Die Pride zieht am Samstag durch die gesamte Bahnhofstrasse – Gewerbetreibende fühlen sich schlecht informiertZum ersten Mal seit Jahren müssen die Veranstalter auf ein Festival verzichten. Dafür bekommt die queere Demonstration die grosse Bühne der Bahnhofstrasse. Dort fragt sich das Gewerbe, warum es nicht in die Planung einbezogen wurde.19.06.2026, 05.06 Uhr5 LeseminutenDie Pride 2025, hier auf der Stauffacherstrasse. Am Samstag führt sie über die Bahnhofstrasse, was bei einigen Gewerblern Skepsis hervorruft.Michael Buholzer / EPAWenn schon kein Festival, dann immerhin grösstmögliche Sichtbarkeit. Das haben sich die Verantwortlichen der Zürcher Pride vorgenommen, nachdem sie im Februar bekanntgeben hatten, in diesem Jahr «nur» die Demonstration zu organisieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die finanzielle Lage und die schwierige Suche nach einem geeigneten Ort in der Stadt hatten den Verein Zurich Pride zu dieser Entscheidung gezwungen. Schon in den letzten Jahren sind die Sponsorengelder zurückgegangen, und der Trend setzt sich laut Pride-Geschäftsführerin Julia Müller fort.Gleichzeitig steigt der Aufwand für die Organisation des Festivals an. Dabei geht es etwa um den erhöhten Schutz der Teilnehmer. Belästigungen und Übergriffe auf queere Menschen im öffentlichen Raum haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Veranstalter mussten zuletzt mehr privates Sicherheitspersonal engagieren. Dazu kam, dass die Suche nach einem passenden und bezahlbaren Veranstaltungsort in der Stadt Zürich zunehmend schwierig wurde – nicht zuletzt wegen der vielen behördlichen Auflagen für Grossveranstaltungen. Der Verein schrieb über mehrere Jahre rote Zahlen. Im November war eine Mehrheit der Mitglieder nicht mehr bereit, diesen Weg weiterzugehen. Sie lehnten das Budget ab.Ein langgehegter TraumWenige Tage vor der redimensionierten Ausgabe 2026 ist Julia Müller allerdings sehr guter Dinge. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe. Der Aufwand sei deutlich geringer, weil sie nur den Umzug, nicht aber das Festival organisieren müssten, sagt sie. Ausserdem hätten sie kreativ werden müssen, um doch in der Stadt sichtbar zu sein. Daraus hätten sich einige schöne Kooperationen mit Restaurants, Klubs, Fitnessstudios oder auch einer Brauerei ergeben. Ein paar treue Sponsoren seien ausserdem weiterhin an Bord, allen voran die ZKB und der Pharmakonzern Takeda.Besonders freut sich Müller über die diesjährige Route. Der Demonstrationszug führt nach Jahren wieder einmal durch die ganze Bahnhofstrasse. Denn: «Damit die Leute uns sehen, müssen wir im Stadtzentrum sein», sagt Müller.Der Umzug startet am kommenden Samstag am frühen Nachmittag zwischen Bahnhofplatz und Uraniastrasse. Zwölf Wagen werden sich um die Mittagszeit auf dem Werdmühleplatz einfinden. Es hätten sich einige Gruppen weniger als im letzten Jahr angemeldet, sagt Müller. Sie rechnet aber dennoch mit etwa gleich vielen Teilnehmern wie in den vergangenen Jahren, 2025 waren es laut den Veranstaltern rund 20000.Zwei Frauen halten Hände an der Pride. Die Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse befürchtet, dass sich die Demonstration negativ auf die Umsatzzahlen der Geschäfte auswirken könnte.Michael Buholzer / KeystoneGewerbe wünscht sich mehr AustauschDie Begeisterung über die diesjährige Route der Pride ist bei den Gewerbetreibenden der Bahnhofstrasse nicht ganz so gross. Fanny Eisl, Geschäftsführerin der Vereinigung Zürcher Bahnhofstrasse (VZB), sagt, dass man nichts gegen den Anlass habe. Im Gegenteil: «Die Pride ist ein wichtiges und wertvolles Zeichen für Vielfalt und Offenheit.» Gleichzeitig seien Samstage im Juni verkaufsstark. Entsprechend könnte sich die Demonstration negativ auf die Umsatzzahlen der Geschäfte auswirken.Konkrete Prognosen will Eisl im Vorfeld nicht machen. «Wir haben keine Erfahrung mit dieser Veranstaltung und müssen erst herausfinden, wie sehr sich der Umzug auf die Laufkundschaft auswirkt.»Eisl bedauert vor allem, dass die Gewerbetreibenden von der Stadt nicht in die Planung einbezogen worden sind. Bis heute gebe es zur Pride keine offizielle Information der Behörden an das Gewerbe, sagt sie. «Wir haben von den Veranstaltern der Pride erfahren, dass der Umzug dieses Jahr durch die Bahnhofstrasse geht.» Eisl wünscht sich einen engeren Dialog mit der Stadt, insbesondere bei Grossveranstaltungen im Zentrum, von denen es über das Jahr viele gebe. Man könnte manche Dinge optimieren, etwa wenn man diese zeitlich anders legen würde.Als Beispiel nennt Eisl Wien, wo sie selbst an der Pride teilgenommen habe: «Dort fand die Parade an einem Sonntag statt, wodurch sich die Interessen des Detailhandels und jene der Veranstaltung besser vereinbaren lassen.» Genau solche Überlegungen könnten auch in Zürich Teil eines konstruktiven Dialogs sein, um sowohl die Anliegen der Veranstalter als auch jene des Gewerbes bestmöglich zu berücksichtigen.Milan Prenosil, Verwaltungsratspräsident von Sprüngli, sieht das ähnlich: «Man hätte mit besserer Information und Kooperation im Vorfeld sicher mehr Verständnis für die Pride schaffen können.» Eingeschränkt fühlt er sich aber dadurch nicht. Die zwei Sprüngli-Filialen an der Bahnhofstrasse und das Café seien am Samstag regulär offen, sagt Prenosil, und alle Besucher seien selbstverständlich herzlich willkommen.Auch bei der PKZ-Gruppe gibt man sich gelassen. «Wir sind es gewohnt, dass an Samstagen Manifestationen an unseren Stores vorbeiziehen», sagt ein Sprecher. Die Pride werde vielleicht die Frequenzen an den drei Standorten an der Bahnhof- oder der Löwenstrasse etwas tangieren. Doch die Auswirkungen auf den Umsatz würden marginal sein.Die Geschäftsführerin der Pride, Julia Müller, sagt, dass Volunteers bemüht sein werden, auch während des Umzugs die Trottoirs freizuhalten. Zudem sei vorgesehen, dass der Umzug um etwa 15 Uhr den Paradeplatz passiert habe und die Strasse dann rasch wieder für den Tramverkehr freigegeben werden könne.Die Demonstration endet dieses Jahr am Hafendamm in der Enge. Gefeiert werden kann danach an der Pride-Party, für die sich mehrere Zürcher Partylabels zusammengeschlossen haben. Julia Müller sagt, das Ziel sei, nächstes Jahr auch wieder ein Festival zu veranstalten. Mit Ausnahme des Pandemiejahrs 2021 hat in den 32 Jahren Geschichte der Pride – bis 2009 hiess die Veranstaltung Christopher Street Day – immer auch ein Festival stattgefunden.Einschränkungen in der Innenstadtnbe. Die Pride 2026 beginnt am Samstag um 12 Uhr 30 zwischen Bahnhofplatz und Uraniastrasse mit einer Kundgebung. Der Demonstrationszug zieht ab 13 Uhr 30 via Parade- und Bürkliplatz in Richtung Hafendamm Enge, wo er um etwa 16 Uhr 30 enden soll. Aus diesem Grund gilt in der Innenstadt zwischen Bahnhof- und Bürkliplatz sowie für die zuführenden Strassen zwischen 12 und etwa 17 Uhr ein Fahrverbot. Zwischen Bahnhofquai, Werdmühlestrasse und Beatengasse gelten die Einschränkungen bereits ab 9 Uhr. Der Trambetrieb in der Bahnhofstrasse ist ab 12 Uhr eingestellt.Die VBZ weisen darauf hin, dass am Samstag mit dem Alba-Festival auf dem Kasernenareal und dem Toten-Hosen-Konzert im Letzigrund zwei weitere Grossanlässe stattfinden, die den Verkehr zeitweise einschränken werden. Sie empfehlen, den Onlinefahrplan zu konsultieren. Die Stadt hat für die Pride zudem eine Freinacht verfügt. Das Stadthaus leuchtet am Samstagabend in Regenbogenfarben. Am Seebecken entlang der Umzugsroute gibt es Regenbogen-Fussgängerstreifen und -Signalisationen. Mehrere Brücken, städtische Amtshäuser sowie die Stadtspitäler Waid und Triemli werden beflaggt.Passend zum Artikel