PfadnavigationHomePanoramaBrasilienPolizei nimmt nach tödlichem Rope-Jump weitere Personen fest – Brücke soll gesprengt werdenStand: 02:00 UhrLesedauer: 4 MinutenDie stillgelegte Ponte do Esqueleto soll nun gesprengt werdenQuelle: Getty Images/Renato Meirelles CaiubyLaut den Ermittlern gibt es Hinweise darauf, dass nach dem Unglück digitale Inhalte gelöscht worden seien. Zudem gerät ein altes Video mit dem Titel „Die Leiche verstecken“ in den Fokus. Das Schicksal der Brücke scheint unterdessen besiegelt.Eine Woche nach dem tödlichen Rope-Jumping-Unfall einer jungen Frau in Brasilien hat die Polizei drei weitere Verdächtige festgenommen. „Im Verlauf der Ermittlungen wurden Hinweise auf eine mögliche Unterdrückung von für die Ermittlungen relevanten Beweisen zusammengetragen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Verschwinden des von dem Opfer beim Sprung verwendeten Aufnahmegeräts“, teilte die ermittelnde Polizeichefin Andréa Levy mit.Nach Angaben der Polizei gehören die Festgenommenen zum Team, das für die Organisation und Durchführung des Sprungs verantwortlich gewesen sein soll. Gegen die drei Verdächtigen – eine 29-jährige Frau sowie zwei Männer im Alter von 25 und 27 Jahren – wurden befristete Haftbefehle für zunächst fünf Tagen erlassen. Zudem genehmigte ein Gericht Durchsuchungen und Beschlagnahmungen von Mobiltelefonen, elektronischen Geräten und weiteren Beweismitteln.Die Ermittler erklärten, es gebe auch Hinweise darauf, dass nach dem Unglück möglicherweise digitale Inhalte gelöscht worden seien. Die Ermittlungen finden statt wegen des Verdachts, dass die Verantwortlichen den Tod der Frau bewusst in Kauf genommen haben könnten. Zudem prüfen die Behörden den Verdacht einer möglichen Prozessmanipulation.Tödlicher Fehler beim SprungDie junge Frau war am 13. Juni von der stillgelegten Ponte do Esqueleto zwischen den Städten Limeira und Cordeirópolis im Bundesstaat São Paulo rund 40 Meter in die Tiefe gestürzt. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie Mitarbeiter des Veranstalterteams sie von der Absprungplattform stoßen, obwohl das Sicherungsseil unbefestigt auf der Plattform liegen geblieben war.Die drei Instruktoren, die am Unfalltag festgenommen worden waren, befinden sich weiterhin in Untersuchungshaft. Das Team konnte bislang nicht erklären, wie es zu dem tödlichen Fehler kam. Zwei Männer gaben an, für die Anbringung der Seile vor dem Sprung verantwortlich gewesen zu sein. Lesen Sie auchAllerdings konnten beide keine genauen Angaben zur Aufgabenverteilung machen. Sie hätten demnach beide einen Blackout gehabt und könnten sich nicht daran erinnern, wessen Aufgabe es war, das Gummiseil zu befestigen. „Entweder ich oder [der andere] hat es getan. Ich habe also zuerst gehandelt, und danach ist alles aus meinem Gedächtnis verschwunden… Ich erinnere mich nicht“, sagt einer der Männer gegenüber der „New York Post“.Der Dritte gab an, er sei gerufen worden, um dem Opfer zu helfen. Später sagte er in seiner Aussage, das Team könne das Verschwinden der Kamera, die sich in der Hand der jungen Frau befunden hatte, nicht erklären. Lesen Sie auchDas Trio versuchte nach dem tödlichen Unfall noch, vor der Polizei zu fliehen. Die Männer wurden jedoch von einem Militärhubschrauber aufgespürt. Einer soll vor vier Jahren mit anderen Ausbildern auch ein geschmackloses Video gedreht haben, in dem sie einen schwarzen Sack, der wie eine Leiche aussah, von der Brücke warfen.Das Video vom September 2022 trug den Titel „Die Leiche verstecken“. Es ist unklar, ob die anderen Beteiligten an dem Video in den Tod der jungen Studentin verwickelt waren. Verschwundene Kamera im FokusFür Rätsel sorgt seit Tagen das Verschwinden der Kamera, die die 21-Jährige beim Sprung bei sich getragen hatte. Die Polizei sucht weiterhin nach dem Gerät, das als wichtiger Baustein zur Rekonstruktion des Geschehens gelte, hieß es. Ein Augenzeuge berichtete laut dem Nachrichtenportal „G1“, er habe nach dem Aufprall beobachtet, wie ein Mitarbeiter des Veranstalterteams das Gerät vom Körper der Verunglückten entfernt habe.Rope Jumping ist ein Extremsport, bei dem Teilnehmer mit statischen Seilen in die Tiefe springen. Anders als beim Bungee Jumping wird der Sturz durch eine Pendelbewegung abgefangen. Die Sportart ist in Brasilien nicht speziell reguliert. Nach dem Unglück soll die Brücke gesprengt werden, um weitere Tragödien zu verhindern, wie die brasilianischen Behörden mitteilten. Es seien bereits Absperrungen und Gräben errichtet worden, berichtete CNN Brasilien. Die Behörden folgen damit einem Appell der Familie der getöteten Studentin.Stadtverwaltung will brasilianische Regierung verklagenDie Stadtverwaltung von Limeira kündigt unterdessen an, die brasilianische Bundesregierung wegen deren Versäumnis im Umgang mit der Ponte do Esqueleto zu verklagen. Seit Anfang 2025 habe die Stadtverwaltung administrative Maßnahmen ergriffen und von den zuständigen Bundesbehörden ein Eingreifen gefordert. Die Tragödie mache die Fortsetzung dieses Versäumnisses „untragbar und inakzeptabel“.Die Verantwortung für die Inspektion, Instandhaltung und Zugangskontrolle der Skelettbrücke liege ausschließlich bei der Bundesregierung. „Abgesehen von den Umständen, die zum Tod der jungen Frau führten, muss die Verantwortung für die mangelnde Zugangskontrolle zu einem Bundesgebiet untersucht werden, das seit Jahren bekannte Risiken birgt und weiterhin ohne die notwendigen Schutzmaßnahmen auskommt“, schreibt die Stadtverwaltung. „Leider hat das Versäumnis der Bundesregierung nun zu einer weiteren Tragödie in Limeira geführt“, erklärte Bürgermeister Murilo Félix.dpa/saha
Brasilien: Polizei nimmt nach tödlichem Rope-Jump weitere Personen fest – Brücke soll gesprengt werden - WELT
Laut den Ermittlern gibt es Hinweise darauf, dass nach dem Unglück digitale Inhalte gelöscht worden seien. Zudem gerät ein altes Video mit dem Titel „Die Leiche verstecken“ in den Fokus. Das Schicksal der Brücke scheint unterdessen besiegelt.










