Frances Tiafoe hat zum ersten Mal das Tennisturnier im westfälischen Halle gewonnen. Der 28-Jährige entschied das Finalduell zweier US-Amerikaner gegen Taylor Fritz in zwei Sätzen mit 6:4, 6:4 für sich. Tiafoe verwandelte seinen ersten Matchball nach 1:07 Stunden Spielzeit.In der 33. Ausgabe des Tennisturniers in Halle gewann mit Tiafoe das erste Mal ein US-Amerikaner den Titel. Im Vorjahr hatte der Kasache Alexander Bublik gewonnen.In beiden Sätzen reichte der Nummer 21 der ATP-Weltrangliste ein Break zum Sieg. Sein Gegner hatte im Halbfinale gegen den deutschen French-Open-Sieger Alexander Zverev gewonnen. Fritz stand bereits in der Vorwoche im Finale des Rasenturniers am Stuttgarter Weissenhof. Dort unterlag er seinem Landsmann Ben Shelton.Mit dem Triumph in Halle gewann Tiafoe das erste ATP-500-Turnier in seiner Karriere und zeigte sich vor dem Beginn von Wimbledon in starker Form auf Rasen. Das Grand-Slam-Turnier in London findet in diesem Jahr vom 29. Juni bis zum 12. Juli statt.Zuvor hatte der Deutsche Daniel Altmaier im Doppelfinale gemeinsam mit seinem brasilianischen Partner João Fonseca verloren. Das Duo unterlag den Franzosen Théo Arribagé und Albano Olivetti auf dem Centre Court mit 6:7 (2:7), 4:6. Was ist los mit Zverevs Zucker-Sensor?Die Sorgen um Alexander Zverev wachsen derweil: Nach dem Scheitern im Halbfinale hatte der Deutsche mit hängenden Schultern und Sorgen um seine Zuckerwerte den Centre Court von Halle verlassen. Eine gute Woche vor dem Start in Wimbledon hatte der French-Open-Sieger abermals gesundheitliche Schwierigkeiten und war nach einer zweieinhalbstündigen Hitzeschlacht fix und fertig.„Ich habe gekämpft und alles gegeben“, betonte Zverev nach dem 7:6 (7:4), 4:6, 5:7 und erklärte seine Philosophie des ewigen Einzelkämpfers: „Im Tennis braucht man ein kurzes Gedächtnis, weil das nächste Turnier immer schon nächste Woche ist - und jetzt ist das Wimbledon.“Zverev ist Typ-1-Diabetiker und trägt einen Sensor, der kontinuierlich seinen Blutzucker misst. Am Samstag fuhren seine Werte Achterbahn. „Vor dem Match hat der Sensor fälschlicherweise extrem hohen Zucker angezeigt, so dass ich viel zu viel Insulin gespritzt habe“, berichtete der 29-Jährige.„In den ersten 45 Minuten des Matches musste ich deshalb knapp 350 Gramm Zucker zu mir nehmen, weil ich sonst unterzuckert gewesen wäre.“ Er habe „ein Glukose-Gel nach dem anderen getrunken, so dass ich am Ende auf mehr als 300 Gramm Zucker kam. Das ist, als ob man während eines Matches dreieinhalb Liter Cola trinkt - ich habe mich scheußlich gefühlt.“„Als hätte ich dreieinhalb Liter Cola getrunken“: Zverev nach dem Halbfinale von Halle.dpaNach seinem French-Open-Triumph in Paris fiel die Vorbereitung auf Wimbledon nicht gerade optimal aus: eine schwierige Umstellung vom Sandplatz aufs Rasentennis, Blutzucker- und Rückenprobleme im Halbfinale und die siebte Niederlage nacheinander gegen Fritz. Zverev konnte so den Titel in Westfalen auch im zehnten Anlauf nicht gewinnen. Trotzdem war seine Laune gar nicht so schlecht: „Ich finde, dass ich hier relativ gutes Rasentennis gezeigt habe, und das ist die Hauptsache für mich - alles andere ist im Moment egal.“Nach zuvor insgesamt zehn Siegen in Serie schien sich im Halbfinale von Halle alles gegen ihn verschworen zu haben: Bei einer Behandlungsunterbrechung nach 40 Minuten musste ihm der Rücken wieder eingerenkt werden - aber noch schlimmer waren die Probleme mit seinen Zuckerwerten.Nachdem er den ersten Satz trotzdem im Tiebreak gewonnen hatte, verlor er die nächsten beiden Sätze jeweils nach großem Kampf. „Ich bin enttäuscht, weil ich finde, dass mein Tennis zwar da war, ich aber physisch nicht in der Lage war, es zu zeigen.“ Und das habe diesmal leider am Zucker gelegen.Deswegen macht sich Zverev jetzt auch keine Sorgen um Wimbledon. Seit neun Jahren habe er den Sensor, aber solch falsche Werte habe der noch nie angezeigt. Zverev fokussiert sich ab sofort auf die positiven Signale seiner Woche in Halle: „Ich finde, dass ich mich auf Rasen gut gefunden habe - das kann ich hoffentlich auch in Wimbledon zeigen.“