Das Schloss hat einen Wassergraben, aber auch eine Brücke. Der einstige Gutshof ist zum Ort geworden, den die Frankfurter, und nicht bloß die aus der gut betuchten Nachbarschaft, ins Herz geschlossen haben. Was auch daran liegt, dass das Holzhausenschlösschen eine Art Schlossherrn hat, der freundlich einlädt: Clemens Greve, den Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung, die das einstige Landhaus einer Frankfurter Patrizierfamilie 1989 bezog.Hier organisiert Greve mit einem kleinen Team aus wenigen Angestellten und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern ein Programm aus Konzerten, Lesungen und Diskussionsveranstaltungen. Wenn er nicht gerade eine Reisegruppe in einen gecharterten Bus setzt und sie nach Schloss Bollschweil in Baden-Württemberg kutschiert, auf den Spuren von Marie Luise Kaschnitz, die dort lange lebte, wie in diesem Frühjahr zum Festival „Frankfurt liest ein Buch“ geschehen.Der 1966 bei Trier geborene Greve wuchs mit sechs älteren Geschwistern auf dem Weingut seiner Mutter und in der Tierarztpraxis seines Vaters auf, spielt Orgel, Klavier und Cello und studierte Literaturwissenschaften, Geschichte und Musik sowie Humanmedizin. Nach dem Berufseinstieg im Lektorat des Fischer-Verlags übernahm er 1997 die Geschäftsführung der Bürgerstiftung, die einige andere Frankfurter Stiftungen, Einzelpersonen und Unternehmen acht Jahre zuvor gegründet hatten. Kammermusik und Jazz bietet das Holzhausenschlösschen seitdem ebenso eine Heimat wie Veranstaltungen für Kinder.2024 rettete Greve nach dem Verkauf der ehemaligen Villa Unseld an der benachbarten Klettenbergstraße das Arbeitszimmer Siegfried Unselds. Jetzt wird die Bibliothek des Suhrkamp-Verlegers im Holzhausenschlösschen betreut.Finanziert wird Greves gesamte Tätigkeit ausschließlich aus Spenden. Aber mit der Stiftungsarbeit kennt er sich aus. Seit 2017 gehört er dem Vorstand der S. Fischer Stiftung in Berlin an, die Fischer-Verlegerin Monika Schoeller 2003 zur Kultur- und Übersetzungsförderung gründete. Er versteht es, Brücken zu bauen. Am 19. Juni wird er 60 Jahre alt.
Frankfurter Bürgerstiftung: Clemens Greve wird 60
Clemens Greve, Geschäftsführer der Frankfurter Bürgerstiftung, wird an diesem Freitag 60 Jahre alt. Er hat Siegfried Unselds Arbeitszimmer gerettet und das Holzhausenschlösschen zum kulturellen Kleinod gemacht.
Clemens Greve wird 60 und leitet seit 1997 die Frankfurter Bürgerstiftung – finanziert nur durch Spenden, organisiert Kultur und bewahrt Archive. Sein Modell demonstriert, wie non-profit Organisationen durch stabiles Stakeholder-Management und kulturelle Mission über Jahrzehnte wachsen.







