GastkommentarDie Redaktions-Gruppe Mehrsicht der Martin-Stiftung schreibt: «Wir sind empört darüber!»Leichte Sprache können wir lesen und verstehen. Sie ist für uns nicht dumm und herablassend, wie Mario Andreotti am 12. April 2026 in der «NZZ am Sonntag» geschrieben hat.21.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenWir wollen verstehen. Befürworter der Leichten Sprache wehren sich.Goran Basic / NZZOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wir haben den Artikelüber Leichte Sprache gelesen.Mario Andreotti hat ihn geschrieben.Der Text war am 12. April 2026in der NZZ am Sonntag.Wir sind empört darüber!Wir sind eine kleine Redaktions-Gruppe.Wir haben eine Beeinträchtigung undwir schreiben fürMenschen mit Beeinträchtigungin Leichter Sprache.Es war schwierig,den Artikel zu verstehen.Der Text war schwierig geschrieben.Wir wollen aber verstehen.Dafür haben wir Hilfe gebraucht.Weiss das Herr Andreotti nicht?Nicht alle Menschenkönnen gut lesen und schreiben.Herr Andreotti sollte einmalmit jemandem von uns reden.Er schreibt über uns.Aber er kennt uns nicht.Leichte Sprache können wirlesen und verstehen.Sie ist für unsnicht dumm und herablassend.Sein Text ist für unsdumm und herablassend.Wir finden den Text Quatsch.Herr Andreotti checkt es nicht:Wer nicht gut lesen kann,kann es nicht.Wir wollen verstehen!Verstehen heisst dabei sein.Nicht verstehen grenzt uns aus.Herr Andreotti weiss viel.Er hat viel gelernt.Wir wissen weniger.Wir wissen aber vielüber Leichte Sprache.Wir erleben sie!Wir erleben ihre Bedeutung!Die Regeln der Leichten Spracheregen ihn auf.Sprache ist dann nicht mehr so schön.Das stimmt.Aber schöne Sprache alleinnützt nichts.Man muss sie verstehen.Erst dann macht Sprache Sinn.Fremd-Wörter, lange Wörter oderMetaphern muss man kennen.Es ist wie eine Fremd-Sprache.Man muss sie gelernt haben.Metaphern finden wir auch schön,wenn wir sie kennen.Herr Andreotti macht Beispiele.Wir verstehen ein paar.Wir sind aber nicht einverstanden.Der Inhalt geht bei Leichter Sprachenicht verloren.Der Inhalt muss auch für uns stimmen.Aus «Hanna zieht nach Aarau,weil sie dort arbeitet»kann man gut 2 Sätze machen.«Hanna arbeitet in Aarau.Deshalb zieht sie nach Aarau.»Das ist nicht so schön.Dafür leicht und klar.Vielleicht ist es langweiliger.Dafür ist es zugänglicher.«Zugänglich» ist ein schwieriges Wort.Es heisst, man versteht besser.Herr Andreotti meint,Leichte Sprache ist langweilig.Und langweilige Spracheist nicht zugänglich.Für uns schon.Langweilig und zugänglichpassen zusammen.Wir finden Leichte Spracheaber nicht langweilig.Herr Andreotti meint auch,die Leichte Sprache trennt uns:in gescheite Menschenund dumme Menschen.Er meint,die Leichte Sprachemacht sich über uns lustig.Wir finden,sein Text macht sich über uns lustig.Dank Leichter Sprachekönnen wir nämlich mitreden.So fühlen wir uns nicht abgetrennt.Leichte Sprache ist nicht für alle.Menschen sind verschieden.Gute Leser und Leserinnenlesen Romane in schöner Sprache.Wir lesen Leichte Sprache.Wir sind so dankbar dafür!Wir empfehlen Herrn Andreotti:Reden Sie doch mal mit den Betroffenen!In der inklusiven Redaktionsgruppe Mehrsicht arbeiten 6 Bewohnerinnen und Bewohner mit Fachpersonen zusammen. Sie schreiben die Hauszeitung der Martin-Stiftung in Leichter Sprache. Die Martin-Stiftung in Erlenbach ist eine der ältesten und grössten sozialen Institutionen im Kanton Zürich für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel