Die Enttäuschung stand Hakan Calhanoglu ins Gesicht geschrieben. „Wir sind alle traurig“, sagte der Kapitän, nachdem die Türkei ihre großen WM-Träume vorzeitig begraben musste: „Ich will mich einfach nur bei unseren Fans bedanken, die hierher gekommen sind, die uns zu Hause unterstützt haben. Gleichzeitig möchte ich mich bei ihnen entschuldigen.“Nach dem bitteren 0:1 (0:1) im zweiten Gruppenspiel gegen Paraguay in Santa Clara hat die Mannschaft um den früheren Bundesliga-Profi in der Gruppe D keine Chance mehr auf das Weiterkommen. Dabei war die Türkei ambitioniert in ihre erste Endrunde seit 24 Jahren gestartet. Doch nach der zweiten Niederlage steht bereits fest, dass die letzte Partie gegen den Hauptgastgeber USA am Freitag (4.00 Uhr MESZ/MagentaTV) für die Auswahl von Trainer Vincenzo Montella sportlich bedeutungslos ist.„Die Erwartungen waren hoch“, sagte Calhanoglu: „Aber ich bin stolz auf meine Teamkollegen, weil jeder sein Bestes versucht hat.“ Doch selbst in Überzahl nach der Roten Karte für Miguel Almirón (45.+3), der sich im Dialog mit Mert Müldür die Hand vor den Mund gehalten hatte, reichte es nicht für einen dringend benötigten Punkt. „Jeder wollte unserem Land etwas geben“, betonte Calhanoglu. Man habe gegen Paraguay und auch gegen Australien (0:2) „viel versucht, aber wir hatten auch ein bisschen Pech“. „Ich kann meinen Spielern nichts vorwerfen“, sagte Montella und bezog sich auf 62 Schüsse seines Teams in zwei Gruppenspielen, von denen allerdings nur zwölf aufs Tor gingen: „Das Glück war nicht auf unserer Seite. Aber das Team hat Herz und Seele gezeigt.“ Die Zukunft des Italieners ist nach der großen Enttäuschung offen.Andere wurde nach dem Spiel deutlicher: „Wir sind richtig traurig, es ist auch beschämend. Wir entschuldigen uns bei unserem Volk“, sagte Arda Güler von Real Madrid: „Wir weinen in der Kabine. Wir müssen alles tun, um das wieder gutzumachen.“ Auch der frühere Nationalspieler Halil Altintop musste das Aus „erstmal sacken lassen“. Es gebe „sehr, sehr viele Fragezeichen“, sagte Altintop bei MagentaTV: „Die Enttäuschung ist sehr, sehr groß, weil die Mannschaft viel individuelle Qualität hat.“Calhanoglu richtete aber auch den Blick nach vorne. Die Türkei habe eine junge Generation an Spielern, die „noch viele Turniere“ vor sich hätten. „Für mich war es vielleicht das letzte, das weiß man nie“, sagte Calhanoglu. Das abschließende Spiel gegen die USA solle das Team nun „so gut wie möglich“ bestreiten, betonte er. Die Partie gegen Paraguay müsse vergessen werden, doch „das ist nicht leicht“. (dpa/sid)Die Mutter von Torwart Vozinha (Kap Verde) ist in den USA gelandet. Ana Candida Evora reiste am Freitag (Ortszeit) am Flughafen in Miami unter großem Medieninteresse in das Gastgeberland ein und kann damit ihren Sohn bei dessen zweitem WM-Spiel in der Nacht zu Montag (00 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) gegen Uruguay live im Stadion unterstützen.„Das ist für mich etwas Besonderes“, hatte Vozinha zuvor gesagt, nachdem seine Mutter die lange Reise von den Kap Verden Richtung USA angetreten hatte. Sie hatte den sensationellen Auftritt ihres Sohnes zum WM-Auftakt gegen Spanien (0:0) wegen Visa- und Passproblemen verpasst.Die Tränen des 40 Jahre alten Vozinha nach dem Spiel hatten die Welt gerührt, über Nacht war er mit weit über 14 Millionen Followern bei Instagram zum Star aufgestiegen. Evora hatte nach Aussage von Vozinha vor ihrer Reise in die USA noch nie die Kap Verden verlassen. „Alles passiert so schnell, ich bin sehr glücklich“, sagte Evora vor ihrem Abflug der BBC: „Ich bringe eine besondere Energie für die Kapverdier mit. Wir werden kämpfen und auf dem Platz glänzen“. (sid)Uli PutzSeine Liebe zu Deutschland und zur deutschen Fußball-Nationalmannschaft zeigt ein Landwirt in Bangladesch auf besondere Art: Für die WM hat er eine 7,5 Kilometer lange Fahne in schwarz-rot-gold entrollt. Zur WM-Eröffnung im fernen Mexiko ließ Amjad Hossain die riesige Fahne auf einem Schulgelände unweit seiner Wohnung im Bezirk Magura im Südwesten des südasiatischen Landes vor den Augen zahlreicher Dorfbewohner und angereister Fans ausbreiten. Befestigt wurde sie an Bambuspfählen. „Wir sind berührt von seiner Passion“, schrieb die deutsche Botschaft in Dhaka auf X. Sie wünsche Hossain und dem deutschen Team alles Gute für die von den USA, Kanada und Mexiko gemeinsam ausgetragene WM. Er selbst habe früher Fußball gespielt und Deutschland sei sein Lieblingsteam, sagte der 77-jährige Hossain in seinem Dorf Ghoramara. Die Fahne sei auf eigene Kosten bereits 2022 entstanden, doch sei sie damals nicht ausgestellt worden, weil Deutschland schon in der Gruppenphase ausgeschieden sei. „Das war schade.“ Nachdem er sie verstaut habe, sei die Flagge zur Hälfte von Termiten zerstört worden. Um sie wiederherzustellen, seien über 9.000 Meter Polyester und ein Dutzend Schneider nötig gewesen. Mehr als drei Monate habe die Arbeit gedauert. Ungewöhnlich: Bangladesch hat sich nie für eine Fußball-WM qualifiziert. Kricket ist die mit Abstand beliebteste Sportart im Land. Auch Fußball ist beliebt, allerdings bestehen die Fanlager vor allem aus Anhängern von Argentinien und Brasilien. Hossains Beziehung zu Deutschland hat persönliche Gründe: Er wurde nach eigenen Angaben 2004 schwer krank. Dank deutscher Medikamente sei er wieder auf die Beine gekommen. „Meine Liebe für Deutschland begann, nachdem ich vollständig genesen war.“ Schon für die WM 2006 habe er eine 1,5 Kilometer lange Fahne genäht. Bis zur WM 2014 sei sie auf 3,5 Kilometer Länge gewachsen. Dafür habe er ein Stück seines Grundstücks verkauft. Einen Tag vor Beginn des laufenden WM-Turniers wurde die jetzige Riesenfahne schließlich mit einem Lkw zu dem Schulgelände gebracht. Eine Kapelle spielte auf, als die Fahne entrollt wurde. Allerdings könne die Fahne nicht durchgehend ausgestellt werden, sagte Hossain. Sie könne zerstört oder sogar gestohlen werden. Sollte er dann noch leben, wolle er die Fahne für das nächste Turnier auf zehn Kilometer verlängern. Sein Traum sei es, die Fahne den deutschen Behörden für die Aufbewahrung in einem Museum zu überlassen und ein Foto mit dem deutschen Nationalteam aufzunehmen. (dpa)Uli PutzDer iranische Fußballverband hat wegen Beschränkungen seiner Mannschaft durch den Weltfußballverband Fifa erneut scharfe Kritik geäußert. „Eine solche Missachtung unserer Regeln und Vereinbarungen stellt meiner Meinung nach den Fußball selbst in Frage“, sagte Verbandschef Hedajat Mombeini am Freitag (Ortszeit) vor Journalisten in Tijuana. Zuvor hatte der iranische Verband angekündigt, bei der Fifa formell Beschwerde wegen Reisebeschränkungen seiner Mannschaft bei der Fußball-WM einlegen zu wollen.„Dies wird einen dunklen Fleck in der jüngeren Geschichte der Weltmeisterschaft hinterlassen“, fügte Mombeini hinzu. „Regeln müssen eingehalten werden.“Nach Angaben des Verbands wollte die iranische Nationalmannschaft, die ihr WM-Quartier in Tijuana in Mexiko hat, zwei Tage vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Belgien am Sonntag in die USA einreisen. Der Antrag sei jedoch abgelehnt worden, das Team dürfe erst am Samstag zum Spielort nach Los Angeles aufbrechen. Die Fifa-Regeln für Weltmeisterschaften sehen vor, dass die Mannschaften am Tag vor einem Spiel von ihrem Quartier zum Spielort reisen sollten, in „Ausnahmefällen“ jedoch bereits zwei Tage zuvor anreisen dürfen.Der WM-Verantwortliche des Weißen Hauses, Andrew Giuliani, hatte die Beschwerden der Iraner zurückgewiesen. Der Iran sei vorab darüber informiert worden, dass seine Mannschaft immer erst am Tag vor dem Spiel in die USA einreisen dürfe und das Land noch am Spieltag wieder verlassen müsse, sagte er am Montag im Sender CBS News. Dies werde auch beim dritten Gruppenspiel gegen Ägypten am 26. Juni in Seattle so sein.Um die WM-Teilnahme der Iraner hatte es wochenlange Diskussionen gegeben. Wegen des Iran-Kriegs, den die USA und Israel Ende Februar begonnen hatten, verlegte der Iran sein ursprünglich in Tucson im US-Bundesstaat Arizona geplantes WM-Quartier ins mexikanische Tijuana. Zwar erhielten alle Spieler ein Visum für die USA, nicht aber alle Mitglieder ihres Betreuerstabs. Nach dem Auftaktspiel gegen Neuseeland am Dienstag musste die iranische Mannschaft Los Angeles noch am selben Tag wieder verlassen, was bei den Iranern zu großem Unmut führte. (AFP)Uli PutzJulian Nagelsmann hat Leroy Sané eine Startelf-Garantie für das zweite WM-Spiel der Fußball-Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste gegeben. Der Bundestrainer kritisierte zugleich harsch den öffentlichen Umgang mit dem Offensivspieler auch nach dem 7:1 beim WM-Auftakt gegen Curaçao. „Ich wüsste jetzt nicht, warum ich ihn nicht spielen lassen soll. Ich bin keiner, der sich treiben lässt von irgendwelchen Meinungen von außen. Sondern wir haben eine Meinung im Trainerteam, eine Meinung in der Mannschaft und auch Dinge gesehen auf dem Feld, die sehr gut waren“, sagte Nagelsmann vor dem heutigen Spiel in Toronto. Für den Bundestrainer steckt hinter der Kritik an Sané mittlerweile ein „psychologisches Phänomen“, wie er anmerkte. „Wenn man irgendwann mal einen Menschen in einer gewissen Schublade hat und ihn gewissermaßen charakterisiert, dann wird alles, was man nur ansatzweise in diese Richtung sieht, um ein Vielfaches schlimmer bewertet."Diese Denkstruktur treffe auf die Bewertung Sanés als Profi-Fußballer und Mensch zu, habe aber keine Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit. „Ich kann versichern, ihn stört es nicht. Es beschäftigt dann eher mich, weil ich ungern habe, dass über meine Spieler so was geschrieben wird“, sagte Nagelsmann. Sané war mit gelber Mütze am frühen Freitagabend (Ortszeit) in Toronto mit dem DFB-Team angekommen und hatte wie seine Teamkollegen vor dem Hotel Autogramme gegeben. Gegen die Elfenbeinküste bestreitet der 30-Jährige sein 78. Länderspiel. In seinen bisher 13 Spielen bei WM- und EM-Turnieren ist ihm noch kein Tor gelungen. Für Änderungen an der Startelf im Vergleich zum klaren Sieg gegen Curaçao gibt es laut Nagelsmann „jetzt keinen offensichtlichen Grund“. Torwart Manuel Neuer wird sein 21. WM-Spiel bestreiten und damit alleiniger WM-Rekordtorhüter werden. Mit einem Sieg gegen die physisch starken Ivorer um den Leipziger Bundesliga-Stürmer Yan Diomande kann die DFB-Elf vorzeitig den Einzug in die K.-o.-Runde des XXL-Turniers klarmachen. „Das Spiel zu gewinnen, wäre sehr wichtig“, sagte Nagelsmann. (dpa)Nach einer überzeugenden Leistung ist Felix Zwayers WM-Debüt als Schiedsrichter mit einem Schreckmoment zu Ende gegangen. In der Nachspielzeit der Partie zwischen Gastgeber USA und Australien (2:0) musste der einzige deutsche Unparteiische bei diesem Turnier an der Wade behandelt werden. Nachdem Katia Garcia, die vierte Offizielle, Zwayer Magnesium in Form eines Getränks gereicht hatte, konnte der 45-Jährige seine Premiere zu Ende bringen. Der 45-Jährige war in der dritten Minute der Nachspielzeit im Rasen hängen geblieben, als er US-Profi Chris Richards nach einem Foul die Gelbe Karte zeigte. Der Berliner sank auf den Boden, Assistent Christian Dietz und der australische Profi Aiden O'Neill eilten zur Hilfe und halfen beim Dehnen.Letztlich konnte Zwayer die Partie jedoch zu Ende bringen. „Er ist in den Boden getreten, ich hoffe, er hat sich nichts getan. Ich weiß nicht, das sah überhaupt nicht gut aus. Es ist die Wade hinten. Wenn du eine unkontrollierte Bewegung machst, wahrscheinlich hat er einen Krampf. Ich hoffe, dass es nichts Schlimmeres ist“, sagte Schiedsrichterexperte Patrick Ittrich bei MagentaTV. Insgesamt strahlte Zwayer Ruhe aus und leistete sich nach Einschätzung von Ittrich keine erkennbaren Fehler - auch nicht in einer etwas hektischeren Schlussphase. „Eine hervorragende Leistung“, sagte er bei Magenta TV. „Er hat viel laufenlassen, gute Gelbe Karten gegeben, das war wirklich top.» Die Leistung des Referees wurde von Schiedsrichter-Boss Knut Kircher indessen positiv aufgenommen. „Felix hatte mit seinem ersten WM-Spiel einiges an Arbeit zu verrichten, hat das gut gemacht inklusive VAR-Support. Jetzt sind auch sie ins Turnier gestartet, was wichtig ist!“, sagte der Geschäftsführer der DFB Schiri GmbH dem SID. Beim zweiten Treffer der USA durch Innenverteidiger Alex Freeman (44.) hatte Zwayer zunächst auf Abseits entschieden, das Urteil nach Rücksprache mit Videoassistent Bastian Dankert dann jedoch revidiert. (dpa/sid)Alle Mann an Bord, nur ein paar Minuten Verspätung: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat mit dem Abflug in Richtung Toronto die zweite WM-Aufgabe in Angriff genommen. Bundestrainer Julian Nagelsmann stieg nach dem Mittagessen als Erster in den FIFA-Charterflieger, der um 15.05 Uhr Ortszeit den kleinen Smith Reynolds Airport verließ und die rund 1200 Kilometer lange Strecke nach Norden in Angriff nahm.Am Zaun standen etwa 20 Schaulustige, die aus kurzer Distanz beobachteten, wie die DFB-Mannschaft erst zur Passkontrolle und dann zum Abtasten auf dem Rollfeld gebeten wurde. Zuvor hatten alle 26 Kaderspieler in Winston-Salem die letzte Trainingseinheit vor der Abreise zum Duell mit dem dreimaligen Afrikameister Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) am Samstag (22.00 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) absolviert.In Toronto wird die DFB-Elf im Delta Hotel logieren. Das nahe BMO Field ist die kleinste der 16 WM-Arenen. 17.000 zusätzliche Sitze wurden hinter den Toren für das Turnier eingebaut, die Kapazität liegt nun bei rund 45.000 Zuschauern. Der deutsche Fanblock ist am Samstag mit 2500 Fans ausverkauft.Mit einem weiteren Sieg nach dem 7:1 zum Auftakt gegen Curaçao stünde der viermalige Weltmeister vorzeitig in der K.-o.-Runde. Allerdings: Zwei Erfolge zum Auftakt gelangen zuletzt bei der Heim-WM 2006 – 4:2 gegen Costa Rica und 1:0 gegen Polen. (sid)Der algerische Fußballverband hat nach der nicht gegebenen Roten Karte gegen Lionel Messi Beschwerde bei der FIFA „wegen unfairer Schiedsrichterentscheidungen“ eingereicht. Das teilte eine Quelle des Verbandes am Freitag der Nachrichtenagentur AFP mit. Beim 3:0 des Titelverteidigers zum WM-Auftakt hatte der argentinische Superstar in der 31. Minute Algeriens Kapitän Aissa Mandi mit offener Sohle an der Wade erwischt, durfte aber weiterspielen.Zum Zeitpunkt des Fouls hatte Messi seine Mannschaft schon in Führung geschossen. Im weiteren Verlauf der Begegnung zog er mit seinen zwei weiteren Treffern in der Liste der Rekordtorjäger bei Weltmeisterschaften mit Miroslav Klose gleich (je 16 Tore).„Die Beschwerde betrifft in erster Linie Messis Tackling, das nach allgemeiner Meinung eine Rote Karte verdient hätte. Außerdem gab es zwei Vorfälle mit Ellbogenstößen. Beide hätten einen Platzverweis gerechtfertigt“, sagte die Quelle des Verbandes. „Wir sagen nicht, dass die argentinische Mannschaft nicht stark war, aber wir können angesichts von Ungerechtigkeiten nicht schweigen. Es gab drei Vorfälle, die glasklar waren, und der VAR hat nicht eingegriffen.“Für ihn sei es „eine Rote Karte“, hatte auch der Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich nach dem Spiel bei MagentaTV gesagt: „Wir haben diverse Beispiele aus der Bundesliga, wo das mit Rot bestraft wurde. Er wollte das nicht, ohne Frage, aber das ist kein Grund, keine Rote Karte zu geben.“Für Algerien geht es im Kampf um den Einzug in die K.-o.-Runde in der Nacht zu Dienstag (5.00 Uhr MESZ) gegen Jordanien weiter. Zuvor treffen am Montagabend (19.00 Uhr MESZ) Argentinien und Österreich aufeinander. (sid)Ben MenglerBrasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat mit einem scherzhaften Kommentar über Fußballstar Neymar für Aufmerksamkeit gesorgt. „Neymar ist der erste Spieler der Welt, der in die Nationalmannschaft berufen wird, um im Homeoffice zu arbeiten“, witzelte der Staatschef am Freitag bei einer Veranstaltung in einem Krankenhaus in Belo Horizonte über den derzeit verletzten Offensivspieler, der bei der Weltmeisterschaft noch nicht zum Einsatz gekommen ist. Neymar (34), der wegen einer Wadenverletzung pausiert, verpasst auch das Spiel gegen Haiti am Samstag (2.30 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) in Philadelphia. „Neymar? Er spielt ja nicht einmal!“, sagte Lula, als ein Junge den Namen des Angreifers erwähnte.Der Rekordtorschütze der Selecao (79 Treffer) hatte beim enttäuschenden 1:1 zum Auftakt gegen Marokko ebenfalls gefehlt und das Spiel nur von der Bank aus verfolgt. Am Mittwoch hatte er zumindest das Aufwärmprogramm wieder zusammen mit seinen Teamkollegen auf dem Platz absolviert. Danach trainierte er wieder etwas abseits der Mannschaft.Bereits zuvor hatte Lula augenzwinkernd erklärt, den argentinischen Superstar Lionel Messi „rekrutieren“ zu wollen, um die Offensive Brasiliens zu verstärken. (sid)Mit einer unverhohlenen Rücktrittsaufforderung an Portugals Superstar Cristiano Ronaldo hat die Freundin seines Teamkollegen Joao Neves in den sozialen Medien eine Menge Beleidigungen und Beschimpfungen ausgelöst. Der ewige Streit zwischen Ronaldo-Unterstützern und Ronaldo-Kritikern droht damit auch das portugiesische Team bei der Fußball-WM zu erreichen.Unter einem Foto mit ihrem Lebensgefährten, das die Schauspielerin Madalena Aragao bei Instagram gepostet hat, kommentierte ein Ronaldo-Anhänger nach dem schwachen 1:1 der Portugiesen im ersten WM-Spiel gegen die Demokratische Republik Kongo: „Dein Freund ist ein Idiot. Sag ihm, er soll den Ball zu meinem GOAT (dem Größten aller Zeiten) passen.“Neves’ Lebensgefährtin antwortete daraufhin: „Sag deinem GOAT, er soll in Rente gehen. Er ist sehr eigensinnig!“ Seitdem wird die 20 Jahre alte Aragao in der Kommentarspalte ihres Instagram-Accounts teils massiv von Ronaldo-Anhängern beleidigt.Die Unruhe bei den Portugiesen ist nach dem WM-Fehlstart ohnehin groß. Der 41 Jahre alte Ronaldo ist in der Nationalmannschaft weiterhin gesetzt. Seit dem schwachen WM-Auftakt wird in Medien und in sozialen Netzwerken wieder besonders viel darüber diskutiert, ob der Superstar des Teams nicht zu alt für hohe Ansprüche sei und ob Portugals Trainer Roberto Martinez ihn nicht durch einen anderen Stürmer ersetzen sollte.Bislang wurde Ronaldo von seinen Teamkollegen immer öffentlich verteidigt. Dass die Freundin eines wichtigen Mitspielers nun davon abweicht, hat zumindest Konfliktpotenzial für den WM-Mitfavoriten. (dpa)Für ihre Aufräumaktion im WM-Stadion bekommen Japans Fans ausgerechnet in der Heimat Gegenwind. Nachdem Anhänger im Anschluss an das Spiel gegen die Niederlande (2:2) ihren Müll in Plastiktüten eingesammelt hatten, entzündete sich in Japan eine Debatte über die Aufteilung der Hausarbeit. Das berichtet der britische Sender BBC.Auslöser waren Fotos, auf denen Fans mit Müllsäcken die Tribünen durchkämmten. Einige Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien sahen darin laut BBC eine Doppelmoral: Männer, die in der Öffentlichkeit aufräumen, zu Hause die Last aber ihren Ehefrauen überlassen. Viral ging ein Bild, das einen Mann beim Müllsammeln im Stadion zeigt – und denselben Mann zu Hause auf dem Sofa am Handy, während seine Frau abwäscht.Nach Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2021 verbringen japanische Frauen täglich ein Vielfaches der Zeit mit unbezahlter Arbeit im Haushalt wie die Männer. Unter den hoch entwickelten Ländern zählen japanische Männer damit zu denen mit dem geringsten Anteil an dieser Arbeit.Nicht alle teilen die Kritik. „Was ist daran peinlich?“, zitierte die BBC einen X-Nutzer. „Das ist viel besser als Berichte, in denen es heißt: ‚Japaner lassen im Ausland ihren Müll liegen.‘“Schon bei Japans WM-Premiere 1998 in Frankreich und bei allen Turnier-Teilnahmen danach war es zu solchen Szenen gekommen. Diese Verhaltensweise würden Japaner schon in der Schulzeit lernen, hatte der Politik- und Geschichtsprofessor Koichi Nakano nach dem Spiel gegen die Niederlande der Nachrichtenagentur AP gesagt. (dpa)Ruhe bitte, die Uni geht vor: Das türkische Innenministerium hat für Samstag landesweit Großbildübertragungen des richtungsweisenden WM-Duells gegen Paraguay unter freiem Himmel untersagt. Hintergrund ist die zeitgleich stattfindende landesweite Hochschulzugangsprüfung YKS.Lärm und mögliche Verkehrsprobleme sollen minimiert werden, um die Kandidaten nicht zu beeinträchtigen. Die Gouverneure der Provinzen wurden daher angewiesen, keine Leinwände für die Partie am Samstagmorgen (6:00 Uhr in der Türkei) zu genehmigen.Mehrere Kommunen hatten im Vorfeld geplant, das Spiel auf großen Leinwänden zu zeigen. Nach der ministeriellen Direktive wurden diese Vorhaben jedoch wieder abgesagt. Die Behörden verwiesen darauf, dass insbesondere die frühe Anstoßzeit ein erhöhtes Risiko für Störungen durch Menschenansammlungen berge. Die am Samstagmorgen beginnende YKS zählt zu den wichtigsten Prüfungen des Landes und wird jährlich von Hunderttausenden absolviert.Die Auftaktpleite gegen Australien (0:2) hatten in der Türkei vielerorts große Menschenmengen auf öffentlichen Plätzen, in Parks und sogar in einem antiken Amphitheater in der Provinz Antalya verfolgt. Nach der Niederlage steht die Auswahl bereits unter Druck, will sie in einer Gruppe mit Gastgeber USA noch die K.-o.-Runde erreichen. (sid)Mehr ladenTickarooLive Blog Software