Zehn Jahre nach dem Brexit ist Großbritannien ein anderes Land als jenes, das 2016 für den Austritt aus der Europäischen Union stimmte. Die Einwanderungszahlen sind nicht gesunken, sondern auf einen historischen Höchstrand angestiegen. Derzeit leben allein in England und Wales rund 10 Millionen Menschen, die außerhalb des Vereinigten Königreichs geboren wurden. In der Arbeiterstadt Birmingham, der zweitgrößten Stadt Englands, ist der Anteil der Einwohner, die sich selbst als White British bezeichnen, noch deutlich geringer, im Vergleich zu anderen Städten – 2021 lag er bei 43 Prozent.

Und so kreist die Politik auch zehn Jahre nach dem Brexit um dieselbe Frage: Wie lässt sich Migration begrenzen und wie ist ein Zusammenleben möglich, wenn binnen weniger Jahre Millionen Menschen unterschiedlicher Herkunft in ein Land migrieren, dass zunehmend die Kontrolle verliert? Der indische Bauarbeiter Rajesh Patel hat auf diese Frage eine klare Antwort, wie er im Interview mit dieser Zeitung erklärt. Denn obwohl oder gerade weil er selbst erst vor zwölf Jahren aus Mumbai nach Birmingham eingewandert ist, hält er die britische Migrationspolitik für gescheitert.

Mister Rajesh Patel, wir stehen hier mitten auf einer Baustelle in Birmingham. Sie tragen Helm und Warnweste. Wie sieht ein normaler Arbeitstag für Sie aus?