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Verteidigung: Wo Deutschland und Australien noch enger kooperieren wollen Die regelbasierte Ordnung ist in Europa ebenso unter Druck wie im Indopazifik. Beide Länder rüsten deshalb massiv auf – und planen, bei wichtigen Projekten zusammenzuarbeiten.
Frank Specht 21.06.2026 - 14:33 Uhr Artikel anhörenJagdbomberdrohne Ghost Bat auf der ILA: Boeing Australia kooperiert bei dem Projekt mit Rheinmetall. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpaBerlin. Ein Projekt, das die deutsch-australische Sicherheitspartnerschaft auf eine neue Stufe heben könnte, ist kürzlich bei der Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin präsentiert worden: die Jagdbomberdrohne MQ-28 Ghost Bat. Die unbemannte „Geisterfledermaus“ ist von Boeing Australia für die australische Luftwaffe entwickelt worden und soll künftig gemeinsam mit bemannten Kampfjets operieren können.Genau solche „Wingman“-Drohnen will auch die Bundeswehr beschaffen – und Australiens Vizepremier und Verteidigungsminister Richard Marles wirbt für das Produkt aus heimischer Produktion: „Wir glauben, dass Ghost Bat tatsächlich eine der besten Kampfdrohnen der Welt ist“, sagt Marles im Gespräch mit dem Handelsblatt.Die knapp 12 Meter lange Jagdbomberdrohne hatte schon bis Ende März mehr als 150 Flüge absolviert, auch mit Waffen oder entsprechenden Missionssystemen. Das Programm gilt als weit fortgeschritten. „Darin liegt eine ausgezeichnete Chance für Deutschland“, betont Marles.Mit einem Zuschlag für Boeing Australia würden die bereits engen rüstungspolitischen Beziehungen beider Länder weiter vertieft. Davon ist der australische Verteidigungsminister überzeugt. So hat Rheinmetall in Australien eine bedeutende Präsenz aufgebaut und produziert dort Radpanzer des Typs Boxer. 100 der 123 sogenannten schweren Waffenträger auf Basis des Boxers, die die Bundeswehr geordert hat, werden in „Down Under“ gefertigt.Australien: Hilfen für die Ukraine in Milliardenhöhe„Das ist der größte Rüstungsexport in der Geschichte Australiens“, sagt Verteidigungsminister Marles. Bei einem Besuch in Brisbane Ende März hatte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) eine Probefahrt im ersten für Deutschland bestimmten Boxer unternommen.Die australische Regierung ihrerseits hat einen Auftrag zur Produktion von 155-Millimeter-Artilleriemunition vergeben, die ebenfalls im Land produziert wird. „Und wir sehen noch deutlich mehr Potenzial für eine engere Zusammenarbeit unserer Verteidigungsindustrien“, sagt der Vizepremier.Verteidigung Die „Ära des Trittbrettfahrens“ geht zu Ende – USA verringern ihre Nato-Präsenz Deutschland gehöre zu „unseren strategischen Partnern ersten Ranges“, so Marles. Gemeinsam mit Außenministerin Penny Wong hatte er am 8. Juni Berlin besucht, wo die beiden Gespräche mit ihren deutschen Amtskollegen Pistorius und Johann Wadephul (CDU) führten.Australien zählt trotz der enormen Entfernung auch zu den zuverlässigen Unterstützern der Ukraine. So hat es schon für mehr als 1,7 Milliarden Australische Dollar (gut eine Milliarde Euro) Militärhilfe geleistet und unter anderem Abrams-Kampfpanzer, geschützte Fahrzeuge und Artillerie geliefert. Australische Soldaten helfen in Polen bei der Ausbildung ukrainischer Soldaten.Verteidigungsminister Richard Marles (links), Boris Pistorius: Die strategischen Partner wollen noch enger zusammenarbeiten. Foto: IMAGO/Metodi Popow„Wir beobachten weltweit, dass die regelbasierte Ordnung unter Druck gerät“, begründet Marles das Engagement. Das lasse sich in der Ukraine beobachten, aber auch im Indopazifik, wo China immer selbstbewusster auftritt und auch militärisch die Muskeln spielen lässt. Die Volksrepublik werde aus dem, was sie in der Ukraine beobachte, auch Lehren für den Indopazifik ziehen, ist Marles überzeugt. „Aus australischer Sicht stehen wir vor dem komplexesten und bedrohlichsten Umfeld seit dem Zweiten Weltkrieg.“Die Regierung in Canberra hatte deshalb erst im April die nationale Verteidigungsstrategie überprüft und aktualisiert. Auch steht Australien vor der „größten Erhöhung der Verteidigungsausgaben in der Geschichte unseres Landes“, wie Marles betont. Bis 2033 sollen sie von aktuell rund zwei Prozent auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen.Welthandel Von der Leyen in Down Under: EU und Australien einigen sich auf Freihandelsabkommen Der australische Verteidigungsminister verhehlt nicht, dass das auch mit China zu tun hat. „China ist unser größter Handelspartner und tief in die Weltwirtschaft integriert“, sagt Marles. Deshalb wolle seine Regierung das „bestmögliche Verhältnis“ zur Volksrepublik. Doch baue diese ihre konventionellen militärischen Fähigkeiten massiv aus. „Deshalb müssen die Länder der indopazifischen Region ihre militärischen Fähigkeiten stärken, damit sie selbst zu Stabilität und Abschreckung beitragen können“, sagt Marles.Australien braucht atomgetriebene U-Boote für die AbschreckungAustralien will langfristig seine bisherige U-Boot-Flotte von sechs U-Booten der Collins-Klasse durch bis zu acht U-Boote mit Atomreaktor ersetzen. Zwei Boote der Virginia-Klasse sollen in den 2030er-Jahren aus US-Beständen kommen, ein drittes für Australien neu gebaut werden. In den 2040-er und 2050er-Jahren will das Land dann fünf weitere Boote der noch in der Entwicklung befindlichen SSN-AUKUS-Klasse erwerben, die auf einem britischen Entwurf beruhen.Australische (vorn) und ein britisches U-Boot in Perth: Gemeinsame Projekte mit den USA und Großbritannien. Foto: imago images/AAPDoch mit Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Trump stand das Abkommen zeitweise in Frage. Inzwischen sei aber klar, dass es fortgeführt werde, betont Marles: „AUKUS ist ein Generationenprojekt“, das sei von vornherein klar gewesen. Seit das Abkommen 2021 vereinbart wurde, habe es in allen drei Ländern Regierungswechsel oder politische Verschiebungen gegeben. „Dass AUKUS dennoch fortgeführt wird, ist wichtig für die Zukunft, denn es zeigt, dass dieses Abkommen über einzelne Regierungen hinaus Bestand hat.“ Verwandte Themen AustralienDeutschlandBoeingUkraineBerlinBundeswehrUrsprünglich hatte Australien geplant, französische U-Boote zu kaufen, war dann aber auf die amerikanisch-britische Lösung umgeschwenkt, was zu diplomatischen Verstimmungen mit Paris führte. Die Entscheidung für atomgetriebene U-Boote habe aber gute Gründe, betont der australische Verteidigungsminister. „Wir müssen U-Boote betreiben, die weite Strecken zurücklegen können, lange im Einsatz bleiben und schwer zu entdecken sind.“Deshalb kämen für sein Land auch keine deutschen U-Boote von TKMS in Frage, betont Marles. „In Deutschland werden hervorragende dieselelektrische U-Boote gebaut – aber bei unseren Anforderungen stoßen sie an ihre Grenzen.“ Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt









