PfadnavigationHomePanorama„Amann unframed“„Mit der Männerhasserin kann ich ganz gut leben“, sagt Jette NietzardVon Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftStand: 20:01 UhrLesedauer: 4 Minuten„Wir glauben ja immer an das Gute und werden trotzdem fast täglich enttäuscht von den Männern“, beklagt NietzardQuelle: dts-Agentur/picture allianceIm Podcast von Melanie Amann offenbart Nietzard einen unversöhnlichen Blick auf den männlichen Teil der Bevölkerung. Jeder Mann sei „das ganze Leben“ auf Bewährung. Mit der Arbeit ihrer zurückliegenden Rolle als Sprecherin der Grünen Jugend zeigt sie sich rundum zufrieden.Melanie Amann sucht die Kontroverse. In Anlehnung an das Erfolgsformat „Ben ungeskriptet“ führt sie seit einigen Wochen unter dem Titel „Amann unframed“ Gespräche mit Personen, die als besonders provokant gelten. Jette Nietzard dürfte sich da problemlos einreihen lassen. Als „wandelndes Feindbild des konservativen rechten Milieus“ stellte sie die frühere Bundessprecherin der Grünen Jugend vor. Dieser hafteten die Labels „Männerhasserin, Polizistenhasserin, radikale Antikapitalistin – Stichwort ‚Eat the Rich‘ –, linke Traumtänzerin wegen ihrer Position zur Abschiebung und zu Kriminalität und natürlich Berufsprovokateurin“ an. Mit welchem dieser Zuschreibungen sie am besten leben könne, fragte Amann einleitend. „Mit der Männerhasserin kann ich, ehrlich gesagt, ganz gut leben. Das ist mir auch ein bisschen zu dumm, dagegen zu argumentieren“, erwiderte Nietzard. Sich selbst würde sie jedoch keines der aufgelisteten Labels zuschreiben. Doch warum ginge sie ausgerechnet mit der Männerhasserin d’accord? „Es geht halt schon um ein System der Männlichkeit, was absolut überholt ist und täglich Frauen das Leben kostet in Deutschland. Und da muss ich sagen, das hasse ich ganz schön.“Sie wünsche sich, dass sich ihre Freundinnen nachts allein auf die Straße trauen können, sie mit Sicherheit nicht von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet werden und Schwangerschaften abbrechen können, ohne sich dabei illegal zu verhalten. „Und solange eine Welt existiert, in der wir das alles nicht können und diese Welt von Männern gebaut ist, kann ich wohl auch Männerhasserin sein. Da gibt es Schlimmeres, was man sein kann“, führte die Pädagogin aus. Lesen Sie auchDamit sage sie aber, dass in jedem Mann ein potenzieller Gewalt- und Sexualstraftäter schlummere, kritisierte Amann aus der Position des Advocatus Diaboli, wie sie sporadisch betonte. „Natürlich vertraue ich in meinem Privatleben auch Männern. Aber es ist grundsätzlich irgendwie trotzdem immer eine Vorsicht dabei“, schilderte die Grünen-Politikerin. „Wir glauben ja immer an das Gute und werden trotzdem, ehrlich gesagt, fast täglich enttäuscht von den Männern. Und solange das so ist, habe ich schon auch ein Problem damit, darauf zu vertrauen.“ Von Partnern und männlichen Freunden erwarte sie, dass diese „jeden Tag“ zeigten, dass sie „nicht einer von diesen“ seien. Damit läge die Beweislast beim männlichen Part, hakte Amann nach. „Das ist jetzt zugespitzt, aber ja.“ Und wie lange dauere die Bewährungsphase des Mannes? „Die geht das ganze Leben, natürlich“, insistierte Jette Nietzard unnachgiebig.Lesen Sie auchMit ihrer im Alltag eher untauglichen Haltung wähnte sich die Politikerin im Besitz eines exklusiven Wissens, das sich etwa den Frauen in ihrem Heimatdorf entzieht. Sie sehe „das große Bild – und das macht es so anstrengend“, betonte Nietzard. „Manchmal wünsche ich mir auch irgendwie, ich wäre keine Feministin und könnte einfach meinen Tag leben, ohne mich die ganze Zeit zu fragen, ob ich jetzt diesen Blick bekommen habe, weil ich gut aussehe, oder weil die Person mich einfach nett fand.“Nietzards ablehnende Haltung gegenüber der männlichen Bevölkerung hatte sie bereits zum Jahreswechsel 2024/2025 veranschaulicht. Damals schrieb die noch recht frisch gewählte Bundessprecherin der Grünen Jugend auf X: „Männer, die beim Böllern eine Hand verlieren, können zumindest keine Frauen mehr schlagen.“ Später zog sie den Post zurück. „Hab meinen Tweet gelöscht. Wäre gut, über systematische Lösungen für häusliche Gewalt zu sprechen, statt über gekränkte Männeregos“, kommentierte sie damals. Lesen Sie auchMelanie Amann wollte nun von ihr wissen, wie sie rückblickend auf ihr Silvester-Statement blickt. „Ich finde den Tweet bis heute witzig“, sagte sie. „Er ist bis heute einfach wahr. Wenn man ihn faktisch liest, stimmt es.“ Dass aus dem Post „Häme oder Verachtung“ darüber spreche, dass sich jemand schwer verletze, wie die Moderatorin beanstandete, interessierte Nietzard weniger. „Ich habe einfach einen lustigen Tweet geschrieben und ich glaube, Journalisten checken nicht, wie das Internet funktioniert.“Den Post habe sie nur deswegen entfernt, weil der öffentliche Druck sie dazu veranlasst habe. „Damals hat die Partei eben von mir verlangt, dass ich diese Tweets lösche“, erinnerte sich Nietzard. Zwar hätten sich weder Robert Habeck noch Omid Nouripour im Wahlkampf bei ihr gemeldet, doch politische Akteure aus den „Ebenen davor“ hätten sie angerufen und zur Löschung gedrängt. In ihrer Lesart lag die Schuld an der Kontroverse dann auch bei der Mutterpartei, die dem Thema erst durch ihren Widerspruch eine „Eskalationskraft“ gegeben hätte.Lesen Sie auch„Es war immer nur ein Problem von Medien, Erwachsenen und der Partei“, betonte Nietzard. Von den 19.000 Mitgliedern der Grünen Jugend hätten ihr dagegen „mindestens 18.000“ Applaus für ihre Social-Media-Kommentare gespendet. Damit sah sie ihre Aufgabe als erfüllt an. „Meine Rolle war es ausschließlich, für junge Menschen zu kommunizieren“, sagte sie. „Es war nicht mein Auftrag, mich differenziert auszudrücken. Es war nicht mein Auftrag, den Erklärbär zu spielen. Das schaffen die Grünen schon ganz allein.“