PfadnavigationHomePanoramaBrasilienFrau ohne Seil von Brücke geworfen – Mitarbeiter soll Kamera von Sterbender gestohlen habenStand: 02:07 UhrLesedauer: 4 MinutenDie „Ponte do Esqueleto“, eine unfertige Eisenbahnbrücke bei LimeiraQuelle: Getty Images/Renato Meirelles CaiubyZum tödlichen Seilsprung an einer Brücke in Brasilien gibt es neue Details. Die 21-Jährige bezahlte 56 Euro für den Sprung. Anschließend soll ein Mitarbeiter der Sterbenden ihre Kamera gestohlen haben.Nach dem tödlichen Seilsprung von einer verlassenen Brücke im Hinterland des brasilianischen Bundesstaates São Paulo werden weitere schockierende Details bekannt. Laut einem Zeugen, der in einer Schlange selbst auf seinen Sprung wartete, soll ein Mitarbeiter die Actionkamera der ohne Sicherungsseil in die Tiefe gestürzten Frau gestohlen haben, möglicherweise um Beweise zu vernichten. Die „Ponte do Esqueleto“, eine unfertige Eisenbahnbrücke, liegt bei Limeira, 148 Kilometer nördlich von Sao Paulo. Eine 21-Jährige war am Samstag von zwei Männern ohne Sicherungsseil 40 Meter von der Brücke geworfen worden. Die Frau überlebte den Sturz nicht. Auf online kursierenden Videoaufnahmen des Unfalls ist zu hören, wie ein Umstehender die Mitarbeiter anschreit, sie sollten die Frau an einem Seil befestigen. Die Mitarbeiter selbst tragen Gurte, die offenbar mit einem Sicherheitsseil verbunden sind. Wie die brasilianische Zeitung „O Globo“ nun berichtet, soll der Zeuge beobachtet haben, wie einer der für den Seilsprung zuständigen Mitarbeiter unmittelbar nach dem tödlichen Sturz der 21-Jährigen deren Actionkamera entfernte. Die Kamera, mit der die junge Frau ihren Sprung aufgezeichnet hatte, konnte von der Polizei bislang nicht gefunden werden und ist inzwischen Gegenstand der Ermittlungen.Dem Polizeibericht zufolge zeichnete das Opfer den gesamten Vorfall mit einer Actionkamera auf. Nach Auswertung des verfügbaren Videomaterials bestätigte die Polizei, dass die Kamera zum Zeitpunkt des Sprungs verwendet wurde. Auf Nachfrage erklärten die Mitarbeiter jedoch, nicht zu wissen, wo sich das Gerät befindet. Auch eine Suchaktion im Bereich des Unfalls blieb demnach ohne Ergebnis.Lesen Sie auchNach Angaben des Zeugen gaben die Verantwortlichen den anwesenden Kunden nach dem tödlichen Unfall keine Erklärung und wirkten desorientiert. Dann soll der Mitarbeiter die GoPro-Kamera vom Hals der bereits am Boden liegenden Sterbenden entfernt haben.Lesen Sie auchDarüber hinaus sollen die Mitarbeiter nach dem Unfall ihre Ausrüstung eingesammelt und diese zu einem Fahrzeug gebracht haben. Den Angaben des Zeugen zufolge wechselten einige der am Unfallort anwesenden Mitarbeiter außerdem ihre Kleidung. Der Fall wird von der Zivilpolizei untersucht. Die verstorbene Frau wurde am Sonntag beerdigt. Ein Polizeibeamter erklärte unterdessen, die drei Männer seien verhaftet worden und könnten wegen Totschlags angeklagt werden. „Sie erinnern sich nicht, ob sie vergessen haben, die Seile anzubringen, wer dafür zuständig war oder wer die Kontrolle versäumt hat. Tatsache ist aber, dass die Seile nicht an ihr befestigt waren“, sagte er.Die junge Frau soll darum gebeten haben, wie ein Flugzeug von der Brücke aus in die Tiefe zu stürzen. Zwei Ausbilder hoben sie dann über ihre Schultern, während sie die Arme ausbreitete. Auf online geteilten Aufnahmen ist zu sehen, wie zwei Männer mit weißen Helmen sie in einen 40 Meter tiefen Abgrund stürzen.Frau zahlte 56 Euro für tödlichen SprungWie „O Globo“ ebenfalls berichtete, zahlte die Frau 330 brasilianische Reais für den tödlichen Seilsprung (etwa 56 Euro) – 180 Reais für den Sprung selbst und weitere 150 Reais für die Aufzeichnung des Erlebnisses mit einer 360-Grad-Kamera.Eine Krankenschwester, die eine der Ersten an der Unglücksstelle war, berichtete zudem, dass die 21-Jährige nach dem 40-Meter-Sturz noch gelebt hat. „Ich sah, dass sie schwer atmete. Ich überprüfte ihre Pupillen, die leider beide erweitert waren. Ich konnte einen Puls feststellen. Er war sehr schwach, aber sie hatte noch einen Puls“, sagte die Frau. „Ich habe sogar mit ihr gesprochen. Ich mache gern Scherze und ich sagte zu ihr: ‚Du da, in meiner Schicht stirbt niemand‘, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt gar keinen Dienst hatte.“Lesen Sie auchSeilspringen ist eine Extremsportart, die sich vom Bungee-Jumping durch die Art des verwendeten Seils und die daraus resultierende Fallbewegung unterscheidet. Beim Bungee-Jumping werden elastische Gummiseile verwendet, die einen vertikalen, federnden Effekt erzeugen, während beim Seilspringen dehnungsarme Kletterseile zum Einsatz kommen, die den Fall in eine horizontale Pendelbewegung umwandeln.Die Bauarbeiten an der „Ponte do Esqueleto“ stoppten vor 30 Jahren, die Brücke wurde nie fertig gebaut. Seitdem erfreut sich die Brücke großer Beliebtheit bei Radfahrern, Wanderern, Abseilern und Seilspringern. Es ereigneten sich bereits mehrere schwere Unfälle an der Brücke. Im April 2024 kam ein Radfahrer bei einer Fahrt mit Freunden ums Leben, nachdem er von der Brücke gestürzt war. Kurz nach dem Tod des Radfahrers im Jahr 2024 forderte die Aufsichtsbehörde für Bundeseigentum des Bundesstaates São Paulo die Gemeinde Limeira auf, den Zugang zu dem Bauwerk zu sperren und Warnschilder vor Ort anzubringen. Die Brücke war kurzzeitig gesperrt, wurde später aber wieder freigegeben.AP/saha
Brasilien: Ohne Seil von Brücke geworfen – Mitarbeiter soll Kamera von Frau gestohlen haben - WELT
Zum tödlichen Seilsprung an einer Brücke in Brasilien gibt es neue Details. Die 21-Jährige bezahlte 56 Euro für den Sprung. Anschließend soll ein Mitarbeiter der Sterbenden ihre Kamera gestohlen haben.











