Alle haben Stress, nur die geschmeidigen Katzen nicht, die auf Sofas und Schreibtischen im Home-Office herumlungern und ihren Menschen beim Arbeiten zugucken. Zeitgenössische Haushunde sind tendenziell hysterischer, aber auch sie bellen vor allem, um sich der Zuwendung ihrer Ernährer zu vergewissern. Auf jeden Fall gehören vierbeinige Haustiere zu den privilegiertesten und entspanntesten Existenzformen auf diesem Planeten. Die Frage ist, ob und wie Menschen von der Seelenruhe der Hunde und Katzen profitieren können. Streng wissenschaftlich ist die Antwort nicht so einfach, wie man erwarten würde.Als besonders ausgefuchst galt in der Fachwelt bislang eine frühere Studie der Washington State University, in der die Wirkung eines Tierbesuchprogrammes auf gestresste Studentinnen und Studenten untersucht wurde. Ähnlich wie bei einer ordentlichen klinischen Studie in der Medizin wurden 249 junge Männer und Frauen in einer Zufallsauswahl auf vier Gruppen aufgeteilt: Nur eine Gruppe durfte die 73 bereitstehenden Katzen und Hunde tatsächlich streicheln. Eine zweite Gruppe konnte die echten Tiere zumindest ansehen, eine dritte Gruppe nur Fotos von Tieren betrachten. Die restlichen Probanden dienten als Kontrollgruppe.Aus der Speichelprobe der Studenten ergibt sich eine klare AntwortDie Auswertung ergab klar, dass bei Studierenden, die direkt mit den Hunden und Katzen interagierten, dsas Stressnivau signifikant stärker zurückging. Das zeigte sich an ihrem Cortisolspiegel im Speichel, der als zuverlässiger objektiver biologischer Marker für Stress gilt.Gemischte Ergebnisse liefert jedoch eine neue Studie eines Teams um die Psychologinnen Sanne Peeters und Mayke Janssens von der Open University im niederländischen Heerlen, veröffentlicht im Fachmagazin Frontiers in Psychology. Die Forscherinnen statteten 188 volljährige Hunde- und Katzenbesitzer mit einer App fürs Smartphone aus, über die sie sich dann zehnmal täglich zwischen 7:30 Uhr und 22:30 Uhr an fünf aufeinanderfolgenden Tagen nach dem Stand der Dinge erkundigten. Die Befragten mussten dann einen kleinen Fragebogen ausfüllen, in dem sie Auskunft gaben über ihren aktuellen Gemütszustand, den sozialen Kontext, Aktivität, Ort und ihre aktuelle Interaktion mit dem Tier.So ergaben sich dann Tausende Datenpunkte, die in der Analyse zu einer erst mal wenig überraschenden Einsicht führten: Waren Hund und/oder Katze in der Nähe und in Kontakt mit ihren Besitzern, fühlten sich diese besser. Doch überraschenderweise verstärkte sich der Effekt nicht, als die Probanden noch enger mit ihrem Tier interagierten. Der Körperkontakt reduzierte nicht die negativen Folgen von Stress auf die Stimmung. Er verstärkte sogar die negativen Emotionen ihrer Halter.Vielleicht sei es gar nicht das Körperliche, sondern „das Erleben von Gemeinschaft, Haustiere geben Menschen das Gefühl, verbunden und weniger allein zu sein, was zum emotionalen Wohlbefinden beiträgt“, spekuliert Studienautorin Janssens in einem von Frontiers veröffentlichten Kommentar zur Studie. Methodisch noch ausgefeiltere Studien seien notwendig. Katzen bleiben komplex.