Noch hat niemand versucht, Werner Reinkes Stimme mit Künstlicher Intelligenz zu kopieren. Jedenfalls nicht, soweit er weiß. Ein lohnendes Subjekt für Deepfakes wäre er allemal. Reinkes sonorer, leicht metallischer Bariton ist den Hörern des Hessischen Rundfunks seit vielen Jahrzehnten vertraut. Er gehört zu den populärsten Radiomoderatoren des Landes, wurde mit dem Deutschen Radiopreis und dem Hessischen Journalistenpreis ausgezeichnet.Was die KI inzwischen alles kann, findet Reinke unheimlich. In seiner Sendung „Reinke am Samstag“, immer noch eines der meistgehörten Formate auf hr1, hat er kürzlich eine Soulversion des Eagles-Klassikers „Hotel California“ gespielt – ohne zunächst zu verraten, dass es sich um eine Schöpfung von Algorithmen handelte. „Die Hörer haben gefragt: Was ist das für eine tolle Musik? Das gibt einem zu denken“, sagt er.Reinke ist nicht nur ein virtuoser Alleinunterhalter und Popmusik-Erklärer, sondern auch sozial engagiert: Seine Spendenaktion „Reinke Ukraine“, die er 2022 zugunsten des von Russland angegriffenen Landes ins Leben rief, hat im vergangenen Jahr die Zwei-Millionen-Euro-Marke übertroffen. Sollte er doch noch Opfer einer KI-Fälschung werden und eine vermeintliche Reinke-Stimme eines Tages Putin-Parolen von sich geben, vertraut er darauf, dass seine Fans wissen, wofür er steht.Seine Frau stellt das Programm zusammenUnd hoffentlich noch eine ganze Weile stehen wird. Werner Reinke, der an diesem Freitag 80 Jahre alt wird, will jedenfalls gerne weiter auf Sendung bleiben. Er habe immer gesagt, von seiner Arbeit müssten drei Parteien etwas haben – der Hessische Rundfunk, die Radiohörer und er selbst. Was ihn und seine Frau Lidia Antonini betrifft, die das Musikprogramm für seine Sendung zusammenstellt, so ist der Spaß noch da. Der Hessische Rundfunk wird wissen, was er an seiner wahrscheinlich immer noch bekanntesten Stimme hat. Und die Hörer? Das Votum im Netz fiel nach Reinkes Worten eindeutig aus: „Unter 600 Statements war eines, in dem es hieß: Schickt ihn in Pension.“So darf er vorerst weiter sein Publikum samstagmorgens mit Oldies und Novitäten aus Rock und Pop erfreuen, dazu Musiker-Interviews einspielen, Live-Gäste begrüßen und Anekdoten aus mittlerweile 55 Dienstjahren zum Besten geben. Außer in „Reinke am Samstag“ ist er unter dem Motto „Blödsinn und Blues“ live in Bürgerhäusern zu erleben: Dort liest er zu musikalischer Begleitung aus Werken der Neuen Frankfurter Schule.Reinke gehört zu den Leuten, denen man glaubt, wenn sie sagen, sie seien wunschlos glücklich. Wobei: Ein paar Künstler, die er mit Freuden begrüßen würde, fallen ihm immer ein. Aus dem Abend mit Reinhard Mey, den er sich schon vor Jahren gewünscht hat, wird wohl nichts mehr werden. Aber es gibt noch zwei fast genauso bedeutende Herren, durch die er seine Sendung gerne veredelt sähe: Mick Jagger und Paul McCartney. Also, Sir Mick und Sir Paul, gerne einmal Verbindung mit Werner Reinke aufnehmen: Diesen Gastgeber können wir empfehlen.