PfadnavigationHomePolitikDeutschlandLuigi PantisanoLinke soll „sozialistische Volkspartei“ werden – neuer Vorsitzender erhält desaströses WahlergebnisStand: 16:49 UhrLesedauer: 4 MinutenDie Linke wählt auf ihrem Parteitag in Potsdam eine neue Parteispitze. Als Nachfolger von Jan van Aken soll Luigi Pantisano Co-Chef werden, der für einen jungen und aktivistischen Kurs steht. WELT-Reporterin Luisa Stangl berichtet.Die Linkspartei wird künftig neben Ines Schwerdtner von einem neuen Gesicht geführt. Bei den eigenen Leuten fiel Luigi Pantisano allerdings eher durch. Zwischen CDU und AfD sieht er kaum noch Unterschiede.Die Linke hat eine neue Doppelspitze: Neben der bisherigen Co-Vorsitzenden Ines Schwerdtner wählte ein Parteitag in Potsdam den Bundestagsabgeordneten Luigi Pantisano zum neuen Vorsitzenden. Der 46-Jährige erzielte mit nur gut 53 Prozent ohne Gegenkandidaten allerdings ein schwaches Ergebnis.Er wird Nachfolger von Jan van Aken, der seiner Partei zum Abschied ein ehrgeiziges Ziel setzte: Sie soll „sozialistische Volkspartei“ werden und 20 Prozent der Wählerstimmen erzielen. Für seine Nachfolger sei das eine Aufgabe, fügte er hinzu. Der 65-jährige van Aken hatte aus gesundheitlichen Gründen auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Seit 2024 führte er mit Schwerdtner die Partei und hatte erheblichen Anteil an ihrem erneuten Einzug in den Bundestag 2025. Die Linke erreichte 8,8 Prozent der Stimmen und liegt inzwischen in Umfragen sogar bei 10 bis 12 Prozent.Schwerdtner wurde mit knapp 86 Prozent im Amt bestätigt – für die Linke ein sehr gutes Ergebnis. Pantisano verfehlte sein Wunschziel von mehr als 70 Prozent hingegen deutlich.Pantisano will polarisieren – CDU sei faschistischPantisano formuliert bisher oft schärfer, als es von van Aken bekannt ist. In seiner Vorstellungsrede beim Parteitag sagte er, er „versuche auch zu polarisieren, das werdet ihr mit mir auch bekommen“.Lesen Sie auchSo sagte Pantisano in einem „Bild“-Videointerview auf dem Parteitag: „Letztlich gibt es auch gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst.“ Ziel der Linken sei es, „die Faschisten von der Macht fernzuhalten“.Lesen Sie auchPantisano äußerte sich mit Blick auf mögliche Kooperationen mit der Union nach den anstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland; dort könnte es schwierig werden, in den Landtagen eine Mehrheit gegen eine erstarkte AfD zu bilden.Auf Nachfrage stellte Pantisano klar, dass er die Formulierung selbst für unglücklich hält. „Das ist verkürzt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Es geht darum, dass Parteien wie die CDU die falsche Politik der AfD übernehmen und sie damit erst recht stark machen.“ Irritationen über Pantisanos Aussagen zur CDUMehrere Linken-Spitzenpolitiker aus ostdeutschen Landesverbänden zeigten sich anschließend irritiert über die Aussagen. Eva von Angern, Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt, sagte dem Portal „t-online“: „Das möchte ich klarstellen: Die CDU ist eine demokratische Partei, in der sich viele Demokratinnen und Demokraten engagieren und die für die Menschen Politik machen.“ Auch wenn Kritik an vielen Stellen angebracht sei, sehe sie ganz klar einen großen Unterschied zwischen CDU und AfD.Der Linken-Chef von Mecklenburg-Vorpommern, Hennis Herbst, sagte dem Portal: „Ich bin doch etwas irritiert über die Aussage, denn so pauschal kann man das in meinen Augen nicht sagen.“ Weiter sagte Herbst: „Wir beobachten schon, dass die CDU in Teilen auch AfD-Politik macht, aber pauschal zu sagen, dass die CDU eine faschistische Partei sei, funktioniert für mich nicht.“Pantisano will Arbeiter mit seiner Politik ansprechenAngekündigt hat der Sohn italienischer Einwanderer, dass er verstärkt Arbeiter in Betrieben ansprechen will. „Und wenn wir möglichst viele der Kollegen und Kolleginnen für unsere Partei gewinnen, dann sind wir in der Lage, echte Veränderung zu erreichen“, sagte der Stuttgarter Bundestagsabgeordnete der dpa.Lesen Sie auchIn den nächsten Wochen will die neue Parteispitze systematisch Proteste gegen Sozialreformen der Regierung und gegen höhere Verteidigungsausgaben mobilisieren. „Wir organisieren den Aufstand: gegen Sozialabbau und Militarisierung“, hieß es in einem Dringlichkeitsantrag zum Parteitag. Er knüpft an die Proteste gegen die Agenda 2010 der einstigen rot-grünen Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) an, die der damaligen PDS und der Neugründung WASG Auftrieb gab. Aus diesen Parteien entstand 2007 die Linke.Pantisano nennt Merz einen VersagerPantisano kündigte einen scharfen Oppositionskurs gegen die Bundesregierung an. Er wolle dazu beitragen, „dass Friedrich Merz Angst hat vor uns Linken“, sagte er. „Ich finde es auch unerhört, dass ein Versager wie Friedrich Merz, der praktisch selbst der unbeliebteste Kanzler seit Jahren ist, meint, denjenigen, die hart arbeiten, die aufstehen, die als Postbote arbeiten, vorzuschreiben, was sie zu tun haben“, sagte Pantisano.Lesen Sie auchGeboren wurde Pantisano 1979 in Waiblingen in Baden-Württemberg, wo er mit seiner Frau und den beiden Kindern auch noch lebt. Seine Eltern kamen 1966 aus Italien nach Deutschland und bekamen vier Söhne. Sein Bruder Alfonso Pantisano ist „Queerbeauftragter“ in Berlin. „Meine Eltern haben ihr Leben lang hart gearbeitet, damit ihre Kinder es einmal besser haben“, sagte Pantisano. „Von ihnen habe ich das Kämpfen gelernt.“Pantisano machte zunächst einen Hauptschulabschluss und eine Ausbildung zum Bauzeichner. Später holte er die Fachhochschulreife nach und studierte Architektur in Stuttgart und Tokio. Ein Studium der Stadtplanung folgte. Er arbeitete als Quartiersmanager und als Lehrender an Hochschulen.dpa/coh/krott