PfadnavigationHomeSportFußballWMSensation„Stolz, Stolz, Stolz“ – Das Erfolgsgeheimnis von Kap VerdeStand: 10:48 UhrLesedauer: 4 MinutenAußenseiter Kap Verde hat für die nächste große WM-Überraschung gesorgt. Nach dem Remis gegen den zweimaligen Weltmeister Uruguay darf der ungeschlagene WM-Neuling weiter auf das Erreichen der K.-o.-Runde hoffen.Erst trotzt Kap Verde Europameister Spanien ein 0:0 ab, nun holt der Außenseiter auch gegen Uruguay einen Punkt. Ein historischer Coup ist greifbar nah.Die größte Überraschung dieser Weltmeisterschaft kommt aus dem Atlantik. Kap Verde, ein Inselstaat mit knapp 600.000 Einwohnern und bislang ohne große Fußballtradition auf der Weltbühne, hat nach dem überraschenden 0:0 gegen Spanien auch Uruguay einen Punkt abgerungen. Nach dem 2:2 in Miami hat der Außenseiter tatsächlich Chancen auf die K.-o.-Runde.Und wie schon nach dem Remis gegen Spanien standen anschließend nicht nur sportliche Geschichten im Mittelpunkt. Damals bewegte viele Fans die Geschichte von Torhüter Vozinha, dessen Mutter lange auf ein Visum für die USA warten musste und schließlich doch auf der Tribüne mitfiebern konnte. Diesmal rückte Kevin Pina ins Zentrum der Aufmerksamkeit.Der Mittelfeldspieler erzielte mit einem direkt verwandelten Freistoß aus knapp 30 Metern das erste WM-Tor in der Geschichte Kap Verdes. Als der Ball im Netz einschlug, brachen auf dem Platz alle Dämme. Spieler, Trainer und Betreuer stürmten auf den Torschützen zu. Pina selbst dachte in diesem Moment jedoch an jemand anderen.Zwei Gegentore kurz vor der Pause„Ich habe versucht, meine Tochter auf der Tribüne zu entdecken“, erzählte der 29-Jährige später. Für eine längere Suche blieb keine Zeit. Die Emotionen überrollten ihn. Für das, was danach passierte, habe er nur ein Wort gefunden: „Stolz, Stolz, Stolz.“Dabei schien die Geschichte zunächst nicht das nächste Kapitel des kapverdischen WM-Märchens zu werden. Nach einer starken Anfangsphase geriet die Mannschaft kurz vor der Pause innerhalb weniger Minuten mit 1:2 ins Hintertreffen. Maxi Araujo und Agustin Canobbio drehten die Partie für Uruguay und sorgten dafür, dass die Südamerikaner mit einer Führung in die Kabine gingen.Lesen Sie auchDie Favoriten wirkten anschließend allerdings erstaunlich passiv. Uruguay zog sich zurück und überließ Kap Verde immer mehr Räume. Die Mannschaft von Trainer Bubista glaubte weiter an ihre Chance – und wurde belohnt.Der Ausgleich durch Helio Varela fiel nach einem seltenen Aussetzer der uruguayischen Defensive. Zunächst spielte Mathias Olivera seinem Gegner den Ball praktisch in den Fuß. Anschließend verschätzte sich auch Torwart Fernando Muslera, der sein Tor verließ, aber einen Schritt zu spät kam. Varela nutzte das Geschenk eiskalt.Lesen Sie auchDer Punktgewinn wirkt auf den ersten Blick überraschend. Schließlich standen sich nicht nur zwei Mannschaften gegenüber, sondern auch zwei völlig unterschiedliche Fußballwelten. Auf der einen Seite Uruguay mit Stars wie Federico Valverde von Real Madrid oder Olivera vom SSC Neapel. Auf der anderen Seite Spieler aus Irland, Finnland oder der zweiten portugiesischen Liga.„Das ist eine verrückte Geschichte“Genau darin liegt jedoch ein Teil des Erfolgsgeheimnisses Kap Verdes. Trainer Pedro Leitao Brito, besser bekannt als Bubista, hat in den vergangenen Jahren weltweit nach Spielern mit kapverdischen Wurzeln gesucht und daraus eine konkurrenzfähige Nationalmannschaft geformt. Der 56-Jährige trainiert die Auswahl seit sechs Jahren und hat ihr ein Selbstverständnis vermittelt, das sich auch gegen große Namen nicht versteckt.„Seit Beginn des Turniers sage ich, dass wir auf dem höchstmöglichen Niveau mithalten wollen“, erklärte Bubista nach dem Spiel. Gegen Spanien sei das gelungen, gegen Uruguay erneut. Nun wolle die Mannschaft den nächsten Traum verwirklichen: die Qualifikation für die K.-o.-Runde.Diese Zuversicht teilen inzwischen auch die Spieler. Roberto Lopes, in Dublin geboren und bei den Shamrock Rovers in Irland unter Vertrag, schüttelte nach dem Spiel selbst ungläubig den Kopf. „Das ist eine verrückte Geschichte“, sagte er. „Ich hätte niemals gedacht, dass wir so etwas erleben würden.“Nun wartet der vermeintlich schwächste GegnerFast wäre die Erfolgsgeschichte sogar noch spektakulärer geworden. In der Schlussphase schien Uruguay doch noch zum Siegtreffer zu kommen. Nach einem Eckball parierte Torwart Vozinha zunächst stark und lenkte den Ball an den Pfosten. Maxi Araujo staubte anschließend ab und traf ins Tor. Doch nach VAR-Überprüfung wurde die Szene wegen einer Abseitsstellung zurückgenommen.Auf der Tribüne litt und jubelte dabei auch Vozinhas Mutter mit, deren Reise zur Weltmeisterschaft zuvor selbst fast an Visa-Problemen gescheitert wäre. Dieses Mal durfte sie miterleben, wie das Märchen ihres Sohnes und seiner Mannschaft weitergeschrieben wurde.Nun wartet mit Saudi-Arabien der vermeintlich schwächste Gruppengegner, der am Sonntag gegen Spanien 0:4 unter die Räder kam und damit noch gut bedient war. Mit einem Sieg würde Kap Verde in die nächste Runde einziehen. Was vor wenigen Wochen noch wie eine romantische Außenseitergeschichte wirkte, ist plötzlich eine realistische Möglichkeit geworden.Skaya1 mit dpa
Sensation: „Stolz, Stolz, Stolz“ – Das Erfolgsgeheimnis von Kap Verde - WELT
Erst trotzt Kap Verde Europameister Spanien ein 0:0 ab, nun holt der Außenseiter auch gegen Uruguay einen Punkt. Ein historischer Coup ist greifbar nah.













