Was so auf den Tisch kommt. Die ZugabeManfred Papst21.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenUnter Hausmannskost können wir alle uns etwas vorstellen: einfache, kräftige Gerichte, währschaft und nahrhaft, traditionell zubereitet mit erschwinglichen Zutaten aus der Region. Kein Chichi, keine Kalorienzählerei. Ein Eintopf mit Linsen und Saucisson zum Beispiel. Oder einer mit Rüebli, Kartoffeln und Schweinsvoressen. Sauerkraut mit Speck. Mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Über die Hausmannskost als Begriff habe ich dagegen nie gross nachgedacht, und eine Umfrage im Familien- und Bekanntenkreis hat ergeben, dass ich da nicht der Einzige bin. Alle Befragten verbinden das Wort mit der mütterlichen Küche und führen es auf eine Zeit zurück, in der vom Hausmann im Friedlischen Sinn noch keine Rede war. (Sie erinnern sich: Bänz Friedlis wöchentliche Kolumne «Der Hausmann» erschien von 2005 bis 2015 im «Migros-Magazin»; sie war die Mutter aller Familienkolumnen. In ihr zeigte sich der Autor übrigens als kreativer Koch, der sich keineswegs nur auf Hausmannskost verstand.)Der «Hausmann» ist im 16. Jahrhundert aus dem mittelhochdeutschen «husman» entstanden und bezeichnet den Hausherrn. Die Hausmannskost ist folglich, wie es im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm heisst, die «Nahrung, wie sie ein Hausvater gewöhnlich für sich und die Seinen bereiten lässt». Bereiten lässt, nicht bereitet: Da haben wir’s wieder: Der Vater rief, die Mutter lief.Das kann einen schon aufregen. Und wieder einmal haben wir Anlass, die Sprachen unserer Nachbarländer zu beneiden: «Cucina casalinga» heisst es auf Italienisch, Hausfrauenküche. Da steht zwar auch die Frau in der Küche, während der Mann am Tisch sitzt, aber wenigstens wird sie namentlich genannt. In Frankreich sagt man «cuisine maison», in England «home cooking»: Da kann man nicht viel falsch machen.Der Begriff «Hausmannskost» hat für meine Begriffe etwas spezifisch Deutsches. Ein Teller Spaghetti Carbonara ist für mich keine Hausmannskost, so wenig wie ein Potaufeu, obwohl weder die Zutaten besonders erlesen sind noch die Zubereitung besonders schwierig ist. Aber sie wecken in mir andere Assoziationen. Ich sehe da eine fröhliche Runde in der Osteria oder der Brasserie. Bei der Hausmannskost sehe ich einen mampfenden Mann, der im Unterhemd daheim am Resopaltisch sitzt und Bier aus der Flasche trinkt.Traditionell kommt die Hausmannskost ja selten ohne Fleisch aus. Umfasst der Begriff inzwischen auch vegetarische, gar vegane Gerichte, mit denen ich mich übrigens mehr und mehr anfreunde? Keine Ahnung! Aber etwas Lustiges fällt mir in dem Zusammenhang ein. Neulich im Tram hörte ich eine junge Frau sagen: «Die Veganer können einem schon tierisch auf den Sack gehen!»Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
Woran denken Sie beim Wort Hausmannskost?
Was so auf den Tisch kommt. Die Zugabe









