Der Tag der Sommersonnenwende ist astronomisch gesehen der längste Tag des Jahres. Das bedeutet allerdings nicht, dass man an diesem Tag auch den spätesten Sonnenuntergang im Jahr zu sehen bekommt. Genauso wenig geht an dem Tag die Sonne morgens am frühesten auf. Wie ist das möglich?

Beispiel Mainz: Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt liegt auf dem 50. nördlichen Breitengrad. Dort dauert der längste Tag des Jahres genau 16 Stunden, 22 Minuten und 12 Sekunden. Den frühesten Sonnenaufgang jedoch gibt es schon am 16. und 17. Juni (jeweils 5.17 Uhr), der späteste Untergang wird immer erst am 25. Juni (21.40 Uhr) sein.Weiter nördlich in Flensburg an der Grenze zu Dänemark (fast auf dem 55. Breitengrad) dauert der Tag der Sommersonnenwende sogar 17 Stunden, 19 Minuten und 23 Sekunden. Hier fällt der früheste Sonnenaufgang bereits auf den 18. Juni (4.44 Uhr), den spätesten Sonnenuntergang gibt es am 24. Juni (22.04 Uhr).

Der Grund für dieses Phänomen liegt in einer kleinen Ungereimtheit zwischen Sonnenzeit und unserer gemessenen Uhrzeit. Ein astronomischer Sonnentag – also von ihrem Höchststand am Mittag bis zum nächsten Mittag – ist über das Jahr gesehen verschieden lang.Das liegt daran, dass sich die Erde nicht in einem perfekten Kreis um die Sonne bewegt, sondern auf einer minimal ovalen Bahn. Im Januar ist die Erde der Sonne am nächsten und damit am schnellsten. Im Juli ist sie dagegen am weitesten entfernt und am langsamsten. Zudem steht die Erdachse in Bezug auf die Umlaufbahn leicht schief. Daher zieht die Sonne im Sommer einen hohen und im Winter einen flachen Bogen über unseren Himmel. Das verändert, wie schnell sie sich scheinbar von Ost nach West bewegt.