Griechenlands Bären sind zurück. Nicht alle überleben dasBärenboom in Griechenland: Die Braunbärenpopulation hat sich innert weniger Jahre fast verdoppelt. Doch damit wächst auch der Konflikt zwischen Mensch und Tier.Elena Panagiotidis20.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenEin Braunbär im Zoo von Thessaloniki.Nicolas Economou / NurPhoto via GettyDrei Braunbären sind innert zweier Tage in Griechenland tot aufgefunden worden. Wie Umweltschutzorganisationen mitteilen, sind zwei Tiere erschossen worden, eines wurde mit einem Köder vergiftet. Sie fordern nun eine konsequente Aufklärung der Fälle. Besonders betroffen macht der Fall der jungen Bärin Kirki: Sie war von der Organisation Arcturos rund ein Jahr lang gepflegt und erst vor kurzem wieder ausgewildert worden, bevor sie nun vergiftet wurde.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Fälle zeigen, wie angespannt das Zusammenleben von Menschen und Braunbären in Teilen Griechenlands geworden ist. Denn die Tiere stehen in Griechenland unter Naturschutz, es ist verboten, sie zu töten oder zu verletzen. Dennoch gehören Wilderei und Giftköder weiterhin zu den grössten menschengemachten Gefahren für die Art.Strassenschilder warnen vor kreuzenden BärenDie Bärenpopulation im Land wird auf rund 900 Tiere geschätzt. 2019 wurde die Population noch auf rund 450 bis 500 Bären geschätzt. Sie lebt in den bergigen Wäldern entlang der nördlichen Grenze zu Albanien, Nordmazedonien und Bulgarien und reicht aber auch bis nach Mittelgriechenland.Wer durch den Nordwesten Griechenlands fährt, begegnet nicht vielen Autos. Aber alle paar Kilometer gibt es grosse Warnhinweise: Achtung, Bären kreuzen. Ein Pendant zu Hirsch und Kuh in der Schweiz oder dem Elch in Skandinavien.Die Umweltschutzorganisation Arcturos versucht seit über drei Jahrzehnten, das Verständnis der Einwohner für die Tiere zu wecken. Wer das Zentrum besucht, fährt eine kurvige Strasse hinauf durch dichte Laubwälder, bis er das Bergdorf Nymfaio erreicht. Dort betreibt die NGO ein Umweltzentrum und ein Schutzgebiet für Bären, die nicht mehr in die freie Wildbahn zurückkehren können. Entstanden ist die Organisation ursprünglich aus dem Kampf gegen die damals noch weitverbreitete Gefangenschaft von Bären und Wölfen, etwa in Zirkussen oder als sogenannte Tanzbären, die durch die Dörfer zogen. Heute verbindet Arcturos Tierschutz, Forschung, Umweltbildung und konkrete Arbeit zur Konfliktvermeidung zwischen Mensch und Tier.Ein Tierpark will Arcturos ausdrücklich nicht sein. Die Besucherinnen und Besucher werden von Freiwilligen an den Zäunen des Schutzgebiets Gehegen entlanggeführt, doch es geht nicht um Selfies oder Dressurshows, sondern um Aufklärung.Wer die Arcturos-Bären besuchen will, muss das Auto weit entfernt stehen lassen und wird dauernd zur Ruhe ermahnt, um die Tiere nicht zu erschrecken.NZZDie Zahl der in Griechenland lebenden Bären hat sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Gleichzeitig, so betont Arcturos, sei die Zahl der durch Bären verursachten Schäden in der Landwirtschaft und Viehzucht nicht gestiegen. Sie hat dazu in einer Studie über 7000 Entschädigungsanträge ausgewertet, die zwischen 1999 und 2020 bei der griechischen Agrarversicherung Elga eingegangen sind. Dabei konnte kein proportionaler Anstieg der Gesamtschäden durch Braunbären seit der Erholung der Population nach 2012 festgestellt werden.Die Unterschiede sind regional. In Gebieten, in denen der Bär seit Jahrzehnten lebt und wo präventive Massnahmen bereits etabliert sind, ist das Schadensniveau stabil oder rückläufig. Probleme nehmen vor allem dort zu, wo Bären erst seit kurzem wieder auftauchen und Gemeinden wenig Erfahrung mit Prävention haben.Tiere vertreiben, noch bevor sie einen Ort erreichenWie akut die Entwicklung ist, zeigt ein derzeitiges Forschungsprojekt aus der nordgriechischen Region Kastoria. Der Zoologe Theodoros Kominos dokumentierte dort mittels Drohnen und Wärmebildkameras zwischen 2023 und 2026 über 800 Bärensichtungen in unmittelbarer Nähe von Siedlungen. Oft kehrten dieselben Tiere nachts wiederholt zurück, um sich in Obstplantagen und Maisfeldern gütlich zu tun. Um gefährliche Konflikte im bewohnten Raum zu verhindern, fordert Kominos in der griechischen Zeitung «Proto Thema» die Einrichtung einer professionellen, rund um die Uhr aktiven Präventionsgruppe. Diese solle die Situation in Echtzeit überwachen und die Tiere durch gezielte Patrouillen vertreiben, noch bevor sie bewohnte Ortskerne erreichen.Auch saisonal lassen sich Muster erkennen: Imker sind vor allem im Frühjahr und Frühsommer betroffen, Schäden an Nutztieren und in der Landwirtschaft häufen sich gegen Ende des Sommers und im September.Arcturos fordert mehr funktionierende Einsatzteams, bessere Informationen der Bevölkerung, gesicherte Abfallbehälter, Elektrozäune für Bienenstöcke und Kleinvieh sowie schnelle Reaktionen bei Giftködern oder Bären in Siedlungsnähe.Die Warnschilder entlang der Strassen im Nordwesten Griechenlands richten sich an die Autofahrer, doch sie dienen ebenso den Bären. Wird eine Bärenmama überfahren, bleiben Jungtiere zurück, die von Menschen aufgezogen und später mühsam wieder ausgewildert werden müssen. Kirki war eines dieser geretteten Tiere. Dass sie nach der Auswilderung an einem Giftköder verendete, zeigt, wie fragil die Rückkehr der Bären ist.Passend zum Artikel
Griechenland: Bären-Boom sorgt für Konflikte
Bärenboom in Griechenland: Die Braunbärenpopulation hat sich innert weniger Jahre fast verdoppelt. Doch damit wächst auch der Konflikt zwischen Mensch und Tier.
Griechenlands Braunbärpopulation verdoppelte sich seit 2019 auf etwa 900 Tiere; trotz Schutzstatus sind Wilderei und Giftköder die Hauptgefahren. Drohnen-Forschung zeigt über 800 Sichtungen nahe Siedlungen; 24/7-Präventionsteams und besseres Ressourcenmanagement sind zentral für Konfliktreduktion.










