Er ist wieder da. Der Sommer bricht an diesem Wochenende durch. Wer auf seinem Smartphone die Wetter-App öffnet, sieht eine tiefrote Berliner Seenlandschaft mit Temperaturen von mehr als 30 Grad. Und im Süden des Landes wird es laut dem Deutschen Wetterdienst sogar noch heißer. Der Wunsch, sich an Seen und Flüssen, in Teichen und Bädern abzukühlen, kann jedoch trügerisch sein. Was muss man beachten?Wann passieren die meisten Badeunfälle?Bevor der meteorologische Sommer begonnen hatte, gab es schon die ersten Badetoten. Während des Pfingstwochenendes kamen mindestens neun Menschen bei Badeunfällen ums Leben, meldete die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), vier von ihnen Kinder unter zwölf Jahren. Kürzlich sprang ein 20 Jahre alter Jogger in Herne nach seiner Trainingseinheit aufgeheizt in den Rhein-Herne-Kanal und trieb davon. Er konnte nur noch tot geborgen werden.„Gerade zu Beginn der Saison überschätzen viele Menschen ihre Kräfte oder unterschätzen die noch niedrigen Wassertemperaturen“, sagt der Landesvorsitzende der bayerischen Wasserwacht, Thomas Huber. Sogenannte Hitzetage gehen regelmäßig mit mehr Badeunfällen einher. Je höher die Temperaturen, so die DLRG, umso mehr Unfälle passieren.Was passiert bei Badeunfällen genau?Den einen typischen Badeunfall gebe es nicht, sagt Martin Holzhause von der DLRG. Das Herz-Kreislauf-System versuche bei hohen Temperaturen, den Körper durch Schweiß zu kühlen, „und das kostet uns Kraft“. Wenn ein aufgeheizter Körper plötzlich auf einen See oder Fluss treffe, „der vielleicht gerade einmal 16, 17, 18 Grad hat“, könne das zu einem Kälteschock führen.Im vergangenen Jahr verunglückten laut DLRG 393 Menschen in deutschen Gewässern tödlich. 1154 Menschen konnten die Rettungsschwimmer noch vor dem Ertrinken bewahren.Woran lässt sich erkennen, ob jemand ertrinkt – und wie lässt sich helfen?In Hollywoodfilmen wie „Titanic“ dauert es Stunden, bis der Protagonist Jack Dawson langsam im Nordatlantik untergeht. In Wirklichkeit sieht das oft ganz anders aus. „Menschen kommen in der Realität oftmals innerhalb weniger Sekunden unter Wasser“, sagt Holzhause. Dann sei Gefahr im Verzug: Schnell zu reagieren, steigere die Chancen für Ertrinkende. Wenn einem eine gefährliche Situation auffalle, solle man sich sofort an das Badepersonal wenden oder den Notruf 112 wählen.Nach dem Notruf hinterherspringen ‒ oder warten?Wer springt, riskiert sein Leben. „Eine ertrinkende Person gerät oft in Panik, schlägt unkontrolliert um sich und versucht, sich an jedem greifbaren Gegenstand festzuhalten“, heißt es beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Es sei deshalb besser, die Rettung vom Ufer aus zu beginnen. An Flüssen seien dafür alle paar Hundert Meter Rettungsringe angebracht. Eine bewusstlose Person solle in eine stabile Seitenlage gebracht werden, schreibt das DRK. Baderegeln und Rettungstipps für Kinder und Erwachsene der DRK-Wasserwacht sind auch auf der Website drk.de zu finden.Worauf sollten Schwimmer achten?Der ausgebildete Rettungsschwimmer Holzhause kennt die Gefahren beim Baden gut. Manche seien leicht vermeidbar, sagt er. Erstens solle man „prinzipiell starke Strömungen vermeiden“. Zweitens: „Baden Sie nie allein.“ Alkohol und Drogen vor dem Schwimmen steigerten das Unfallrisiko „drastisch“. Es sei auch mehr als eine schnöde Regel, sich vor dem Baden an das Wasser zu gewöhnen und abzukühlen. So kann sich der Körper auf das Temperaturgefälle einstellen.Sind Seen und Flüsse gefährlicher als das Freibad?Der Münchner Flaucher oder die Krumme Lanke in Berlin: Deutsche Seen und Flüsse mögen idyllisch sein. Doch gerade in offenen Gewässern kann die Wassertemperatur innerhalb weniger Meter rapide sinken. „Das steigert die Chance einer gefährlichen Körperreaktion im Wasser“, sagt Holzhause. „Das Risiko in offenen Gewässern ist auch höher, weil ein Natursee anders als ein Swimmingpool keinen Beckenrand bietet.“ Flüsse wie der Rhein seien von Strudeln, Sogwirkungen und Unterströmungen durchzogen. Selbst geübte Schwimmer könnten die nicht einschätzen. Auf 42 Flusskilometern herrscht etwa in Düsseldorf deshalb ein striktes Badeverbot.Was kann man bei einem Krampf im Wasser tun?Jeder kennt das: Fernab vom Ufer zieht sich die Wade plötzlich zusammen. An Land ist ein Krampf schmerzhaft, im Wasser wird er womöglich gefährlich. In solchen Fällen hilft die Rückenlage. Dabei dreht der Schwimmer seinen Körper auf den Rücken. Die Lungenkapazität hält Kopf und Körper so mit über Wasser. Aus dieser Position löst laut DLRG ein Ziehen der Zehen zum Körper die Verkrampfung. Und: Der „tote Mann“ spart gerade in Notsituationen Kraft. Holzhause sagt aber, nach einem Krampf drohe „Wiederholungsgefahr“.Wer sollte besonders aufpassen?Es ist nicht so, dass Schwimmer nicht selbst wüssten, wann es gefährlich werden könnte. Als Risikofaktoren sind Vorerkrankungen am Herzen, ein höheres Alter und unsicheres Schwimmen bekannt. Aber auch Jungs und junge Männer bringen sich regelmäßig in Gefahr: Unter den 73 Opfern der Elf- bis Dreißigjährigen im vergangenen Jahr sei nur eine Frau gewesen, sagt die Präsidentin der DLRG, Ute Vogt. Männer überschätzen sich häufiger, sagt sie. Brückenspringen oder das Baden an Wehren mag zwar eine Mutprobe sein. Aber gerade dort bildeten sich Unterwasserstrudel, schreibt die DLRG auf der Website. In Deutschland ist deshalb das Baden dort verboten.Worauf müssen besonders Eltern mit Kindern achten?„Wir gehen davon aus, dass fast 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Ende der vierten Klasse nicht sicher schwimmen können“, sagt Vogt. Für Eltern sei aber auch bei guten Schwimmern nötig, stets in Reaktionsnähe zu bleiben. Als „sicherer Schwimmer“ gilt in Deutschland erst, wer unter anderem eine Viertelstunde schwimmen kann und dabei mindestens 200 Meter hinter sich bringt. Wohlgemerkt: ohne den Beckenrand zu berühren. Doch trotz Schwimmabzeichens ist es laut DLRG „unabdingbar“, Kinder unter zwölf Jahren beim Baden zu beaufsichtigen. Das gelingt am besten ohne Handy.