Wir leben in einer durchgestalteten Welt. Ob Wohnung, Coffeeshop oder Büro – nichts wird dem Zufall überlassen. Das gilt längst auch für die Kindheit. Kinderzimmer werden heute wie Galerien kuratiert, Spielzeuge werden penibel farblich aufeinander abgestimmt, und selbst das Kuscheltier muss zum aktuellen Einrichtungsstil passen. Aber ist Einheitsbeige förderlich für die Entwicklung von Kindern? Was macht Design kindgerecht? Und was bedeutet gutes Design in ihrer Welt?Darüber haben wir mit der Berliner Innenarchitektin Lisa Theobald gesprochen. Die 43-Jährige entwarf zuletzt den Kinderladen „Kraut & Rüben“ in Friedenau. Im Gespräch geht es um das Spannungsverhältnis zwischen Geborgenheit und Selbstständigkeit, darum, was Räume mit Kindern machen – oder Kinder mit Räumen – sowie um den fundamentalen Unterschied zwischen Design und Ästhetik.

Lisa Theobald führt das Berliner Innenarchitekturstudio Studio Theobald.

© Anne Deppe

Frau Theobald, wenn man über Design spricht, denkt man meistens zuerst an Erwachsene. Was verändert sich, wenn man für Kinder entwirft?Lisa Theobald: Kinder erleben Räume anders als Erwachsene, allein schon körperlich. Sie bewegen sich auf einer anderen Höhe durch den Raum, nehmen andere Dinge wahr und haben andere Bedürfnisse. Aber die grundsätzliche Herangehensweise bei der Gestaltung bleibt dieselbe: Man fragt sich immer zuerst, wer den Raum nutzt, was darin stattfinden soll und was Menschen brauchen, um sich darin wohlzufühlen. Bei Kindern geht es dabei nicht nur um Sicherheit, sondern auch um Räume, die Bewegung, Kreativität und Selbstständigkeit ermöglichen.