Dieser Film zeigt Robin Hood als den bösen Menschen von Sherwood ForestIn Michael Sarnoskis blutigem Action-Drama «The Death of Robin Hood» bleibt vom Rächer der Armen wenig übrig. Hugh Jackman verkörpert einen mordenden Banditen.Jens Balkenborg20.06.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenMehr Berserker als Held: Der Australier Hugh Jackman spielt einen ungewöhnlichen Robin Hood.Ascot EliteEs waren andere Zeiten, als Robin Hood und seine «Men in Tights» (1993) in Mel Brooks’ Klamauk in Strumpfhosen durch den Sherwood Forest gealbert sind. Zwei Jahre zuvor war die Sage um den Rächer der Armen mit Kevin Costner in «Robin Hood: Prince of Thieves» prominent in Szene gesetzt worden. Der Held mit Pfeil und Bogen hat es in unzähligen Produktionen auf Fernseher und Leinwände geschafft – unter anderem als Fuchs im Disney-Film von 1973.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.In seiner popkulturellen Genealogie ist Robin Hood gerne Kind seiner Zeit. Und heute sieht es, dafür sprechen die ersten fast schon sadistisch-destruktiven 30 Minuten von Michael Sarnoskis «The Death of Robin Hood», düster aus. Mit heftiger Brutalität zerhackt, zerschiesst und begräbt der Film den Mythos des Mannes, der von den Reichen nimmt, um den Armen zu geben. Hier ist Robin Hood ein, so heisst es wörtlich, «mordlustiger Bandit».Die Macht der ErzählungDer Film setzt 1247 im ewigen Nebel zwischen kargen Felsen ein. Als eine als Mann verkleidete Unbekannte auftaucht, erzählt ein am Feuer sitzender Alter, dass Robin Hood kein Held gewesen sei. Er habe gemordet und geraubt, weil er Spass daran gehabt habe. Ohne mit der Wimper zu zucken, tötet der vollbärtige Gandalf-Verschnitt, der sich als Hood (Hugh Jackman) herausstellt, die auf Rache sinnende Frau.Bekannt geworden ist der Regisseur Sarnoski mit seinem Debüt «Pig» (2021), in dem Nicolas Cage als Eremit unfreiwillig den Kontakt zur Zivilisation sucht, um sein entführtes Trüffelschwein zu finden. Ein Eremit steht auch im Zentrum von «The Death of Robin Hood» – und zwar einer, der um die Macht der Erzählung weiss.Er selbst hat den Mythos des guten Rächers um sich gebaut und willigt ein, als sein alter Freund Little John (Bill Skarsgard) ihn um Hilfe bittet. Der will seine Frau und seine Tochter befreien, die gefangen gehalten werden, seit herausgekommen ist, wer er wirklich ist. Hood denkt die spätere Heldenerzählung vor dem Kampf gleich mit und bringt seinen Freund dazu, die roten Haare seiner Frau als «Haare wie ein Abendrot» zu beschreiben: alles für die gute Geschichte.Nach einem brutal-archaischen Schlachtfest mit abgehackten Gliedmassen, brennenden Körpern und von Pfeilen durchbohrten Augen wird der falsche Volksheld schwer verletzt vor den Toren einer Klosterinsel abgelegt. Brigid (Jodie Comer), die Priorin des Klosters, flickt ihn zusammen. «Die Priorin kümmert es nicht, wer wir waren», sagt ein Leprakranker (Murray Bartlett), zu dem Hood eine Beziehung entwickelt.Dieser vermummte Todgeweihte ist der Gärtner, Fährmann und Denker der Insel. In seiner Anekdote über den Dichter und Philosophen Lukrez und dessen Ideen von Atomen betont er, wie wichtig jene Atome seien, die spontan ihren Weg änderten. Klar verweist das unmittelbar auf Hood selbst.Die Nonne Brigid (Jodie Comer) kümmert sich um den schwer verletzten falschen Volkshelden.Ascot EliteEin doppelter TodSarnoskis Film ist von der anonym verfassten Ballade «Robin Hood’s Death» aus dem 17. Jahrhundert inspiriert. Der Regisseur bricht mit Erwartungen und lässt dem blutig-assoziativen Auftakt 90 elegische, teilweise nervtötend repetitive Minuten in dem Kloster folgen, während deren sich alles um Schuld und Vergebung dreht. Der Filmtitel ist ebenso wie der Film doppeldeutig: Es geht um den mythologischen und zugleich den tatsächlichen Tod.Am Ende ist ein Aderlass zentral: ein ambivalentes Bild, weil eine biblisch grundierte Erlösung hart mit dem feierlichen Heldentod eines Tyrannen kontrastiert. Zugleich schimmert in der Dialektik, die den Film durchzieht, unsere Gegenwart durch: Profane männliche Brutalität trifft auf den Wunsch nach einer sakralen Erlösungserzählung.The Death of Robin Hood. Im Kino (122 Minuten).Passend zum Artikel