Im Westjordanland eskaliert die Siedlergewalt. Die Menschen sind verzweifelt – manchmal bekommen sie aber auch Hilfe von unerwarteter Seite.

Als Roi Kleitman vor zweieinhalb Jahren von maskierten Reservisten in Hebron im Westjordanland angegriffen wurde, dachte er, er würde sterben. Die Männer warfen ihn zu Boden und hielten ihm eine geladene Pistole an den Kopf. Sie schlugen ihn und traten auf ihn ein. So erzählt er es. Daraufhin verließ er für ein halbes Jahr das Land. Dann – kam er zurück, und ging wieder ins Westjordanland, um Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen zu begleiten. Damals habe er Angst gehabt, dann aber seinen Frieden damit geschlossen.

Immer wieder landen Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen und ausländische Frie­dens­ak­ti­vis­t*in­nen in den Schlagzeilen. Weniger mediale Beachtung finden Israelis, die Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen begleiten und sich im Westjordanland der Gewalt entgegenstellen, die von ihren eigenen Landsleuten ausgeht. Und die sie mitunter genauso hart trifft wie die Araber*innen. Einer dieser Israelis ist Kleitman.

Heute ist Kleitman aktiv bei der Organisation „Smol Emuni“ und Leiter einer politisch-religiösen Schule. Die Aktiven bei Smol Emuni, auf Deutsch „Gläubige Linke“, eskortieren Hir­t*in­nen beim Weiden der Tiere, übernachten bei bedrohten Familien und helfen ihnen bei der Ernte, etwa in Gebieten, die Sied­le­r*in­nen für sich beanspruchen. Sie organisieren einen Wanderzirkus für Kinder, Hebräisch-Unterricht für Erwachsene, verbreiten Informationen über die Situation im Westjordanland.