The Big PictureDer Krieg am Persischen Golf ist vorbei, der Ölpreis sinkt. Das sind gute Nachrichten für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte. Trends, die vor Kriegsausbruch geherrscht hatten, könnten sich fortsetzen.«There will be no deal with Iran except UNCONDITIONAL SURRENDER!... IRAN WILL HAVE A GREAT FUTURE. MAKE IRAN GREAT AGAIN!»Donald Trump, 47. Präsident der USA, am 6. März 2026 via XOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Es herrscht Frieden am Persischen Golf. Zumindest ist das der Schluss, den die Rohstoff- und die Finanzmärkte ziehen. Washington und Teheran haben eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) unterzeichnet. Sie bietet die Grundlage, dass die Kampfhandlungen beendet und die Meerenge von Hormuz wieder geöffnet werden kann.Nach allem, was bisher zum 14-Punkte-Memorandum bekannt ist, ist die Vereinbarung ein Sieg für Teheran. Gegen das blosse Versprechen, keine Atomwaffen zu entwickeln, erhält Iran die vollständige Befreiung von allen Sanktionen sowie die Freigabe blockierter Finanzmittel in Milliardenhöhe. Die USA verpflichten sich «gemeinsam mit regionalen Partnern», einen Plan in Höhe von mindestens 300 Mrd. $ für den Wiederaufbau der Islamischen Republik auszuarbeiten. Weder in Bezug auf sein Arsenal an ballistischen Raketen noch auf seine Rolle als Unterstützer der Hizbullah-Miliz in Libanon musste das iranische Regime Konzessionen eingehen.Innerhalb von sechzig Tagen soll in bilateralen Verhandlungen definiert werden, ob und in welchem Umfang Iran sein Programm zur Anreicherung von Uran weiterführen darf.Die U.S. Navy hebt die Seeblockade gegen Iran auf. Innerhalb von dreissig Tagen soll Teheran die Strasse von Hormuz von Minen befreien und für den Schiffsverkehr wieder vollständig passierbar machen.An einer Pressekonferenz am G7-Gipfel in Evian räumte Donald Trump ein, dass eine weltweite Energiekrise gedroht hätte, falls die Strasse von Hormuz blockiert geblieben wäre. «Die Finanzmärkte wären in einem Ausmass eingebrochen wie letztmals 1929», sagte der Präsident der USA vor der Weltöffentlichkeit.Donald Trump in Versailles, 17. Juni 2026Bild: BloombergAnfang März, nach einer Woche Krieg, hatte Trump die bedingungslose Kapitulation verlangt. Nun ist er es, der unter dem Druck der Finanzmärkte und seiner miserablen Umfragewerte in der eigenen Bevölkerung kapitulieren musste. Bezeichnenderweise unterschrieb Trump das Memorandum am Mittwochabend ausgerechnet in Versailles – dem Ort, an dem Deutschland 1919 die Konditionen zum Ende des Ersten Weltkriegs unterzeichnete.Es besteht kein Zweifel: In den nächsten sechzig Tagen kann viel passieren. Eine Absichtserklärung ist noch kein bindender Vertrag. Die Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm werden hürdenreich; sie können jederzeit scheitern – und die Strasse von Hormuz kann rasch wieder blockiert sein.Doch derzeit gilt: Der Krieg der USA gegen Iran ist vorbei. Der Fluss von Rohöl, Flüssiggas, Diesel, Kerosin, Düngemitteln und Helium aus der Golfregion an die Weltmärkte kann sich normalisieren.Was bedeutet das für die Finanzmärkte? Und was sind die längerfristigen Konsequenzen der gut dreimonatigen Blockade einer der wichtigsten Arterien der Weltwirtschaft?Diesen Fragen widmet sich das dieswöchige «Big Picture».InhaltsverzeichnisThe Spice Must FlowAktienmärkte: zurück zum status quo ante?Inflationärer Boom in den USADie längerfristigen Konsequenzen des FriedensPS. Gedanken zu SpaceXThe Spice Must FlowDie wichtigste unmittelbare Erkenntnis: Eine globale Energiekrise ist abgewendet. Zwar werden Wochen vergehen, bis die Strasse von Hormuz für Schiffe wieder reibungslos passierbar ist, und es wird Monate bis Jahre dauern, bis sich die Produktion und der Transport von Rohöl und Flüssiggas aus Irak, Kuwait, Katar, Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) auf das Vorkriegsniveau normalisiert.Aber die Richtung der Entwicklung stimmt, und das ist das, was für die Märkte zählt. Der Preis für ein Fass Rohöl der europäischen Referenzsorte Brent hat sich seit dem Höchststand Anfang April um gut 30% ermässigt. Der Preis für das amerikanische Pendant West Texas Intermediate (WTI) ist auf 75 $ gesunken.Damit liegt der Ölpreis zwar noch klar über dem Vorkriegsniveau; für die Weltwirtschaft ist der Rückgang aber eine gute Nachricht, besonders für die Volkswirtschaften in Ost- und Südasien sowie in Europa. Wir hatten im «The Big Picture Live»-Webinar vom 20. April das Szenarienspektrum mit Hilfe der folgenden Grafik illustriert, wobei alles möglich war zwischen einem raschen Deal der Trump-Regierung («TACO» – Trump always chickens out) bis hin zu einer Eskalation samt grossflächiger Zerstörung von Energieinfrastruktur am Golf, was eine Energiekrise und eine Weltrezession zur Folge gehabt hätte.Nun ist das «TACO»-Szenario eingetreten. Trump konnte sich innenpolitisch keine dauerhaft erhöhten Öl- und Benzinpreise leisten.Unter der Annahme, dass die Verhandlungen in den kommenden zwei Monaten nicht scheitern und die Normalisierung der Ölproduktion sowie des Schiffsverkehrs beginnen kann, hat die Wahrscheinlichkeit einer Rezession erheblich abgenommen. Damit steht – freilich mit Verzögerung – der Weg zurück zu der Entwicklung offen, die bis Ende Februar, vor Ausbruch des Krieges, geherrscht hatte: Die Weltwirtschaft befand sich in einem leichten konjunkturellen Aufschwung, der ab Herbst 2025 endlich auch Europa samt Deutschland erfasst hatte.Das Bild einer sich belebenden Weltwirtschaft wurde entsprechend auch an den Aktienmärkten gespiegelt.Aktienmärkte: zurück zum status quo ante?In den vergangenen rund acht Monaten waren die globalen Aktienmärkte von drei unterschiedlichen Phasen geprägt:Phase 1, ca. von Oktober 2025 bis Ende Februar 2026: Diese Phase spiegelte das Bild einer sich aufhellenden Weltwirtschaft. Aktienmärkte ausserhalb der USA schnitten deutlich besser ab als die von den Tech-Kolossen dominierten amerikanischen Leitindizes S&P 500 und Nasdaq 100.Unter den Sektoren im MSCI World setzten sich die zyklischen Bereiche Industrie, Grundstoffe (Materials) sowie, ab Januar, Energie an die Spitze. Auch der Sektor Basiskonsum erlebte eine Renaissance. Analog zum geografischen Bild eines relativen Rückfalls der US-Märkte schnitten die technologielastigen Sektoren IT (u.a. Nvidia, Microsoft), Kommunikation (u.a. Alphabet, Meta Platforms) und zyklischer Konsum (u.a. Amazon, Tesla) schwach ab.Phase 2, März 2026: Mit Ausbruch des Krieges am letzten Februartag begann eine neue Phase. Fast den ganzen Monat März hindurch flogen Israel und die USA intensive Bombenangriffe auf Ziele in Iran. Iran beschoss seinerseits Ziele in Israel, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und den VAE. Diese Phase war von einem scharfen Anstieg des Ölpreises und grosser Verunsicherung an den Finanzmärkten geprägt. Keiner der relevanten Indizes schaffte es, den März mit Gewinn abzuschliessen.Unter den globalen Sektoren schloss nur einer den März mit einer positiven Performance ab: Energie.Phase 3, von Anfang April bis Anfang Juni 2026: In der ersten Aprilwoche kündigte Trump eine Feuerpause an. Diese wurde oft gebrochen, diverse Male auch von Israel, doch die intensivste Phase des Krieges war ab April vorbei. Die Strasse von Hormuz blieb blockiert, aber alle Parteien sahen davon ab, die Energieinfrastruktur am Golf zu attackieren. Der Ölpreis pendelte sich um 100 $ ein; es blieb ein Restrisiko einer Energiekrise samt Rezession, sollte die Strasse von Hormuz dauerhaft blockiert bleiben.In dieser Phase wandten sich die Investoren dem Sektor zu, der unmittelbar am wenigsten vom Rezessionsszenario zu befürchten hatte: Technologie, und dort besonders die Halbleiterbranche. Dieser Sektor geniesst dank dem Boom im Bau von Rechenzentren einen eigenen Zyklus, der kaum an der Weltkonjunktur hängt.Geografisch bevorzugten Investoren in dieser Phase wiederum die USA, wobei auch Japan, Korea und Taiwan dank ihrer starken Stellung in der Halbleiterindustrie mit kräftigen Avancen glänzen konnten.Und nun?Jetzt ist der Krieg vorbei. Die Energiekrise ist abgewendet. Die Gefahr einer Weltrezession ist gebannt.Das spricht dafür, dass die Märkte wieder in die Breite gehen können. Sie können die Sicherheit des Technologiesektors verlassen und zu den Trends zurückkehren, die vor dem Krieg dominant waren. Das würde bedeuten, dass wieder vermehrt Anlagekapital aus den USA in den Rest der Welt fliesst – auch nach Europa. Japan, das schon vor und während dem Krieg überzeugende relative Stärke zeigte, kann seinen Rekordlauf fortsetzen. Unter den Schwellenländern profitiert das hart getroffene Indien, wenn sich die Energiemärkte normalisieren.Simpel gesagt: Vor Ausbruch des Krieges hatten die Aktienmärkte in Europa, Japan, Asien-Pazifik, Kanada sowie in Emerging Markets relativ zu den hoch bewerteten USA an relativer Stärke zugelegt. Die gefragtesten Sektoren waren Industrie, Grundstoffe, Finanzen sowie, mit unterschiedlicher Ausprägung, Energie, Basiskonsum und Gesundheit.Diese Trends fanden ab Ende Februar ein teilweise jähes Ende. Wenn der Krieg vorbei ist und sich die Energiemärkte normalisieren, dann besteht eine starke These, dass die Börsen zu den Vorkriegstrends zurückkehren können. Auch für eine Fortsetzung der Hausse in Ölaktien sprechen starke Argumente – selbst wenn sich der Ölpreis ermässigt.Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich diese These bestätigt und der Technologiesektor nach seinem kräftigen Anstieg seit Anfang April eine Pause einlegt. In der wöchentlich im The Market Chart Pack publizierten Übersicht ist bereits zu erkennen, dass der Technologiesektor (unten links in der Grafik) seit Anfang Juni relativ zum Weltindex an Schwung verliert:Christopher Wood, Stratege des US-Brokerhauses Jefferies, weist darauf hin, dass im Verlauf des Jahres 2025 ein mehrjähriger Trend gewendet hatte: Die Aktienmärkte ausserhalb der USA, gemessen am MSCI All Country World ex US Index, entwickelten sich besser als der MSCI USA. Dies, nachdem die amerikanischen Börsen in den 15 Jahren seit Ende der globalen Finanzkrise relativ betrachtet fast durchwegs besser abgeschnitten hatten als der Rest der Welt. Der dreimonatige Krieg am Golf provozierte eine kurze Gegenbewegung, doch Wood geht davon aus, dass mit dem Kriegsende das Muster des vergangenen Jahres zurückkehren kann; er bevorzugt deshalb die Börsen ausserhalb der USA.Relative Performance des MSCI All Country World ex US vs. MSCI USA. Eine sinkende Kurve bedeutet, dass US-Aktien besser abschneiden als die Aktienmärkte aus dem Rest der Welt. Eine steigende Kurve bedeutet, dass der Rest der Welt besser abschneidet als die USA.Quelle: JefferiesIn Bezug auf die USA kommt noch ein zweiter Faktor hinzu. Im Gegensatz zum Rest der Welt läuft die dortige Wirtschaft eher zu heiss, was den neuen Notenbankchef Kevin Warsh in den kommenden Monaten zu harten Entscheidungen zwingen wird.Inflationärer Boom in den USADer kriegsbedingte Anstieg des Ölpreises und damit der Preise für Treibstoffe hat den Inflationsdruck verschärft. Der breite Index der Konsumentenpreise (Consumer Price Index, CPI) in den USA stieg im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 4,2%. Die Produzentenpreise schossen um 6,5% in die Höhe.Wenn der Ölpreis nun sinkt, wird sich ein Teil dieses Inflationsdrucks verflüchtigen. Aber nur ein Teil. Die US-Wirtschaft wächst gemäss dem GDPNow-Indikator der Distriktnotenbank Atlanta derzeit mit 3%. Der Arbeitsmarkt lieferte im April und im Mai überraschend robuste Signale, die Arbeitslosenquote liegt bei tiefen 4,3%. Der Boom im Bau von Rechenzentren heizt die Konjunktur auf.Im Gegensatz zu den meisten anderen Weltregionen ist der Inflationsdruck in der US-Wirtschaft tiefer verankert und hat seine Ursachen nicht bloss im gestiegenen Ölpreis der vergangenen Monate. Die amerikanische Wirtschaft steht in einem inflationären Boom.Kevin Warsh präsentierte sich diese Woche an seiner ersten Pressekonferenz als geldpolitischer Falke. «Meinen Vorgängern ist es fünf Jahre lang nicht gelungen, das Mandat der Wahrung der Preisstabilität zu erfüllen. Das müssen wir in Ordnung bringen», sagte Warsh.Wenngleich er sich keine Aussage entlocken liess, ob, wann und unter welchen Umständen das Fed die Leitzinsen erhöhen wird, reagierte der Bondmarkt doch mit einem klaren Signal. Die Rendite zweijähriger Treasury Notes legte im Nachgang von Warshs Pressekonferenz um 15 Basispunkte auf knapp 4,2% zu. Die Terminmärkte rechnen fest mit mindestens einer Zinserhöhung bis Ende Jahr, möglicherweise bereits im September.Der hoch bewertete US-Aktienmarkt kann mit einer härteren Geldpolitik leben, solange die langfristigen Bondrenditen stabil bleiben. 4,5% bei den zehnjährigen und 5% bei den dreissigjährigen Treasuries dürften die Schmerzgrenze sein. Aber trotzdem: Ein höherer Inflationsdruck und ein härter als erwartet agierendes Fed dürfte die Aktienhausse in den USA im Herbst auf die Probe stellen.Die längerfristigen Konsequenzen des FriedensDie Erfahrung der vergangenen dreieinhalb Monate wird nicht spurlos an der Weltwirtschaft vorbeigehen. Unter der Annahme, dass in den kommenden sechzig Tagen ein dauerhaftes Abkommen ausgehandelt werden kann – das ist, nochmals, alles andere als gewiss –, werden staatliche und private Akteure ihre Konsequenzen aus der Erfahrung des Krieges ziehen:Strategische Lagerbestände: Ein Grund, weshalb eine mehr als hunderttägige Blockade der Strasse von Hormuz keine globale Energiekrise verursacht hat, lag in den hohen staatlichen und kommerziellen Ölreserven. Diese Lagerbestände werden in den kommenden Monaten und Jahren wieder aufgebaut werden müssen; kein Staat und kein Unternehmen kann es sich leisten, in der nächsten geopolitischen Krise von Knappheiten überrascht zu werden. Auch strategische Dünge- und Nahrungsmittelreserven, beispielsweise in Indien, werden eine Konsequenz dieses Krieges sein.Alternative Versorgungsrouten: Saudi-Arabien hat beschlossen, seine Pipeline- und Verladekapazitäten am Roten Meer auszubauen. Die VAE bauen eine zweite Pipeline an den Golf von Oman. Irak arbeitet an Pipelineprojekten ans Mittelmeer. Alle Akteure am Golf haben erkannt, dass Teheran als Folge des Krieges die Strasse von Hormuz faktisch kontrolliert. Washington hat im Memorandum sogar die Perspektive eingeräumt, dass Teheran künftig Zölle für Schiffspassagen erheben darf. Keines der Bauprojekte zur Umgehung der Strasse von Hormuz wird aufgegeben, bloss weil die Meerenge wieder geöffnet wird. «Just in Case» wird das Denken aller Akteure in der Region dominieren.«Choke Points»: Der Krieg am Golf hat primär die Energie- und Düngemittelversorgung beeinträchtigt, aber die Episode hat der Welt vor Augen geführt, dass die USA nicht mehr fähig oder nicht mehr willens sind, die maritimen Engpässe («Choke Points») des Welthandels zu sichern. Auch diese Erfahrung wird einen Trend beschleunigen, der schon im Nachgang der Covid-Pandemie begonnen hatte: Jedes Unternehmen, jeder Staat wird von einem «Just in Time»-Modus in einen «Just in Case»-Modus wechseln. Das bedeutet einen Neubau von Lieferketten und global diversifizierten Produktionskapazitäten sowie eine generell höhere Lagerhaltung.Wir wollen noch nicht so weit gehen und den Golfkrieg von 2026 als «Suez-Moment» für die USA zu deklarieren. Die Suezkrise von 1956 war das Ereignis, das der Welt die Irrelevanz des britischen Empire vor Augen führte. Die Demütigung von 1956 besiegelte den Verlust der Weltmachtstellung des Vereinigten Königreichs.An diesem Punkt steht das amerikanische Imperium noch nicht. Trotzdem sind die Parallelen sichtbar. Trump hat die USA in einen schlecht geplanten Krieg ohne Exitstrategie geführt. Und er hat vor den Augen der Weltöffentlichkeit eine Demütigung erlitten.Er bestätigt damit nolens volens die Einschätzung, die Kanadas Premier Mark Carney im Januar am WEF in Davos abgegeben hatte: Die Welt darf sich nicht mehr auf Amerika verlassen. Der Hegemon kann und will seine Rolle nicht mehr spielen. Diese Lehre aus dem Golfkrieg wird in Riad, Abu Dhabi und Doha genauso gezogen werden wie in Seoul, Tokio, Taipeh und – in gemächlicherem Tempo – in den Hauptstädten Europas.Das Vertrauen ist zerstört.Im Januar umschrieben wir die neue, von Carney skizzierte Weltordnung aus Investorensicht mit folgenden Worten:Millionen von Individuen werden sich in ihren Anlageentscheidungen die Frage stellen, wie vertrauenswürdig die USA als Partner und als Destination von Kapital noch sind. Und sie werden entscheiden, ihre Allokation etwas anzupassen. Sie werden entscheiden, lieber anderswo etwas mehr zu investieren. In Europa, Kanada und Australien. In Japan und Südkorea. In Singapur. In Emerging Markets. In China. Nicht aus Antipathie gegen die USA, nicht, um Trump zu bestrafen. Sondern aus Überlegungen der Diversifikation. Das ist Risikomanagement.An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Trumps «Exkursion» am Persischen Golf hat sie vielmehr noch bestätigt.PS. Gedanken zu SpaceXDer Raumfahrtkonzern SpaceX ist nun seit einer Woche an der Börse. Der Aktienkurs hat sich seither um 37% auf 185 $ erhöht. Es ist müssig, an dieser Stelle vorzurechnen, dass die Bewertung des mehr als hundertfachen Umsatzes jede Bodenhaftung verloren hat. Vor 25 Jahren, nach dem Platzen der Dotcom-Blase, wurden Bewertungen des zehnfachen Umsatzes rückblickend als Idiotie betrachtet, wie unser Gastautor Thierry Borgeat sehr lesenswert darlegt. Auch Jens Ehrhardt hat völlig recht, wenn er SpaceX als «absurd überteuert» bezeichnet.Aber das ist irrelevant. Wer SpaceX kauft, kauft keine angemessene Bewertung eines Geschäftsmodells. Wer SpaceX kauft, beteiligt sich an einem Menschen: Elon Musk. Wer SpaceX kauft, beteiligt sich an Musks Genie und vertraut dessen Visionen. Insofern hat eine Investition in SpaceX keinen ökonomischen, sondern einen quasireligiösen Hintergrund.Man glaubt an Musk. Oder man glaubt nicht an Musk. Dazwischen gibt es nichts.Wer in den kommenden Tagen und Wochen die Kursentwicklung von SpaceX kommentiert, darf einen Umstand nicht vergessen: Der «Free Float» der an der Börse gehandelten Aktien beläuft sich auf weniger als 5%. Der Markt für die Titel ist also vergleichsweise eng. Von der Börsenkapitalisierung von rund 2400 Mrd. $ sind weniger als 120 Mrd. $ frei handelbar. Das ist, zum Vergleich, weniger als die handelbare Börsenkapitalisierung der UBS.Richtig spannend für die Preisfindung der SpaceX-Aktien wird es erst, wenn die Altaktionäre die Gelegenheit erhalten, sich über die Börse von ihren Titeln zu trennen. Das wird nach der Publikation der Zweitquartalszahlen des Unternehmens erstmals der Fall sein, voraussichtlich Ende August.Im grösseren Kontext der möglichen Spekulationsblase rund um das Thema künstliche Intelligenz – die KI-Giganten Anthropic und OpenAI wollen im Herbst an die Börse kommen – dürften viele Investoren in einem ähnlichen Dilemma wie auch wir stehen: Wir sehen die Übertreibungen, wir sehen die typischen Zeichen einer Blasenbildung. Die Zeichen sind an der Wand. Gleichzeitig lässt sich unmöglich prognostizieren, wie lange der Boom noch weitergehen kann.Wir hatten kürzlich die Gelegenheit, am Swiss Value Day in Zürich mit den Value-Fondsmanagern Georg von Wyss, Alex Rauchenstein und Kim Shannon sowie dem Finanzhistoriker Edward Chancellor über die Themen KI, Spekulationsblasen, SpaceX, Bewertungen von Technologieaktien sowie die Perspektiven für Value-Investoren zu diskutieren. Food for thought. Sie finden die Aufzeichnung des 37-minütigen Gesprächs (in englisch) hier:Panelgespräch am Swiss Value Day vom 11. Juni 2026 in Zürich