Bayreuther Festspiele : Kritik nach abgesagter Veranstaltung mit Michel Friedman18.06.2026, 18:39Lesezeit: 2 Min.Eine Sonderveranstaltung zum Festspieljubiläum mit Michel Friedman wird geplant, dann abgesagt. Charlotte Knobloch ist entsetzt über die Bayreuther Festspiele. Und Kunstminister Markus Blume hat eine Forderung.Ein Sonderkonzert mit einer Rede des jüdischen Publizisten Michel Friedman hätte es werden sollen, gleich am Anfang der Jubiläumssaison. Dass daraus bei den Bayreuther Festspielen nun nichts wird, ruft deutliche Reaktionen hervor. Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) kritisierte die Verantwortlichen. „Ich erwarte von der Festspielleitung, dass sie eine Lösung für die Veranstaltung findet und zeigt: Im Kampf gegen Antisemitismus stehen wir zusammen“, sagte er. Der Umgang der Festspiele mit diesem Thema „war leider mehr als unglücklich in den letzten Tagen“, ergänzte Blume. Die Veranstaltung, die noch nicht offiziell bekannt war, wurde abgesagt. In Bayreuth war von einer Verschiebung aus Sicherheitsgründen die Rede.Für Charlotte Knobloch „eine Bankrotterklärung“Dem ZDF sagte Blume: „Mich überzeugt diese Begründung nicht völlig. Es ist wichtig, dass man kommunikativ Klarheit schafft und vor allem dieses so wichtige Signal, das von der Festspielleitung erdacht war, auch wirklich zu senden.“Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, teilte mit: „Diese Absage ist auf jeder Ebene eine Bankrotterklärung.“ Bei der „vermeintlichen Verschiebung handelt es sich faktisch um nichts anderes als eine Ausladung Friedmans durch die Festspielleitung“, die ihm durch die Begründung „Sicherheitsbedenken“ obendrein noch indirekt die Verantwortung zuschiebe. „Mir fehlen die Worte, um meine Wut und Enttäuschung auszudrücken.“„Aufarbeitung erschwert“Knobloch würdigte Friedman als einen „der bedeutendsten Intellektuellen, die wir in diesem Land haben“. Dass die Festspielleitung „ihm an dieser hochsymbolischen Stelle eine Bühne erst anbietet und dann unter fadenscheinigem Vorwand wieder entzieht, das ist unprofessionell und würdelos. Wer Bayreuth schwächen will, der muss genauso handeln.“ Die Festspiele hätten mit ihrem Vorgehen eine Gelegenheit zur Aufarbeitung ihrer eigenen NS-Vergangenheit nicht nur verpasst, sondern „auch für die Zukunft erheblich erschwert“.Weiter sagte Knobloch: „Wäre Friedmans Vortrag für die Anwesenden schmerzhaft gewesen? Sehr wahrscheinlich. Das aber war doch Sinn und Zweck seiner Einladung: Ein Gespräch zu beginnen, das mehr ist als leere Symbolik und das deshalb auch wehtut. Nicht nur findet dieses Gespräch jetzt nicht statt – ich befürchte auch, die aktuelle Debatte wird dazu führen, dass das für einige Zeit so bleibt.“Eng verflochtenBayerns Antisemitismus-Beauftragter Ludwig Spaenle teilte mit, die Absage habe ihn „sehr irritiert“. Es stehe für ihn fest, dass es möglich sei, die Sicherheit für eine solche Veranstaltung zu gewährleisten. „Die Veranstalter müssen sich über die Folgen einer möglichen Terminverlegung im Klaren sein: Die Aufmerksamkeit zu einem Zeitpunkt außerhalb der Festspielzeit und damit auch die Zahl der Besucherinnen und Besucher dürfte dann deutlich geringer ausfallen. Das schadet dem Anliegen einer kritischen Aufarbeitung erheblich.“Der Komponist Richard Wagner (1813–1883), Gründer der Bayreuther Festspiele, verfasste antisemitische Schriften und äußerte sich auch immer wieder klar antisemitisch. Später galten die Festspiele als eng verflochten mit nationalistisch-völkischem Gedankengut und schließlich mit dem Nationalsozialismus. Adolf Hitler war immer wieder Gast in Bayreuth.