war.Das Amt des Premierministers ist nach der ungeschriebenen britischen Verfassung an die Position des Chefs der Regierungspartei gebunden. Bis ein Nachfolger gewählt ist, werde er als Premier im Amt bleiben, sagte Starmer. Unmittelbar nach der Rücktrittsankündigung gab Burnham seine Kandidatur für den Parteivorsitz bekannt. Der frühere Bürgermeister von Greater Manchester machte sich am Vormittag mit dem Zug auf den Weg ins Parlament in Westminster.Burnham hatte vor wenigen Tagen bei der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield einen Parlamentssitz errungen - die Voraussetzung, um den Premier herausfordern zu können. Hätte Starmer versucht, weiter an seinem Amt festzuhalten, hätte Burnham ihn in eine langwierige Führungswahl mit parteiinternem Wahlkampf gezwungen. Ein weiterer potenzieller Herausforderer, der als Gesundheitsminister zurückgetretene Wes Streeting, sicherte Burnham seine Unterstützung zu.Rücktrittsforderungen seit MonatenMit seiner Rücktrittsankündigung kam Starmer einer Demontage durch eine Führungswahl zuvor. In seiner Fraktion steht er schon länger massiv unter Druck, zuletzt kehrten ihm immer mehr Kabinettsmitglieder den Rücken. Mehrere Minister traten zurück, die Umfragewerte für Labour sind desolat. Auslöser der jüngsten Zuspitzung war eine schwere Niederlage bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai, bei der die Rechtspopulisten von Reform UK etliche Mandate gewannen.Bereits unmittelbar im Anschluss an diese Wahlniederlage war Starmer von vielen Labour-Abgeordneten zum Rücktritt aufgefordert worden - doch der Premier hielt mit Verweis auf seinen Wahlsieg von 2024 an seinem Amt fest. Auch kurz vor und nach der Makerfield-Nachwahl hatte sich Starmer kämpferisch gegeben und angekündigt, sich in jedem Fall einer Führungswahl stellen zu wollen. Während des Wochenendes, das er auf seinem Landsitz Chequers verbrachte, änderte er aber seine Meinung.Starmer habe dem Land einen «gewaltigen Dienst» erwiesen, sagte Burnham bei der Ankündigung seiner Kandidatur. Die Priorität müsse nun sein, das Land voranzubringen. «Die Menschen wollen Fortschritt beim Wirtschaftswachstum, den Lebenshaltungskosten, staatlichen Leistungen, Wohnungen und den Chancen für die kommende Generation sehen», sagte der 56-Jährige.Sollte Burnham der einzige Kandidat für den Labour-Vorsitz bleiben, könne die Übergabe der Amtsgeschäfte als Parteichef aufgrund des großen Rückhaltes in der Partei bis etwa zum 18. Juli abgeschlossen sein, meldete die Nachrichtenagentur PA. Die formelle Ernennung zum Premier erfolgt dann durch den König. Der gesamte Nachfolgeprozess soll - auch im Falle weiterer Kandidaten - bis zum Ende der Sommerpause des Parlaments am 1. September abgeschlossen sein.Starmers Weg durch die KrisenBurnham war in seiner Zeit als Bürgermeister von Greater Manchester zum charismatischen Liebling des moderat-linken Parteiflügels geworden. Britische Medien bezeichnen ihn in Anspielung an die Fantasy-Serie «Game of Thrones» als «König des Nordens». Seit langem wird er als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Starmers gehandelt. Ohne Parlamentsmandat waren ihm aber die Hände gebunden - einen früheren Versuch, nach Westminster zurückzukehren, hatte die Labour-Führung im Februar noch verhindert.Dabei war der Druck auf Starmer, seinen Rücktritt zu verkünden, bereits zu Jahresbeginn extrem hoch. Da ging es in erster Linie um die Berufung von Peter Mandelson zum britischen Botschafter in den USA Anfang 2025. Zuvor waren immer mehr Details zu Mandelsons enger Freundschaft zum verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein an die Öffentlichkeit gelangt. Die entscheidende Frage war, wie viel Starmer vor der Berufung davon wusste. Der Premier wies jegliche Vorwürfe zurück.Starmer und seine Partei hatten im Sommer 2024 einen großen Wahlsieg errungen und waren mit einer satten Mehrheit im Unterhaus des Parlaments in die Legislaturperiode gegangen. Wirklich nutzen konnte Starmer dies aber nie. Etliche Gesetzesvorhaben waren am Widerstand aus den eigenen Reihen gescheitert. Zudem liegt die Regierungspartei bereits seit Monaten in Umfragen hinter der rechtspopulistischen Reform UK, die nun erneut vom Chaos in der Downing Street profitieren könnte.Die Briten sind es seit dem Brexit-Referendum vor zehn Jahren gewohnt, dass sich die Regierungschefs die Klinke in die Hand geben. Die Nachfolgerin oder der Nachfolger Starmers wird bereits die siebte Person auf dem Posten innerhalb der vergangenen zehn Jahre sein.dpa-infocom GmbH
Starmer macht Schluss: Briten brauchen neuen Premierminister - WELT
Nach Monaten in der Krise zieht Großbritanniens Premierminister Keir Starmer persönliche Konsequenzen. Ein Nachfolger steht bereit. Profitieren werden aber auch die Gegner vom rechten Rand.















