Man kann nicht sagen, dass Aviel Cahn, der Intendant der Oper in Genf, das Haus nicht geöffnet hätte in alle möglichen Richtungen. Er ließ zum Beispiel Milo Rau Hèctor Parras Oper „Justice“ inszenieren, ein modernes Stück über einen monströsen Chemieunfall in Afrika. Mithilfe von kongolesischen Künstlern wurden dem Publikum in Genf, Zentrum des internationalen Rohstoffhandels, die menschlichen und ökologischen Folgen der brutalen Ausbeutung der Erde um die Ohren gehauen. Das war sehr gut, auch sehr wichtig. Sehr schön und sehr aufwühlend war dann Romeo Castelluccis Inszenierung von Pergolesis „Stabat mater“ in der Kathedrale Saint-Pierre. Zwei Beispiele für Aufführungen, die mit dazu beigetragen haben dürften, dass Cahn mit Beginn der kommenden Saison Intendant der Deutschen Oper Berlin wird.