«Richtige Männer» werden an den Rand gedrängt? Studie über Vorstellungen von Männlichkeit in der SchweizDie Universität Zürich hat eine Studie veröffentlicht, die zeigt: Dominante Männlichkeitsbilder sind unter jungen Männern verbreitet. Beeinflusst wird das auch von digitalen Räumen wie der «Manosphere».20.06.2026, 06.00 Uhr3 LeseminutenLaut den Studienautoren haben auch die sozialen Netzwerke einen Einfluss auf die Männlichkeitsvorstellungen von jungen Schweizern.Dominic Nahr / NZZDie Hälfte aller jungen Männer in der Schweiz zwischen 18 und 24 Jahren ist besorgt darüber, dass «richtige Männer immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden». Das hat eine neue Studie der Universität Zürich (UZH) herausgefunden. Zusammen mit Männer.ch, dem Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, untersuchte sie, was die Schweizer Bevölkerung unter Männlichkeit versteht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dabei wollten die Forscher wissen, wie Einstellungen zu Geschlecht und Männlichkeit mit Familie, Partnerschaft, Sexualität und Gewalterfahrungen zusammenhängen. Laut einer Medienmitteilung der UZH ist es das erste Mal, dass Daten dieser Art für die Schweiz ausgewertet wurden.Für die Studie wurde eine repräsentative Stichprobe von mehr als 6000 Personen zwischen 18 und 64 Jahren befragt. Um anzugeben, wie sehr sich die Befragten einem «restriktiv-dominanten» Männlichkeitsbild zugehörig fühlen, haben die Forscher einen «Faktor M» berechnet. Dafür fragten die Forscher bei den Teilnehmern und Teilnehmerinnen nach, ob sie sexistisch eingestellt seien, was sie über Homosexuelle dächten und ob sie zu Gewalt neigten. Die Antworten wurden zum «Faktor M» gebündelt. Der soll unter anderem zeigen, wie sehr eine Person Männer als überlegen oder bedroht ansieht. Und ob sie Gewalt und Dominanz über andere als gerechtfertigt sieht, um diese Männlichkeit zu verteidigen.Fast ein Drittel der jungen Männer gehört zur «Hochrisikogruppe»In der Studie zeigt sich: Bei jüngeren Männern und Männern mit tieferem Bildungsniveau ist dieser M-Wert besonders ausgeprägt – mit steigendem Bildungsniveau nimmt er ab. Die 20 Prozent der Männer, bei denen der «Faktor M» am stärksten ausgeprägt ist, nennen die Forscher «Hochrisikogruppe». Die Studie zählt fast ein Drittel der 18- bis 24-jährigen Männer zu dieser Gruppe.In einer Medienmitteilung schreibt die UZH, dass junge Frauen gegenüber ihren männlichen Altersgenossen eine offenere Vorstellung von Geschlechtern hätten und dass dies zu einer «deutlichen Kluft» zwischen Männern und Frauen führe. Doch: Je älter die Männer und Frauen würden, desto kleiner werde dieser Unterschied. Laut der Studie gehören trotzdem 7 Prozent der Frauen zur «Hochrisikogruppe» in Bezug auf den «Faktor M».Diese «Hochrisikogruppe» schätzen die Forscher als «besonders gefährdet» ein, beispielsweise für gewalttätiges Verhalten, Hassrede, Diskriminierung und Radikalisierung.Laut der Studie halten Männer in dieser Gruppe etwa Gewalt in der Kindererziehung häufiger für ein legitimes Mittel. Gemäss Medienmitteilung bedeutet ein hoher «Faktor M» zudem, dass Gewalt in Partnerschaften wahrscheinlicher ist. Das gilt für Männer wie für Frauen. «Sowohl Männer als auch Frauen mit hohen ‹Faktor M›-Werten berichten häufiger davon, in der Partnerschaft Gewalt ausgeübt, aber auch erlebt zu haben», sagt der Studienleiter Denis Ribeaud gegenüber der UZH. Laut der Medienmitteilung sagen Männer mit einem hohen «Faktor M» häufiger, dass Sex in der Partnerschaft fehle, sie harte Pornografie konsumierten und sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nähmen.Soziale Netzwerke und die «Manosphere» haben Einfluss auf die Vorstellungen von MännlichkeitIn ihren Empfehlungen plädieren die Studienautoren für Prävention. Junge Männer wüchsen mit widersprüchlichen Erwartungen heran, heisst es. Dabei sehen die Forscher unter anderem einen Einfluss von Videospielen, sozialen Netzwerken und der «Manosphere». Diese trügen zu einem Bild von «Hypermaskulinität» bei.Als «Manosphere» lässt sich ein digitaler Raum in den sozialen Netzwerken beschreiben, in dem sich beispielsweise Influencer, Dating-Coaches oder Podcaster zum Thema Männlichkeit äussern. Sie erreichen mit ihren Videos teilweise Millionen Menschen – unter ihnen viele junge Männer. Obwohl die vertretenen Ansichten innerhalb der «Manosphere» keineswegs einheitlich sind, ist ein Grossteil von ihnen antifeministisch oder sogar frauenfeindlich. Auch kursiert die Angst, «wahre» Männlichkeit werde mehr und mehr aus der Gesellschaft verdrängt.Die Studienautoren schreiben, solche Vorstellungen von Männlichkeit würden von Eltern, der Schule und in der Erwachsenenwelt oft als negativ bewertet. Gleichzeitig gebe es jedoch wenig aktive Unterstützung, die Jugendlichen zeige, wie sie mit diesem Widerspruch umgehen könnten.Passend zum Artikel
Studie über Männlichkeit: Werden «richtige Männer» an den Rand gedrängt?
Die Universität Zürich hat eine Studie veröffentlicht, die zeigt: Dominante Männlichkeitsbilder sind unter jungen Männern verbreitet. Beeinflusst wird das auch von digitalen Räumen wie der «Manosphere».








