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HRI-Konjunkturausblick: Ein Deal macht noch keinen Sommer – Kein Aufschwung in Sicht Selbst wenn der Schiffsverkehr am Persischen Golf wieder anläuft, werden die Kriegsfolgen die Weltkonjunktur noch lange belasten. Deutschland hat zudem noch ganz andere Wachstumsprobleme.
Axel Schrinner 22.06.2026 - 04:00 Uhr Artikel anhörenSchiffsstau in der Straße von Hormus: Belastung für die Weltkonjunktur. Foto: REUTERSDüsseldorf. Ist das jetzt das Startsignal für einen Aufschwung? Die USA und Iran haben vergangene Woche eine Absichtserklärung unterzeichnet, wonach der Krieg pausieren und die wichtige Schifffahrtsroute „Straße von Hormus“ wieder passierbar gemacht werden soll. Was am Ende der vereinbarten 60-tägigen Verhandlungsphase als Abkommen stehen soll, ist ungewiss.Bestenfalls hält dieser Plan und der Stau von Öltankern und Containerschiffen in der Region löst sich allmählich auf – und die Weltmarktpreise für Öl, Gas und Dünger nähern sich wieder ihrem Vorkriegsniveau an.Was aus ökonomischer Sicht dennoch bliebe, wären massive Schäden an der Öl-Infrastruktur in der Region, ein riesiger Verbrauch an Kriegsmaterial – und nicht zuletzt die latente Sorge vor einer neuen Eskalation des Konflikts. Die Unsicherheit bleibt also hoch.Die Weltwirtschaft wird daher nicht nur im laufenden Jahr schwächer wachsen, als es ohne diesen Krieg der Fall gewesen wäre. Selbst fallende Ölpreise werden nicht verhindern, dass es zeitversetzt zu Preisüberwälzungen entlang der Lieferketten kommt.Die Inflation bleibt also zunächst hoch und steigt womöglich sogar noch, sodass die leidgeprüften Notenbanken mit Zinserhöhungen reagieren werden. So erwarten die Finanzmärkte im September eine zweite Zinserhöhung der EZB. Der wirtschaftliche Schaden ist also längst entstanden.Hohe volkswirtschaftliche SchädenAuch in Deutschland sind die Folgen deutlich sichtbar. Die steigenden Energiepreise vernichten Kaufkraft und dämpfen damit den privaten Konsum.Gleichzeitig verschlang der zweimonatige „Tankrabatt“ rund 1,6 Milliarden Euro – die nun für andere Dinge fehlen. Überdies verteuern die Preissteigerungen bei Baumaterial sowie die schon jetzt gestiegenen Zinsen Investitionen, private wie öffentliche.So kalkuliert die Finanzagentur des Bundes für das laufende Jahr mit einer Bruttokreditaufnahme von 450 Milliarden Euro. Ein Prozentpunkt zusätzliche Zinsen auf die Neuemissionen würde also 4,5 Milliarden Euro kosten – pro Jahr.Energie Vattenfall kritisiert Tankrabatt: „Wir könnten stattdessen 10.000 Ladesäulen bauen“ Für Deutschland gilt ohnehin: Selbst ein dauerhaftes Ende des Konflikts würde die eigentlichen Wachstumsprobleme nicht lösen. Die Kosten für den Sozialstaat laufen aus dem Ruder, vor allem, weil die Bevölkerung altert und die Wirtschaft schon das sechste Jahr faktisch stagniert.Berechnungen der Bundesbank zeigen, dass der Altersstruktureffekt bereits in den vergangenen zehn Jahren rechnerisch mit einer Verringerung des Wirtschaftswachstums um rund 0,4 Prozentpunkte pro Jahr einherging. In den kommenden Jahren dürfte dieser negative Effekt auf rund 0,6 Punkte pro Jahr steigen. Grob gesagt: Der fiskalische Schub durch das Infrastrukturprogramm und der Gegenwind durch die Alterung heben sich weitgehend auf.Gleichzeitig steckt die deutsche Industrie in ihrer schwersten Krise der Nachkriegsgeschichte. Viele Unternehmen in Schlüsselindustrien wie Maschinenbau, Auto- und Chemieindustrie haben auf den Weltmärkten viel von ihrer Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Viele dieser Unternehmen versuchen, diesem Phänomen mit großen Sparprogrammen zu begegnen. Wenn investiert wird, dann nicht in Deutschland, sondern in dynamischeren Märkten.Abkommen mit den USA belastet ExporteErschwert wird diese Konsolidierung durch das neue Handelsabkommen zwischen den USA und der EU. Dieses sieht vor, dass Einfuhrzölle für US-Produkte entfallen, während die USA 15 Prozent auf die meisten EU-Produkte erheben können – was Produktionsstätten in den USA begünstigt.Mit diesem Abkommen wird die von US-Gerichten für illegal erklärte Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump nun legitimiert. Modellrechnungen des IW Köln zeigen, dass dieser Deal die deutsche Volkswirtschaft pro Jahr rund 0,4 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum kosten dürfte – rund 16 Milliarden Euro.Autos warten in Bremerhaven auf ihre Verladung für den Export in die USA: US-Zölle belasten das Geschäft. Foto: Sina Schuldt/dpaHinzu kommt: In den derzeit verfügbaren harten Daten zur Entwicklung der Konjunktur schlagen sich naturgemäß weder die Folgen des USA-Iran-Deals noch des Handelsabkommens nieder – für die Industrie liegen erst April-Daten vor.Bei den Auftragseingängen kam es im April nach dem vorangegangenen kräftigen Anstieg zu einem Rücksetzer. Die Industrieproduktion bewegte sich seitwärts. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich weisen sowohl Auftragseingänge als auch Industrieproduktion nach unten.Der bei der Bundesbank berechnete wöchentliche Aktivitätsindex (WAI) rutschte zuletzt sogar noch deutlicher ins Minus und signalisiert eine schwache Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal. Der experimentelle Index verknüpft mehrere, sehr zeitnah verfügbare Daten miteinander; er gibt das trendbereinigte Wachstum der wirtschaftlichen Aktivität des letzten 13-Wochen-Durchschnitts gegenüber der entsprechenden vorangegangenen Zeitspanne an.Für die 24. Kalenderwoche bis zum 14. Juni notiert er bei -0,44, was einen recht deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal nahelegt.Wachsende Sorgen vor Jobverlusten Verwandte Themen USADeutschlandBundesbankEuropäische UnionInflationEZBDer Arbeitsmarkt entwickelt sich im Frühjahr weiter schwach: So ging die Zahl der Arbeitslosen im Mai saisonbereinigt zwar leicht zurück, die Erwerbstätigkeit nahm im April jedoch weiter ab. Trotz eines leichten Plus im März war die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Trend ebenfalls rückläufig. Und eine Wende ist nicht in Sicht: Laut Ifo-Beschäftigungsbarometer wollen mehr Unternehmen Stellen abbauen als aufbauen. Die Sorge vor Arbeitsplatzverlust breitet sich auf immer weitere Teile der Beschäftigten in der Privatwirtschaft aus.Alle Hoffnungen auf einen Aufschwung basieren auf geopolitischer Entspannung und staatlichen Investitionsprogrammen. Beides kann die Lage stabilisieren. Dauerhaftes Wachstum entsteht daraus jedoch nicht. Im Gegensatz zu anderen Instituten rechnet das Handelsblatt Research Institute auch für die zweite Jahreshälfte nicht mit einer Trendwende. Nach dem starken Jahresauftakt dürfte die Wirtschaftsleistung im weiteren Jahresverlauf leicht schrumpfen. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt






