Kevin Pina wirkte, als benötige er eine halbe Sekunde, um sich der historischen Bedeutung seiner Tat bewusst zu werden. Es gibt so einige Unsitten im modernen Fußball, und eine davon betrifft den Torjubel, der inzwischen oftmals wie eine einstudierte Choreografie wirkt und nicht mehr wie der Ausdruck echter, ja, kindlicher Freude.Auch der kapverdische Nationalspieler Pina, 29, schien sich etwas überlegt zu haben für den Fall, dass er bei dieser Weltmeisterschaft ein Tor schießt. Und so blieb er nach seinem Treffer am Sonntag, einem direkt verwandelten Freistoß aus etwa dreißig Metern, zunächst einfach stehen und breitete die Arme aus. Das sah recht lässig aus, so, als sei es für Pina geradezu selbstverständlich, dass er soeben das erste Tor in der kurzen WM-Geschichte seiner kleinen Nation erzielt hatte – zur 1:0-Führung im Spiel gegen den zweimaligen Weltmeister Uruguay.MeinungFußball-WM:Mit einer einfachen Regeländerung erstickt die Fifa gute Geschichten im KeimDoch dann entschied er sich glücklicherweise doch noch, seiner Freude freien Lauf zu lassen, wortwörtlich. Kevin Pina rannte los, er rannte, bis er vor dem kapverdischen Fanblock im Stadion von Miami angelangt war, wo die Menschen so freudig wie ungläubig dreinblickten. Und der Torschütze sich von seinen Mitspielern feiern ließ. So sieht Jubel aus! Nur für einen kurzen Moment hielt Pina doch noch einmal inne: „Ich habe versucht, meine Tochter auf der Tribüne zu entdecken“, erklärte er hinterher.Kurz vor der Halbzeitpause hilft der uruguayische Angreifer Federico Viñas einem verletzten Gegenspieler – bis seine Mannschaft einen Angriff startetLetztlich holte die Mannschaft von Trainer Pedro Leitao Brito, genannt „Bubista“, nach dem 0:0 gegen Spanien den zweiten Punkt im zweiten Vorrundenspiel. Zwar drehte Uruguay das Spiel bis zur Halbzeitpause, wobei es zu einer skurrilen Szene vor dem 1:1 kam: Der uruguayische Angreifer Federico Viñas hatte Gegenspieler Telmo Arcanjo, der von frühen Krämpfen geplagt zu sein schien, zunächst geholfen, diese heraus zu dehnen – bis er sah, dass seine Mitspieler einen Angriff starteten. Viñas ließ umgehend von Arcanjo ab und rannte in den Strafraum. Sekunden später erzielte Maxi Araújo den Ausgleichstreffer (44.). Das 2:1 legte Agustín Canobbio in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nach.Doch die Kapverden bewiesen Nehmerqualitäten – Hélio Varela erzielte in der 61. Minute das Tor zum 2:2-Endstand. Der Stürmer von Maccabi Tel Aviv, drei Minuten zuvor eingewechselt, rehabilitierte sich damit gewissermaßen bei seinen Landsleuten, von denen viele ziemlich irritiert gewesen waren, als Varela vor drei Jahren seine Teilnahme am Afrika-Cup abgesagt hatte.Nach der heroischen Leistung des 40-jährigen Torhüters Vozinha im ersten Spiel gegen Europameister Spanien schreibt die kapverdische Nationalmannschaft also weitere Heldengeschichten – und hat am letzten Vorrundenspieltag gegen Saudi-Arabien (Samstag, 2 Uhr/ARD) beste Chancen, ins Sechzehntelfinale einzuziehen. Schon ein Unentschieden könnte dafür reichen. Wobei: Nach dem ersten WM-Punkt im ersten Spiel und den ersten WM-Toren im zweiten Spiel wäre das dritte Spiel eigentlich ein guter Moment für den ersten WM-Sieg.
WM 2026: Die Kapverden schreiben weitere Heldengeschichten
So sieht Jubel aus! Die Kapverden holen gegen Uruguay den nächsten Punkt – und erzielen die ersten WM-Tore ihrer Geschichte.











