Man darf sich nicht täuschen lassen, wenn ein ertappter Bär auf Bildern von Überwachungskameras knuffig aussieht. Die Tiere sind gefährlich. In der vergangenen Woche endete die Jagd auf einen Schwarzbären in der japanischen Stadt Utsunomiya immerhin glücklich – auch für den Bären. Das etwa 100 Kilogramm schwere Tier wurde von einem Betäubungspfeil getroffen und gefangen, nachdem es die gesamte Präfektur tagelang in Aufregung versetzt hat.Die Universität von Utsunomiya hatte alle Vorlesungen abgesagt, 94 öffentliche Grund- und Mittelschulen wurden geschlossen, nachdem der Bär in der Nähe von Wohngebieten gesichtet wurde und durch Einkaufspassagen gestreift war, wie die Japan Times berichtete. Utsunomiya liegt nur etwa 100 Kilometer nördlich von Tokio, so nah an die Hauptstadt haben sich Bären bisher nicht getraut. Daher verfolgten viele Japanerinnen und Japaner die Jagd fieberhaft. Fernsehsender übertrugen live aus Hubschraubern, während Polizisten mit langen Stöcken und Metallschilden den Bären in die Enge trieben.Bären sind in Japan zu einer„ernsthaften Bedrohung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ geworden.Der Bär ist kein Einzeltäter, wie der sogenannte Problembär Bruno, der im Jahr 2006 aus Italien bis ins österreichisch-deutsche Grenzgebiet wanderte und bald die Weltpresse in Atem hielt, bis er schließlich erlegt wurde. Japan hat tatsächlich ein Problem mit Bären. Die Tiere haben sich laut einem Bericht des Umweltministeriums von Anfang Juni zu einer „ernsthaften Bedrohung für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“ entwickelt. Im Fiskaljahr 2025 wurden landesweit mehr als 50 000 Bären gesichtet, 238 Menschen wurden verletzt, 13 getötet. Im vergangenen Jahr wurde eine Sondergenehmigung erlassen, die es erlaubt, bei der Jagd auf Bären auch in Wohngebieten Schüsse abzugeben.Dabei gelten asiatische Schwarzbären als gefährdete Art. In Japan allerdings hat sich ihre Population seit 2012 schätzungsweise verdreifacht. Laut der Nachrichtenagentur Reuters liegt das nicht nur am Bevölkerungsrückgang, der Gemeinden entvölkert und dazu führt, dass es weniger Jäger gibt, sondern auch am Klimawandel, der die Ausbeute an natürlicher Bärennahrung wie Eicheln und Bucheckern verringert. Die Tiere suchen also in belebteren Gegenden nach Futter. Der erste tödliche Bärenangriff in diesem Jahr ereignete sich bereits im April. Das ist die Zeit, in der die Bären abgemagert aus dem Winterschlaf erwachen und auf Nahrungssuche gehen.In Japan ist seitdem ein neuer Markt für Abwehrmittel entstanden, von Anti-Bären-Glocken, die für Bärenohren nervig klingen, über Abwehrstangen und -sprays bis zu elektronischen Geräten. Doch auch die Bären scheinen dazuzulernen. Während der Bär in Utsunomiya in einem Käfig auf einen Lkw verladen wurde, ist ein zweites Exemplar in Fukushima weiter auf der Flucht. Dieser Bär wurde bereits dabei beobachtet, wie er einen Wasserhahn aufdrehte, um seinen Durst zu stillen, und als Polizisten ihn in ein Bürogebäude trieben, konnte er sich daraus befreien, indem er ein Fenster von innen entriegelte. Sogar ein Betäubungspfeil traf ihn ohne gewünschten Effekt. Der Bürgermeister bezeichnete das Tier in einer Pressekonferenz als „extrem intelligent“. Die Stadt setzt ihre Suche nach ihm derzeit mit Streifenwagen und Drohnen fort.
Japan: Schwarzbären greifen Menschen an
In Japan sorgen Bären für Aufsehen. Die Tiere gelten als gefährlich, führen zu Schulschließungen und Polizeiaktionen. Ursachen sind Bevölkerungsrückgang und Klimawandel.







