Erst wurde er ausgeladen, jetzt darf Michel Friedman bei den Bayreuther Festspielen doch eine Rede halten. Professionell ist das alles nicht.

N imm etwas ins Programm, das nach 150 Jahren dringend notwendig ist – viel zu spät, aber jetzt, zum Jubiläum, umso wichtiger. Biete einem die Hauptrolle an, der der Beste dafür ist, denn du hast eine Scharte auszuwetzen. Blase, unter fadenscheinigen Gründen, genau diese Veranstaltung ab, reagiere dann auf Proteste, und lad den Redner wieder ein.

Das ist, in aller Kürze, was in die lange Geschichte der Bayreuther Wagner-Festspiele als schlechteste aller bisherigen Inszenierungen eingehen wird. Und was zur Folge haben müsste, diesem Ort der Wagner-Huldigung und allen, die dort verantwortlich sind, eine Nachdenkpause zu verordnen.

Michel Friedman, der jüdische Publizist, sollte zur Eröffnung der Wagner-Festspiele im Jahr ihres 150. Bestehens zum Antisemitismus im Denken und Wirken Richard Wagners sprechen, es sollte ein Gedenkkonzert für jüdische Musikerinnen und Musiker geben, die in der Nazizeit ausgegrenzt, verfolgt, ermordet wurden. Der Erlös sollte israelischen Musikerinnen und Musikern in Form von Stipendien zugutekommen.

Die Rede Friedmans und das Konzert wurden wegen nebulöser „Sicherheitsbedenken“ kurzfristig abgesagt und erst nach Protesten und Friedmans Empörung, öffentlich gemacht in der Süddeutschen Zeitung, wieder ins Programm genommen.