Darüber spricht Phnom Penh: Braucht es ein Rattendenkmal? – «Auf jeden Fall»Kaum ein Land ist in Kriegen so vermint worden wie Kambodscha. Jetzt geht die Minenräumung rasch voran – vor allem dank den Ratten.Felix Lill21.06.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenKambodschanische Minensuchratten können Landminen finden, ohne diese detonieren zu lassen.Noelbynat / Dreamstime / ImagoAls Florian Schmidt jüngst in die Touristenhochburg Siem Reap reiste, war er begeistert. «Die Ausstellung über Minensuchratten ist einen Besuch absolut wert!», schwärmte der deutsche Expat, der in Phnom Penh arbeitet, Kambodschas Hauptstadt. «Am Ende habe ich meinen Eltern eine Rattenpatenschaft gekauft.» Denn was diese kleinen Tiere so leisteten, deren Gewicht so gering ist und deren Näschen so fein sind, dass sie Landminen finden, ohne diese detonieren zu lassen, verdiene Unterstützung.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Und Respekt. Im von Phnom Penh knapp sechs Autostunden nordwestlich gelegenen Siem Reap wurde im Frühjahr sogar ein Denkmal für eine Ratte namens Magawa eingeweiht, die in ihrer fünfjährigen Spürkarriere über 100 Landminen gefunden und so die Fläche von 20 Fussballfeldern gesichert hatte. Die Hamsterratten werden an einer langen Leine geführt, scharren mit ihren Pfoten, wenn sie den Sprengstoff einer Mine erschnüffelt haben, und erhalten dann eine Belohnung – Erdnüsse oder eine Banane. Nun diskutiert man in der Hauptstadt Phnom Penh, ob man die Leistungen der Ratten nicht verewigen sollte. «Das Thema Landminen und ihre negativen Folgen sind hier allgegenwärtig», sagt Schmidt über seine Stadt.Kaum ein Land ist so stark von Minen kontaminiert worden wie Kambodscha mit seinen heute 18 Millionen Menschen. Ab Ende der sechziger Jahre warfen die USA im Zuge des Vietnamkrieges Streuminen über Kambodscha ab. Im nachfolgenden Bürgerkrieg legten die despotischen Roten Khmer wie die kambodschanische Regierung bis in die neunziger Jahre Minenfelder an. Bis heute gilt: Wer hier nicht aufpasst, kann auf eine Mine treten, ein Bein verlieren oder sogar sein Leben.Aber in Kambodscha will man nach vorne schauen. «Bis 2030 soll unser Land ja endlich minenfrei sein! Wir zeigen der Welt, dass man wieder aufstehen kann!», sagt Leah Reasmy, eine Studentin, die in einem hippen Café im Zentrum von Phnom Penh jobbt. Die mittlerweile in hohem Tempo voranschreitenden Minenräumarbeiten machten sie stolz, sagt sie. Braucht auch Phnom Penh ein Rattendenkmal? «Auf jeden Fall!», findet die junge Frau.Kambodschas Know-how reicht so weit, dass dieses eher arme Land andere Nationen unterstützt. So zählt die Ukraine auf die Erfahrung und das Wissen der Minenräumer aus Phnom Penh. Weitere Kooperationen bahnen sich an.Die staatlich kontrollierte Zeitung «Khmer Times» titelte kürzlich: «Kambodscha unterstützt Libanon bei der Landminenbeseitigung». Diese Notiz erfüllt auch Rithiya Sreu mit Stolz. «Wir sind ein friedliebendes Land», sagt der Journalist nach Feierabend in der Innenstadt Phnom Penhs. «So verwandeln wir einige unserer tiefsten Wunden in etwas Nützliches für die Menschheit.» Aus dem einstigen Makel der Minenkontamination habe Kambodscha endlich eine Art Soft Power gemacht.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
Helden auf vier Pfoten: Kambodscha ehrt seine Minensuchratten
Kaum ein Land ist in Kriegen so vermint worden wie Kambodscha. Jetzt geht die Minenräumung rasch voran – vor allem dank den Ratten.










