PfadnavigationHomePolitikDeutschlandBei Anne Will„Die Lage ist viel ernster, als die meisten glauben“ – Söder warnt vor AfDStand: 11:56 UhrLesedauer: 4 MinutenCSU-Chef Markus SöderQuelle: picture alliance/HMB Media/Uwe KochMarkus Söder sieht Deutschland an einem Kipppunkt: Der CSU-Chef zieht im Podcast von Anne Will Parallelen zur Weimarer Republik. Eine Journalistin kritisiert den Söder-Satz von der „letzten Patrone der Demokratie“.Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat mit drastischen Worten vor einem Scheitern der Bundesregierung gewarnt. In einer Live-Aufzeichnung des Podcasts von Anne Will sagte der CSU-Chef: „Ich bin überzeugt, dass die Lage viel ernster ist, als die meisten glauben.“Anne Will erinnerte Söder an seine Formulierung von der „letzten Patrone der Demokratie“ nach der Bundestagswahl. Damals hatte Söder gesagt, es müsse einen grundlegenden Richtungswechsel in Deutschland geben. Ansonsten werde das Land „weiter nach rechts außen schlingern, mit unabsehbaren Folgen für unsere Zukunft“.Söder verschärfte nun seine Warnung. „Würde jetzt diese Regierung scheitern, dann braucht keiner vor die Bevölkerung zu treten und zu sagen: ‚Wir machen jetzt eine andere Konstellation‘“, sagte er. „Man würde den Leuten damit die Argumentation bieten, die sagen: Das funktioniert nicht, ich probiere mal etwas Radikales.“Es gehe nicht nur um Deutschland, sagte Söder, sondern um ganz Europa. „Wir sind uns gar nicht über die Tiefenwirkung bewusst.“ Russland und Teile der USA würden die AfD unterstützen. „Das hat man gesehen bei der Sicherheitskonferenz in München, dort hat J.D. Vance für Kanzler Friedrich Merz eine halbe Stunde Zeit gehabt, für AfD-Chefin Alice anderthalb Stunden.“ Zudem würden AfD-Politiker zu dem russischen Staatschef Wladimir Putin fahren.Lesen Sie auch„In ganz Europa gibt’s Prozesse. Ich weiß nicht, ob wir das alles stoppen können“, sagte Söder. „Ich weiß nur, dass ich auf keinen Fall eins will: Ich möchte nicht wieder in der Weimarer Zeit sein, die aus Schlappheit, Müdigkeit, Ängstlichkeit und Mangel an Kreativität am Ende den Schlüssel abgeben für diese Demokratie (sic). Das mache ich nicht. Da kämpfe ich dagegen.“ Im Publikum gab es dafür Applaus. Es ist nicht das erste Mal, dass Söder so deutlich vor der AfD warnt. Lesen Sie auchErst vor Kurzem sagte er mit Blick auf die AfD-Umfragewerte: „Die Wölfe stehen vor der Tür.“Söder: „Granatenmäßig gescheitert“Söder hatte zuvor im Podcast bereits an die Weimarer Republik erinnert. Die vorherige Ampel-Regierung sei zerbrochen. Auch in der Weimarer Republik seien Regierungen immer wieder zerbrochen – „von Mal zu Mal mehr durch Kleinigkeiten“. Deshalb habe er auch bei den Gesprächen in der Villa Borsig, die laut Söder „granatenmäßig gescheitert“ seien, immer wieder gesagt: „Leute, so können wir nicht aus der Sitzung herausgehen.“Journalistin Melanie Amann von der Funke Mediengruppe kritisierte Söders Satz von der „letzten Patrone der Demokratie“ als „martialisch“. „Sie geben damit der AfD zu viel Macht über uns alle“, sagte Amann. Söder sage damit, die AfD stehe vor der Tür und warte nur darauf, „den Schlüssel zum Kanzleramt in die Hand zu nehmen“. Amann hielt dagegen: „Davor steht aber immer noch eine Wahl und ein Wahlkampf.“Lesen Sie auchAmann sagte, die Parteien bräuchten neue Botschaften. Es gehe darum, was „bei den Leuten im Bauch und im Kopf“ passieren solle, wenn sie an CSU oder SPD dächten. Die Bürger könnten jetzt nichts mehr tun, sie hätten ihre Stimme abgegeben. Wenn die Regierung scheitere, liege das „nicht an Medien, die sie schlechtreden, das liegt vielleicht an Elon Musk, aber nicht an irgendwelchen linken NGOs oder an Shitbürgern“, sagte Amann.Söder entgegnete, ein Scheitern der Regierung bedeute nicht einfach nur eine neue Konstellation in einer neuen Regierung. Erst gebe es Neuwahlen – und anschließend möglicherweise eine Koalition aus Union, SPD und Grünen, „die vielleicht von der Linkspartei toleriert wird“. Das werde nicht dazu führen, „dass die Demokratie voranschreitet“. Es kämen noch viel mehr Meinungen zusammen, „die respektiert werden müssen“. Söder sagte: „Und deshalb werde ich da nicht zurückstecken.“Mit Blick auf starke AfD-Werte in Baden-Württemberg sagte Söder, dies habe auch damit zu tun, dass Bosch-Werke zumachten. Bürger außerhalb Bayerns sähen, „dass sich viel verändert“, und verspürten eine Verschlechterung ihrer Lebenssituation. „Wir müssen uns nicht so sehr Sorgen machen, ob sich die Politiker verstehen“, sagte Söder. „Sondern die reelle Lage ist schlecht und die müssen wir ändern.“