Mitte der 1980er-Jahre war die DDR so weit wie Deutschland-einig-Vaterland heute: Die Folgen des langjährigen Investitionsmangels wurden unübersehbar, die Ausgaben für den Sozialstaat überschritten die Leistungskraft. Der Reformstau wuchs den Partei- und Staatsführern über die Köpfe. Reformideen ließen die Bewahrer des Alten schlottern. Der Widerspruch zwischen politischen Sprüchen und der Realität vergiftete die Stimmung.

So sah das aus in der Vorwende-DDR: Die Brücken waren marode, die Technik störanfällig. Überbordende Bürokratie – in diesem Fall die überzentralisierte Planwirtschaft – strangulierte die Wirtschaft. Veraltete Produkte wie der Trabant liefen weiter, denn sie wurden ja gekauft.

Obendrein wurde es immer teurer, ausreichend Energie zur Verfügung zu stellen: Die Kosten für die Förderung von Braunkohle stiegen von acht Mark 1980 auf 13,20 im Jahr 1988; die Sowjetunion verlangte mehr Geld für Öl und Gas. Die Arbeitsproduktivität – das „Allerwichtigste“ (Lenin) im Systemwettbewerb – fiel im Vergleich zu den Rivalen zurück.

Soziale Wohltaten – absurde Folgen

Um technologisch Anschluss zu halten, steckte die Politik Milliarden in ein Mikroelektronikprogramm. Tatsächlich gelang es, im Forschungszentrum Mikroelektronik Dresden einen eigenen Megabitchip zu bauen. Jeder einzelne musste mit 517 Mark aus dem Staatshaushalt subventioniert werden. Das Ganze war aus der Not geboren: Denn der westliche Technologieboykott würgte ausgerechnet den Maschinen- und Anlagenbau ab. Der wichtigste Industriezweig hatte über Jahrzehnte solide Technik geliefert, auch für den Weltmarkt – aber für die anbrechende Zeit elektronischer Steuerung fehlten die Voraussetzungen.