Donald Trump sonnt sich ständig im Glanz von Sportlern, doch die Fussball-WM meidet er – bis jetztMMA, Baseball, Eishockey: Kein US-Präsident hat Sportler und Sport-Events so konsequent für seinen Auftritt genutzt wie Trump. Alles nur Sportswashing, sagen Kritiker.22.06.2026, 05.30 Uhr4 Leseminuten«Tauche auf, mache dir den Moment zu eigen, und lass die Menge den Rest verrichten»: Donald Trump besucht 2023 ein American-Football-Spiel in Iowa.Jabin Botsford / GettyAls Donald Trump neulich im Madison Square Garden in New York als erster amtierender US-Präsident einem Play-off-Finalspiel der nationalen Basketball-Liga (NBA) beiwohnte, brandeten ihm von den Zuschauerrängen Buhrufe entgegen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.New York ist zwar Trumps Heimatstadt, aber alles andere als eine konservative Hochburg, was die Reaktion der Fans der New York Knicks teilweise erklärt. Verärgert haben dürfte viele Anhänger auch, dass wegen der Teilnahme des Präsidenten die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft wurden. Ein Public-Viewing-Event vor dem Stadion wurde abgesagt, und für den Einlass ins Stadion mussten sich die Fans stundenlang gedulden.Der frostige Empfang prallte an Trump ab. Nach dem Spiel erklärte er, er sei seit langem ein Fan der Knicks, die phantastisch gespielt hätten. Aus dem Lärm des Publikums wollte Trump vor allem Jubelrufe herausgehört haben. Auch dass die späteren Titelgewinner Knicks das Finalspiel in New York verloren, schien Trump gelassen zu nehmen – obwohl er sich gerne im Scheinwerferlicht der Sieger präsentiert.Vorwurf des «Sportswashings»Donald Trump ist keineswegs der erste Präsident, der sich an Sportanlässen zeigt und dadurch Volksnähe zu demonstrieren versucht. George W. Bush war nicht nur ein Fan der Texas Rangers, sondern hatte vor seinem Aufstieg zum Präsidenten gar als Besitzer des Baseballklubs gewirkt. Barack Obama war ein glühender Anhänger der Chicago Bulls und wandelte den Tennis-Court vor dem Weissen Haus in einen Basketballplatz um.Doch Trump nutzt die Nähe zu berühmten Sportlern und die Bühne, die Sportveranstaltungen bieten, konsequenter als alle bisherigen Präsidenten. «Er agiert nach dem Prinzip: Tauche auf, mache dir den Moment zu eigen, und lass die Menge den Rest verrichten», so beschrieb der rechtsgerichtete «Washington Examiner» Trumps Strategie.Kritiker werfen ihm «Sportswashing» vor – also dass Trump und seine Regierung grosse Sport-Events nutzten, um ihr Image aufzupolieren und von innen- und aussenpolitischen Problemen abzulenken.Auf den ersten Blick erstaunt es daher, dass sich Trump bis anhin nicht brennend für die Fussball-WM zu interessieren scheint, die derzeit in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet. Kurzfristig hatte er den Besuch des Eröffnungsspiels des amerikanischen Teams abgesagt, das in Los Angeles Paraguay 4:1 bezwang. Auch sonst scheint ihn das weltweite Fussballfieber noch nicht angesteckt zu haben.Noch im letzten Herbst hatte er es sich nicht nehmen lassen, den portugiesischen Fussballstar Cristiano Ronaldo medienwirksam im Weissen Haus zu empfangen. Ein enges Verhältnis pflegt er auch mit dem Fifa-Präsidenten Gianni Infantino, von dem er sich im Dezember in Washington mit einem neuartigen «Fifa-Friedenspreis» beschenken liess.Präsident Trump lässt sich vom Fifa-Präsidenten Gianni Infantino mit einem Friedenspreis auszeichnen.Evan Vucci / APEine elektorale GoldmineFür Aufsehen sorgte Trumps Regierung bisher vor allem wegen der strikten Migrationspolitik: Die WM-Teilnehmer Iran, Haiti, Côte d’Ivoire und Senegal gehören zu den Ländern, gegen die scharfe Einreisebeschränkungen gelten. Einem bekannten Fifa-Schiedsrichter aus Somalia wurde nach der Landung in Miami die Einreise verweigert.Der Fussball – in den USA «soccer» genannt – hat in Amerika zwar einen Aufschwung erlebt, gehört aber nicht zu den populärsten Sportarten. Politisch nützlicher ist es für Trump, sich mit American Football oder auch Eishockey zu assoziieren. Die Sportarten sind physisch robuster als Fussball und tiefer in der amerikanischen Kultur verankert.Ein Stadion voller amerikanischer Sportfans, die tendenziell patriotisch eingestellt sind und oft zur Arbeiterklasse gehören, gilt unter Politstrategen als elektorale Goldmine.Als die Florida Panthers 2025 den Stanley-Cup gegen die Edmonton Oilers gewannen, liess es sich Trump nicht nehmen, das Team ins Weisse Haus einzuladen. Auch angesichts der angespannten Beziehungen mit Kanada kostete er den Sieg über das Eishockeyteam aus der kanadischen Provinz Alberta geradezu genüsslich aus.Donald Trump wohnt mit seiner Enkelin Kai Madison Trump einem Golfturnier in der Nähe von New York bei.Mandel Ngan / ReutersBegeisterung für MMAAls Mittelschüler hatte Trump einst Baseball gespielt, doch heute betätigt sich der Präsident vorwiegend als Golfer. Seine privaten Golf- und Luxusresorts stehen nicht gerade für Volksnähe. Das kompensiert der Präsident mit seiner Begeisterung für den Kampfsport. Unter anderem für Wrestling oder Mixed Martial Arts (MMA). Tritt er an solchen Events auf, prägt er damit sein Image als politischer Rebell. Er interessiert sich für Sportarten, über die gesellschaftliche Eliten die Nase rümpfen.Trump ist seit Jahren eng mit Dana White befreundet, dem Chef der Ultimate Fighting Championship (UFC), des grössten und wichtigsten MMA-Verbandes der Welt. Als MMA wegen der Brutalität noch ein gesellschaftliches Schattendasein fristete oder gar geächtet wurde, liess Trump Kämpfe in seinem Hotel in Atlantic City austragen. Seine Begeisterung hält an: Vor einer Woche liess er zu seinem 80. Geburtstag einen Wettkampf auf dem Südrasen des Weissen Hauses austragen.Nachdem an diesem der MMA-Kämpfer Justin Gaethje seinen Gegner Ilia Topuria verprügelt hatte, liess er sich blutüberströmt von Trump feiern. Für den Präsidenten haben die Bilder mit dem Gewinner einen politischen Nutzen: Sie sprechen die wichtige Wählerschicht der jungen Männer an, die unter den Kampfsport-Fans besonders zahlreich vertreten sind. Zudem bekräftigt er sein Image des unerschrockenen Kämpfers, der Stärke demonstriert und keine Schwächen zu erkennen gibt.Vor allem aber sieht sich Trump als Siegertyp, weshalb er sich gerne im Erfolg sportlicher Gewinner sonnt. Je weiter das amerikanische Fussballteam an der Weltmeisterschaft kommt, desto wahrscheinlicher wird es, dass er doch noch den Weg ins Fussballstadion findet.Ob ihn die Fussballfans aber ähnlich begeistert empfangen werden wie die Kampfsportgemeinde vor dem Weissen Haus, bleibt offen. Zudem besteht das Reputationsrisiko, dass die amerikanische Mannschaft vor Trumps Augen verliert – wie neulich bereits das Basketballteam der New York Knicks.Passend zum Artikel
Trump und Sport: Wie der US-Präsident Veranstaltungen politisch nutzt
MMA, Baseball, Eishockey: Kein US-Präsident hat Sportler und Sport-Events so konsequent für seinen Auftritt genutzt wie Trump. Alles nur Sportswashing, sagen Kritiker.






