Hach, wie schön diese WM doch wäre für die US-Elf – wenn da nicht die Schotten wären. Die Norweger. Oder Freddy aus Deutschland. Sie alle sind die Stars dieser Party in the USA, die auch eine Fiesta en Mexico ist, weil dort die Kolumbianer mit den Koreanern und den Usbeken feiern. „Mich hat das WM-Fieber gepackt“, sagt Dave Portnoy. Der US-amerikanische Sport- und Popkultur-Seismograf, Gründer des Podcast-Imperiums Barstool, ist verzückt von den WM-Gästen, von der Stimmung in Stadien und Städten und davon, wie sich die Landleute geben. Ja, er finde jetzt auch Lionel Messi, Erling Haaland und Kylian Mbappé klasse, die Zugpferde des Weltfußballs liefern ja auch bei der WM Ekstase-Momente. „Ich habe World Cup Fever“, sagt Portnoy – und fügt an, was die heimischen Nationalspieler in Schockstarre versetzen könnte: „Ich habe jetzt nicht unbedingt US-Fußball-WM-Fieber.“Wie bitte? Sie hatten den Reigen doch eröffnet mit der Patrioten-Party am vergangenen Freitag in Los Angeles. 4:1 gegen Paraguay im Red-White-Blue-Stadion mit „USA! USA! USA!“ und „I believe that we will win“ in Dauerschleife, zwischen A-Promis als Fußballfans. Läuft doch prima, das war die Botschaft der Gastgeber-Elf. Und der US-Mittelfeldwusler Weston McKennie schickte noch eine weitere an die Landsleute: „Wir haben gezeigt, wie aufregend Fußball sein kann. Fünf Tore insgesamt! Wie spektakulär wir spielen! Was für eine Atmosphäre entsteht, wie elektrisierend es für alle im Stadion ist.“ Das alles haben sie getan und dabei sogar die Lateinamerikaner begeistert: 15,9 Millionen Leute in den USA sahen die Übertragung auf Englisch, neun Millionen die spanische Version.Ehrung in New York:Müller bekommt einen Preis – und Baerbock gibt die EinheizerinThomas Müller wird als Fußballbotschafter 2026 geehrt, aber bis es so weit ist, gibt es eine Menge zu sagen. Über einen sehr deutschen Abend im Herzen New Yorks.Ist aber halt schon lang her, dieses 4:1. Und es wirkt nach allem, was seither passiert ist, nur wie ein Vorspiel zu den Auftritten der Mega-Stars und zum internationalen Fanfestival. Die Aufgabe von US-Trainer Mauricio Pochettino vor der zweiten Partie, an diesem Freitag in Seattle gegen Australien, lautet: die Amerikaner darüber informieren, dass auch Amerikaner mitspielen bei diesem Turnier. Und dass Fans zwar mit allen WM-Gästen feiern mögen, aber nun bitte schön wieder „Patriot Party“ anstehe, inklusive Landsleute-zum-Sieg-Brüllen. Am besten schafft man das in diesem Land mit einem Spruch, der in den 1980er-Jahren Stallone oder Schwarzenegger aus dem Mund geplumpst sein könnte: „We are Americans, we don’t take shit.“Ja, das hat Pochettino tatsächlich gesagt, verriet soeben Sebastian Berhalter, der Torschütze zum abschließenden 4:1 gegen Paraguay. Gesagt hatte es der Trainer in der Pause der Partie gegen Australien im vergangenen Oktober. 1:1 hatte es da in der Halbzeit geheißen, schlimmer aber war für Pochettino: Die knüppelharten Australier hatten seinen US-Topangreifer Christian Pulisic derart bearbeitet, dass er vom Platz musste. „Die kommen hierher und kämpfen. Wann machen wir was dagegen?“, begann Pochettino seine Ansprache, die auch in jeder Doku zu sehen ist und in jeder Spielvorschau gezeigt wird. Und dann sagt er diesen Satz, der nun umso leidenschaftlicher rauf und runter gezeigt wird, weil Pochettino Argentinier ist. In diesem Moment, mit diesem Satz und mit den 45 Minuten danach (die US-Elf gewann 2:1) sei der Trainer US-Bürger geworden, sagt Berhalter: „So sind wir, darum geht’s in diesem Land.“Weltmeisterschaft in Mexiko, Kanada und den USA:Spielplan der Fußball-WM 2026: Alle Gruppen, Spiele und TermineDie Fußball-WM 2026 läuft, Deutschland gewinnt den Auftakt klar gegen Curaçao, Lionel Messi und Harry Kane zeigen sich in Top-Form. Der Spielplan mit allen Spielen, Terminen und Gruppen.Wieder Training ohne Pulisic! Wieder nur 20 Minuten Laufübungen!Die sportlich relevante Parallele: Es geht auch diesmal um Pulisic, er laboriert offenbar bereits seit kurz vor Turnierbeginn an einer Verletzung an der linken Wade. Bei der Partie gegen Paraguay sei es durch einen Schlag schlimmer geworden, sagt Pochettino. „Es gibt aber keinen Grund zur Sorge“, beruhigte er – doch je mehr er das tat, desto gewisser wurden die mit dem Team bestens vernetzten US-Reporter: Da stimmt was nicht! Wieder Training ohne Pulisic! Wieder nur 20 Minuten Laufübungen! Die Wade von Pulisic ist für sie wie der Oberschenkel von Roberto Baggio vor dem WM-Finale 1994, oder wie der Gesamtzustand des brasilianischen Ronaldo vier Jahre später. Der Experte der New York Times präsentiert sechs mögliche Varianten für den Fall eines Pulisic-Ausfalls, inklusive Stimmungskiller: „Er ist nicht zu ersetzen.“Mit Leidenschaft: Die US-Boys und ihr argentinischer Trainer Mauricio Pochettino sind von ihrem Auftaktsieg begeistert. Jamie Squire/Getty/AFPDer WM-Verlauf wird für das US-Team nun zum Druckverstärker. Ja, zu Beginn reichte die Stimmungsparty, wie der Stimmungsexperte Portnoy erklärt: „Ich hatte die WM nicht auf dem Schirm, ich bin auch kein Believe-we-will-win-Typ.“ Einer wie er brauchte den doch arg süßen Hinweis des US-Senders Fox, dass Lionel Messi zwar bei Miami unter Vertrag stehe, als Argentinier aber für Argentinien antrete. Portnoy weiß jetzt auch, dass ein argentinischer Trainer dagegen sehr wohl die US-Elf betreuen darf – und durch einen 80er-Muskelfilm-Spruch zum Mentalitäts-Amerikaner werden kann.Er weiß aber auch: Das 4:1 war gegen Paraguay, und bei dieser WM spielen auch Frankreich, Argentinien, England, Deutschland. Das knallharte Urteil der New York Times nach dem ersten Spieltag lautet: Platz 17 für die USA. Es ist den Leuten genug erklärt worden über Fußball, Gäste und Struktur des Turniers, damit sie wie Portnoy vom WM-Fieber erfasst werden – die US-Elf habe nun aber weiterhin Spektakel und Ergebnisse zu liefern. Sollte sie das nicht tun, dann haben die Amerikaner bemerkt, dass sie auch mit Fans aus anderen Nationen feiern können. Die Schotten teilten ihnen gerade mit, dass es eher keine Fete ohne sie gebe: „No Scotland, no party!“Daher muss die „Patriot Party“ neu entfacht werden, wahrscheinlich mit Giovanni Reyna, der aus einer Soccer-Dynastie stammt (Vater Claudio und Mutter Danielle waren US-Nationalspieler), als Pulisic-Ersatz – und nicht Tim Weah, Sohn der liberianischen Fußball-Legende George Weah. So hält man freilich auch Interesse am Köcheln: Reyna oder Weah? Und man kann als Motivationshilfe das Zitat eines US-Journalisten während der Ziehung der WM-Gruppen heranziehen. „Layup“ hatte er Australien genannt, Pflichtübung. Diese Aussage ist seit Monaten im australischen TV über den Gegner und Gastgeber zu sehen, in diesen Tagen in jeder Vorschau aufs Spiel. Sieht so aus, als würden sich die Australier auch nicht allzu viel gefallen lassen. Beste Bedingungen für eine Partie, die sie sich in beiden Nationen – bekannt für die jeweilige Vorliebe für Disziplinen wie Rugby oder Football – gerne anschauen dürften.