Um 18.38 Uhr Ortszeit lag ein gelbes Knäuel aus Basketballprofis auf dem Parkett des Münchner SAP Gardens, dessen 11 400 Zuschauer zu Großteil zügig die Ausgänge suchten. Als einige Minuten später Berlins Kapitän Jonas Mattisseck unter dem Jubel der etwa 300 mitgereisten und laustarken Fans den silbernen Pokal in die Höhe stemmte, war die Halle bereits halb leer. Zu schmerzhaft war offenbar dieses Ergebnis, Alba Berlin gewann die entscheidende fünfte Partie beim Titelverteidiger aus München und gewann seinen zwölften Meistertitel.Die Saison des großen Favoriten FC Bayern ist damit endgültig verkorkst, dem frühen Aus in der Euroleague und der Halbfinalniederlage im Pokal in eigener Halle gegen Bamberg folgte nun das späte Aus im Meisterkampf. Die Bayern erleben somit ein Spieljahr zum Vergessen und bleiben ebenso wie ihr Trainer Svetislav Pesic, der seine Karriere beendet, ohne Titel.Schon am Freitagabend hatten die Berliner dem Gegner die Grenzen aufgezeigt, obwohl sie zu Beginn des dritten Viertels noch zweistellig hinten lagen (42:52), bewiesen dann aber ihre außerordentliche Resilienz. „Wir haben aufgehört zu spielen“, hielt Bayern-Trainer Svetislav Pesic hernach fest. In der Folge gelangen seinem Team ganze neun Zählerchen, die insgesamt 16 Punkte in der zweiten Halbzeit bedeuteten Minusrekord und dürften auch in Zukunft schwer zu unterbieten sein. Minutenlang fand kein Wurf ins Ziel, Fehler und Ballverluste wechselten sich in schneller Reihenfolge ab. Alba genügte eine solide Leistung, um die Serie mit dem 71:61 zum 2:2 auszugleichen.Eine 47:27-Halbzeitführung reicht nichtDie große Frage war also vor dem Sonntag, wie die Münchner diesen kollektiven Blackout vor dem Showdown in eigener Halle aus den Köpfen bekommen sollten, zumal die Berliner sie in Spiel zwei der Serie eben dort düpiert hatten. Pesic habe da eine Idee, ließ er wissen. Und die funktionierte – zunächst: Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase (15:15) schraubten die Münchner ihre Defensivarbeit auf ein sehr hohes Level. Die Berliner bekamen keinen einfachen Wurf mehr, wurden vielmehr zu Ballverlusten gezwungen. Und die Münchner trafen wieder, angeführt von ihrem Besten: Andreas Obst, der 16 Punkte zur 47:27-Halbzeitführung beisteuerte.Doch nach dem Wechsel bewies das junge Berliner Team einmal mehr, wie sehr es sich nach mäßigem Saisonstart gefunden und entwickelt hat. Der Rückstand mag noch so deutlich sein, diese Auswahl sollte kein Gegner vorschnell abschreiben. Vor allem Mattisseck, Justin Bean (beide 18 Punkte) und Malte Delow (14) übernahmen. Zunächst wehrten die Münchner den ersten Angriff der Gäste ab (52:46) und legten vor dem finalen Viertel wieder zweistellig zum 66:53 vor. Doch da waren die Albatrosse den Münchnern bereits wieder tief in die Köpfe gekrochen.Je sicherer die Berliner Distanzschützen trafen, desto mehr zitterten die Hände der Bayern bei ihren Würfen. Und erneut zeigte sich, wie abhängig diese Mannschaft von der Treffsicherheit seines Welt- und Europameisters abhängig ist. Leistet sich Andreas Obst (24 Punkte) eine Schwächephase, findet sich kein Akteur, der in die Bresche springt. Weder Justinian Jessup noch Isaiah Mike trafen verlässlich, auch Nenad Dimitrijevic, zuletzt einer der Zuverlässigen im Kader, und Justus Hollatz blieben blass. Lediglich Routinier Vladimir Lucic (10) und Oscar da Silva (12) trafen solide. Ganz anders die Berliner, die bis zu ihrem 84:81-Erfolg kaum einen Fehlwurf leisteten – egal, wer abdrückte.
Basketball: Bayerns Schlusspunkt unter eine verkorkste Saison
Im entscheidenden BBL-Duell geben die Münchner eine klare Führung aus der Hand und verlieren gegen Alba Berlin den Meistertitel.
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