PfadnavigationHomeSportJamal Musiala„Ich sehe und lese davon nichts, was die Experten sagen“Von Christian Falk, Julian AgardiStand: 21:30 UhrLesedauer: 4 MinutenJulian Nagelsmanns Idee geht auf: Gegen Curacao spielt Jamal Musiala stark auf und tankt Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben. Sehen Sie sein erstes WM-Tor hier im Video.Vor einem Jahr verletzte sich Jamal Musiala schwer, nun glänzt er wieder. Die lange Zeit hat ihn verändert – als Fußballer und als Mensch. Die Meinung von Experten blende er bewusst aus, sagt er im Interview.Jamal Musiala, 23, ist längst mehr als der unbekümmerte DFB-Shootingstar von einst. Der Offensivspieler des FC Bayern gehört heute zu den wichtigsten Figuren im deutschen Team – und stand nach seiner schweren Verletzung besonders im Fokus. Im ersten Spiel bei der Fußball-WM gegen Curaçao zeigte er beim 7:1, wie wertvoll er wieder sein kann: leichtfüßig, spielfreudig, torgefährlich. Im Interview spricht der 23-Jährige über das befreiende Gefühl nach seinem Tor, sein schweres Verletzungsjahr und den Umgang mit Debatten um seine Rolle.Frage: Herr Musiala, nach Ihrem Tor zum zwischenzeitlichen 4:1 gegen Curaçao strahlten Sie, als könnten Sie die ganze Welt umarmen. Was fühlten Sie nach diesem Treffer?Jamal Musiala (23): Der Treffer tat auf jeden Fall richtig gut. Ich glaube, ich war nach meiner Verletzung noch nie so glücklich wie in diesem Moment – das war sicher eines meiner besten Spiele, seitdem ich zurück bin. Viele Sachen haben geklappt, ich habe mich frei und gut auf dem Platz gefühlt. Dieses Gefühl nehme ich mit.Frage: Sie sprechen Ihre schwere Verletzung an, die Sie sich exakt vor einem Jahr in den USA bei der Klub-WM zugezogen haben. Wie sehr nerven Sie die Fragen und die Diskussion dazu, die Sie seither begleiten?Musiala: Ich weiß ja, dass das als Fußballer dazugehört. Der Weg zurück war mit viel Arbeit und Geduld verbunden: Das war teilweise anstrengend, ich bin aber überzeugt: Auch wenn es nicht immer einfach ist, muss man auf das Positive schauen. Auch wenn das manchmal schwerfällt. Ich habe in diesem Jahr bestimmt am meisten gelernt. Nicht nur für den Fußball, ich bin auch als Mensch gewachsen. Ich weiß nun: Um nach so einer schweren Verletzung, wie ich sie erlebt habe, zurückzukommen, brauchst du Geduld. Der Schritt, den du danach gemacht hast, ist dafür ein umso größerer. So sehe ich es.Lesen Sie auchFrage: In die WM 2022 gingen Sie als unbekümmerter DFB-Shootingstar. Nun, vier Jahre später, stehen Sie als Leistungsträger im Fokus. Bekommen Sie denn mit, wenn TV-Experten wie Jürgen Klopp und Thomas Müller mit Lothar Matthäus öffentlich streiten, wie viel Spielzeit Sie bekommen sollen?Musiala: Sie dürfen mir glauben: Ich sehe und lese davon nichts, was Experten sagen. Ich kann mir auch so gut vorstellen, was gesagt wird, ich bin ja nun schon eine Weile im Fußballgeschäft. Aber ich bleibe bewusst lieber weg von diesen Dingen, die über mich gesagt oder geschrieben werden. Ich fokussiere mich nur auf mich. Für mich ist das Wichtigste, dass mein Kopf immer frei ist. Nur dann kann ich mich auf dem Platz frisch fühlen. Das, was ich für meine Aufgaben auf dem Platz wissen muss, sagt mir dann Julian (Nagelsmann/d. Red.).Lesen Sie auchFrage: Ihr Ex-Teamkollege Thomas Müller hatte für den WM-Start Deniz Undav statt Ihnen für die erste Elf vorgeschlagen. Hat er sich denn mal persönlich bei Ihnen gemeldet?Musiala: Ja, Thomas hat mir eine Nachricht vor dem Curaçao-Spiel geschrieben und viel Glück gewünscht. Er gibt mir auch manchmal Tipps, aber das machen wir nur, wenn wir uns persönlich sehen.Frage: Was nehmen Sie für das nächste Duell gegen die Elfenbeinküste aus dem 7:1-Start mit?Musiala: Wir haben als ganze Mannschaft gut zusammengearbeitet. So ein Ausgleichstreffer zum 1:1 wie gegen Curaçao kann eine Mannschaft aus dem Konzept bringen und im Kopf verunsichern. Es gab in der Vergangenheit Spiele, bei denen uns das passiert ist, aber wir haben gegen Curaçao unser Spiel durchgezogen, unsere Aufgaben wie besprochen erledigt und uns den guten Start zum Turnier erarbeitet. Aber jetzt müssen wir den Fokus sofort auf das nächste Duell gegen die Elfenbeinküste richten.Frage: Die hat zum Start 1:0 gegen Ecuador gewonnen und könnte der härteste Gruppengegner werden. Wie wird das Ihre Rolle im deutschen Spiel verändern?Musiala: Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, meine generelle Rolle in unserem Spiel wird ähnlich bleiben. Mit dem Unterschied, dass die Elfenbeinküste eine noch stärkere Offensive hat, da werde auch ich noch mehr defensiv arbeiten und viel Energie reinstecken müssen. Aber ich habe daran inzwischen immer mehr Freude: Den Ball zu erobern, macht auch richtig Spaß! Für vorne gilt: Wir müssen unsere Chancen reinmachen, wenn wir sie bekommen. Wenn wir so weiterzocken wie zuletzt gegen Curaçao, sollten wir uns genügend Chancen erarbeiten.