Apple fehlen die Chips: iPhones werden bald auch in der Schweiz massiv teurerDas populärste Smartphone könnte bis zu 200 Franken mehr kosten. Der KI-Ausbau hat Speicherchips um ein Vielfaches verteuert. Apple wird die Zusatzkosten an ihre Nutzer abwälzen.18.06.2026, 15.28 Uhr4 LeseminutenDie Preise blieben für das aktuelle iPhone 17 stabil. Das Nachfolgemodell dürfte wegen der Kosten für den KI-Ausbau deutlich teurer werden.Wu Xiaoling / ImagoFür ein neues iPhone werden Handynutzer bald tiefer in die Tasche greifen müssen als bisher. Das legen Aussagen des abtretenden Apple-Chefs Tim Cook gegenüber der US-Wirtschaftszeitung «The Wall Street Journal» nahe. «Leider sind Preiserhöhungen unvermeidbar», sagte Cook. «Wir tun unser Bestes, um die enormen Preiserhöhungen, die an uns weitergegeben werden, abzufedern».Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Man habe versucht, Kunden vor diesen Erhöhungen zu schützen. Die Situation sei mittlerweile aber «untragbar» geworden. Cook bezieht sich auf die stark gestiegenen Preise von kritischen Komponenten wie Speicherchips, ohne die iPhones nicht funktionieren können. Welche Apple-Produkte von den Preiserhöhungen betroffen sind und wann diese kommen werden, sagte Cook aber nicht.Neue iPhones, diesmal der Reihe 18, werden typischerweise im September lanciert. Zu diesem Zeitpunkt kommuniziert der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino jeweils auch die Nettopreise für die USA . Cook wird seinen Posten als CEO derweil im September räumen. Sein Nachfolger John Ternus wird als Einstand die höheren Preise für Apples Flaggschiffprodukt vermitteln dürfen.Neues iPhone: 150 bis 200 Franken teurerPreiserhöhungen könnten Produktlinien wie Mac-Computer oder iPads gar schon früher treffen. Apple hat den Einstiegspreis für den Mac Mini bereits im letzten Monat angehoben. Die Chip-Knappheit betrifft nicht nur Apple, sondern den gesamten Konsumelektronik-Sektor. Sie wird bald auch die Schweizer Handynutzer treffen.«Wird das iPhone in den USA teurer, so wird es das auch in der Schweiz», sagt Jean-Claude Frick, Digitalexperte bei der Vergleichsplattform Comparis. Wobei der im Verhältnis zum Dollar starke Franken helfen dürfte, den Preisanstieg etwas abzufedern. Trotzdem ist Frick überzeugt: «Wir werden einen Preissprung sehen». Eine Steigerung von 150 bis 200 Franken bei den Spitzenmodellen «Pro» und «Pro Max» erachtet er als realistisch.Bisher war man davon ausgegangen, dass Apple mit Vorausbuchungen Kapazitäten für sich sichern konnte. Doch bei einfachen Komponenten wie Speicher-Chips, die in hohen Volumen produziert werden, geht das weniger gut.«Beim iPhone kann Apple keine Konzessionen machen», sagt Frick. Tatsächlich ist das iPhone für Apple das mit Abstand wichtigste Produkt. Der Tech-Konzern macht knapp die Hälfte des Umsatzes damit. Mac, iPad, Dienste und Accessoires teilen sich den Rest unter sich auf. Gemäss Frick kann Apple die höheren Speicherchip-Preise nicht mehr auffangen, ohne ihren Gewinn zu mindern.Dass Apple substanziell auf Marge verzichten würde, sei indes nicht denkbar. «Deshalb ist es einer der profitabelsten Konzerne der Welt», sagt der Smartphone-Experte. Apple veröffentlicht keine Margen auf Produktebene. Gemäss Branchenplattform Techinsights dürfte sich die Bruttogewinnmarge beim iPhone 17 Pro bei hohen 47 Prozent bewegen. Apples Gewinnpuffer wäre also üppig.KI verschlingt SpeicherchipsDie betroffenen Speicherchips spielen für die gesamte Elektronikbranche eine herausragende Rolle. Sie sind in fast allen digitalen Geräten wie PCs, Laptops, Gaming-Konsolen, Smartphones aber auch Autos zu finden. Gemäss Cook sei das Angebot knapp, gerade jetzt, wo Konsumenten die Geräte nachfragen und die Speicherchip-Hersteller «massive Preiserhöhungen» weitergeben.Grund für die Preiserhöhungen der Chiphersteller ist der massive Ausbau der KI-Infrastruktur durch Tech-Konzerne wie Amazon, Google, Microsoft und Meta. Das hat die Preise der Speicherchips vervielfacht. In den Datencentern werden grosse Mengen dieser Chips gebraucht, um KI-Modelle zu betreiben und zu trainieren. Diese Produkte sind weniger komplex und günstiger als die KI-Chips von Nvidia. Sie sind für deren effizienten Betrieb aber notwendig.Nur eine Handvoll Unternehmen teilen sich weltweit den Markt für diese Speicherchips. Bei den Arbeitsspeichern, DRAM abgekürzt, dominieren Samsung und SK Hynix aus Südkorea, sowie die amerikanische Micron. Bei den Speicher-Chips, abgekürzt NAND, spielen zusätzlich Sandisk und Kioxia mit. DRAM ist kurzfristiger Speicher, den es braucht, um etwa Apps auszuführen. NAND hingegen speichert Photos, Videos oder Dokumente langfristig, auch wenn das Handy ausgeschaltet ist.Dass diese einfacheren Chips genauso kritisch für den Ausbau der KI-Infrastruktur sind wie die Hochleistungs-Chips von Nvidia zeigt sich in den Aktien der entsprechenden Unternehmen: Der Aktienkurs von SK Hynix hat sich in den letzten zwölf Monaten mehr als verzehnfacht. Jener von Sandisk steht mehr als vierzigmal höher.Schweizer weniger preissensitivUS-Experten schätzen, dass wegen der teureren Speicherchips das neue iPhone 18 Pro mindestens 1399 Dollar kosten könnte. In der Schweiz bewegen sich die Preise für das aktuelle Spitzenmodell 17 Pro seit Lancierung zwischen 1000 und 1100 Franken. Der Preis war im Vergleich zum Vorgängermodell damals stabil geblieben, obschon Apple im Gerät etliche Verbesserungen eingebracht hatte.Das iPhone geniesst in der Schweiz anhaltend hohe Popularität und ist das mit Abstand meist genutzte Smartphone. Ein höherer Gerätepreis birgt aber die Gefahr, dass die Leute weniger oft ein neues Handy kaufen. Gemäss Frick war früher eine Nutzungsdauer von zwei Jahren vor einem Gerätewechsel die Regel. Heute sei das nicht mehr der Fall. Die Leute behielten ihre Handys deutlich länger.Apple könnte versuchen, den Preisanstieg mit einem neuen Formfaktor oder neuen technischen Features attraktiver zu machen, und damit die Kunden zum Kauf zu bewegen. Absatzsorgen muss sich der iPhone-Konzern für die Schweiz trotzdem keine machen. Frick: «Apple kann nicht jeden Preis verlangen. Aber Schweizer Konsumenten sind weniger preissensitiv. Sie dürften den Aufpreis locker in Kauf nehmen.»Passend zum Artikel
Apple fehlen Chips: iPhones könnten in der Schweiz bis zu 200 Fr. teurer werden
Das populärste Smartphone könnte bis zu 200 Franken mehr kosten. Der KI-Ausbau hat Speicherchips um ein Vielfaches verteuert. Apple wird die Zusatzkosten an ihre Nutzer abwälzen.











