Michael Sarnoski zeichnet in „The Death of Robin Hood“ den Helden als geläuterten Schwerkriminellen. Leider versinkt sein Film in Gewalt und Pathos.

Zwei Wegelagerer, kaum von der Landschaft zu unterscheiden: Robin Hood (Hugh Jackman) und Little John (Bill Skarsgård)

Robin Hood, jene große Legendengestalt englischer Folklore, gleicht in gewisser Weise dem Superhelden Batman. Beides sind Rächer der Unterdrückten, der Schutzlosen, der Verarmten. Unbeirrbare Verteidiger der Gerechtigkeit in einer ungerechten Welt. Und beide erfuhren im Laufe der Filmgeschichte eine Reihe von Umdeutungen, Modifizierungen und Anpassungen. Aus so einfach gestrickten wie übermenschlichen Helden in hautengen Strumpfhosen wurden gebrochene, zweifelnde, von der Härte des Lebens gezeichnete Menschen.

Sean Connerys Robin Hood in „Robin und Marian“ (1976) ist nicht mehr jener tollkühne Haudegen, wie ihn Erol Flynn noch 1938 verkörperte. Aus ihm wurde, den Vietnamkrieg kommentierend, ein vom Kreuzzug traumatisierter und desillusionierter Soldat, der sein Heil in der Liebe findet. Ridley Scotts „Robin Hood“ (2010) ist mehr düsteres Schlachtenepos denn feixendes Abenteuerspektakel.

Und der dunkle Ritter erreichte nach Adam Wests ironischer „Batman“-Serie (1966–1968), den knallig-freidrehenden Filmen aus den 1990ern und Christopher Nolans angstbeseelter „The Dark Knight“-Trilogie (2005-2012) seinen existentialistischen Endpunkt in Matt Reeves „The Batman“ (2022). Aus dem fantastischen Superhelden wurde ein gequälter, depressiver Antiheld in einem verelendeten Gotham City.