Es ist so unglaublich heiß an diesem Sonnabend, das Thermometer steigt am Mittag auf 33 Grad – wohlgemerkt im Schatten. Der „Bevölkerungsschutz des Bundes“ warnt über seine App Nina vor Gesundheitsbelastungen.

Trotzdem gibt es Menschen in Berlin, die nicht an den Müggel- oder Wannsee oder in die Freibäder der Stadt streben, sondern ins Kanzleramt. Dort, wo Friedrich Merz normalerweise seinen Amtsgeschäften nachgeht. Dort, wo man eigentlich nicht hineinkommt. Außer, die Bundesregierung zum Tag der offenen Tür ein. Und macht alle Ministerien zugänglich. Dort, wo es so schön klimatisiert ist.

Das Kanzleramt ist, wenn man so will, das Zentrum der Macht. Vor den dicken Zäunen stehen ein paar Zelte, deren Bewohner sich laut aufgestellter Tafeln im Hungerstreik befinden. Um auf das Schicksal von Frauen in aserbaidschanischen Gefängnissen aufmerksam zu machen. Doch nieman ist an diesem Vormittag dort zu sehen.

Die Menschen beachten das Camp auch nicht, laufen vielmehr zielstrebig zum Eingang des Kanzleramtes. „Wird schon schön kühl dort sein“, sagt Anita Petsch, die sich mal „alles so richtig anschauen“ will. Sie ist 73 Jahre alt, und sie hat ihr Freundin mitgenommen. „Sie ist ziemlich skeptisch, weil es so furchtbar warm ist“, sagt Petsch. Die beiden Frauen laufen langsam, so, als würde jede Bewegung Kraft kosten.